Mieczysław Kwiryn Biernacki (Aussprache [mjɛˈt͡ʂɘ.swaf kfiˈrɘn bjɛrˈnat͡ski], * 30. März 1891 in Lublin; † 21. November 1959 ebenda) war ein polnischer Mathematiker.

Leben Mieczysław Kwiryn Biernacki wurde am 30. März 1891 als Sohn des Arztes Mieczysław Józef und dessen Frau Zofia Anna, geb. Weysflog, in Lublin geboren. Er hatte einen Bruder Andrzej Piotr, der Internist und Hämatologe wurde und Grażyna Bacewicz heiratete. 1909 absolvierte er das Stanisław-Staszic-Gymnasium in Lublin und begann an der Jagiellonen-Universität ein Chemiestudium. 1911 wurde er wegen der Teilnahme an einer studentischen Protestaktion gegen die Vorlesungen von Pater Kazimierz Zimmermann von der Hochschule verwiesen. Er setzte sein Studium an der Universität Paris (Sorbonne) fort. In den Jahren 1914–1920 kämpfte er zunächst als Freiwilliger in der französischen Armee und anschließend in den Reihen der Armee von General Józef Haller. Während der Kampfhandlungen wurde er verwundet und erlitt eine Gasvergiftung.

Nach Kriegsende kehrte er zunächst nach Polen zurück. 1923 machte er an der Sorbonne einen Bachelor-Abschluss in Mathematik. Im Mai 1928 wurde er dort mit der Dissertation „Sur les équations algébriques contenant des paramètres arbitraires“ unter der Leitung von Professor Paul Montel zum Doktor der Mathematik promoviert. Anschließend war er ein Jahr lang Oberassistent an der Universität Vilnius. Ab November 1929 arbeitete er in Posen als außerordentlicher Professor im Fach Mathematik und leitete bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges den zweiten Lehrstuhl für Mathematik. 1937 wurde er dort zum ordentlichen Professor ernannt.

Während der Besatzungszeit hielt er sich in Lublin auf und erteilte dort Mathematikunterricht. Nach der Befreiung (Lublin wurde am 24. Juli 1944 von der Sowjetunion erobert) blieb er dauerhaft in der Stadt. Er beteiligte sich am Aufbau der Maria-Curie-Skłodowska-Universität, an der er im Dezember 1944 die Leitung des Lehrstuhls für Mathematik übernahm. Seit 1946 war Biernacki Mitglied der Polska Akademia Umiejętności (PAU) und seit 1949 Mitarbeiter des Mathematischen Instituts der PAU. Ferner gehörte er unter anderem der Poznańskie Towarzystwo Przyjaciół Nauk (Posener Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften) und der Polnischen Mathematischen Gesellschaft an, deren Vizepräsident er in den Jahren 1937–1938 und 1948–1951 war.

Biernacki starb am 21. November 1959 in Lublin und wurde auf dem Friedhof an der Lipowa-Straße beigesetzt.

Werk

In seinen Arbeiten beschäftigte er sich mit mathematischer Analysis und Geometrie. Er veröffentlichte über 100 wissenschaftliche Arbeiten, darunter ein zweibändiges Lehrwerk der Differentialgeometrie. Zusammen mit Halina Pidek-Łopuszska und Czesław Ryll-Nardzewski veröffentlichte er 1950 mit der Arbeit „Sur Une Inégalité Entre des Intégrales Définies“ (Über eine Ungleichung zwischen bestimmten Integralen) folgende Abschätzung, die Auskunft darüber gibt, wie weit ein Integral des Produktes zweier Funktionen vom Produkt der Integrale der einzelnen Funktionen entfernt liegt. Ist eine messbare Menge mit einem endlichen Volumen und sind und zwei Riemann-integrierbare Funktionen mit beschränkten Werten und für alle , so gilt

Dies verallgemeinert die Ungleichung von Grüß auf den endlich-dimensionalen Fall.

In seiner meistzitierten Arbeit „On the monotonity of certain functionals in the theory of analytic functions“ (Über die Monotonie gewisser Funktionale in der Theorie analytischer Funktionen), die er 1957 zusammen mit Jan Krzyz publizierte, betrachtete er eine feste analytische Funktion auf einem Kreis mit Radius um und bewies folgende Monotonieaussage: Definiert man für (das Integral der Betragsfunktion über der Kreislinie mit Radius ) und ist nicht von der Form , so ist die auf dem offenen Intervall definierte Funktion

streng monoton wachsend. (Beachte, dass im Zähler dieses Ausdrucks die Ableitung steht). Die Autoren leiteten daraus weitere Ungleichungen auch geometrischer Art her.

Ehrungen 1936 wurde Biernacki mit dem Offizierskreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet. Er erhielt das Komturkreuz des Ordens Polonia Restituta Im Jahre 1947 erhielt er Stefan-Banach-Preis. 1950 wurde ihm der Staatliche Wissenschaftspreis (Państwowa Nagroda Naukowa) II. Grades auf dem Gebiet der mathematisch-naturwissenschaftlichen Wissenschaften für das Gesamtwerk, für seine bisherigen Arbeit auf dem Gebiet der Mathematik, insbesondere für die Leistungen der Nachkriegszeit, verliehen. 1950 wurde Biernacki mit dem goldenen Verdienstkreuz der Republik Polen ausgezeichnet. Am 28. September 1954 erhielt er das Ritterkreuz des Ordens Polonia Restituta. 1954 erhielt der die Medaille zum 10-jährigen Bestehen der Volksrepublik Polen.

Einzelnachweise Siehe Stefan-Banach-Preis und dortige Belege

Kategorie:Mathematiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Pole Kategorie:Mann Kategorie:Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Träger des Ordens Polonia Restituta (Komtur) Kategorie:Träger des Ordens Polonia Restituta (Ritter) Kategorie:Träger des Verdienstkreuzes der Republik Polen Kategorie:Geboren 1891 Kategorie:Gestorben 1959