Stiftung ist eine Ortschaft der oberösterreichischen Gemeinde Reichenthal, ein kleiner Teil des Ortes befindet sich in der Marktgemeinde Rainbach im Mühlkreis im Bezirk Freistadt. Die Ortschaft hat Einwohner in Reichenthal sowie Einwohner in Rainbach (Stand ) und liegt an der Grenze zu Tschechien.
Geographie Stiftung als Teil der Katastralgemeinde Stiftung bei Reichenthal gehört zum Zählsprengel Reichenthal und umfasst Adressen. Als Teil der Katastralgemeinde Summerau in Rainbach gehört Stiftung zum Zählsprengel Rainbach-Nord und umfasst Adressen (Stand: ).
Geschichte Ortsgeschichte Die Ortschaft Stiftung wurde erstmals im Jahr 1318 als „Styphtung“Matthias Pangerl (Hrsg.): Urkundenbuch des Cistercienserstiftes B. Mariae V. zu Hohenfurt in Böhmen (= Fontes Rerum Austriacum. Zweite Abteilung. Diplomataria et Acta. Band XXIII). Kaiserlich-Königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1865, S. 67–68 (digitale-sammlungen.de): „Peter von Rosenberg schenkt zum Seelenheil seiner Gemahlin Viola dem Stifte Hohenfurt die Dörfer Eibenstein, Stiftung, Schwarzenbach, Frauenthal und zu den höfen.“ und kurz darauf um 1323 und im Jahr 1326 als „Stifftung“ urkundlich erwähnt. Der Ortsname stammt vom mittelhochdeutschen Begriff „stiftunge“ für „Stiftung, Gründung, Belehnung“. Gemeint ist damit eine Ansiedlung von Bauern durch eine Grundherrschaft, die zu dieser in einem Pachtverhältnis stehen und an diese Pachtzins zu zahlen haben.
Im November 1918 wurde mit Ende des Ersten Weltkrieges für Reichenthal und Stiftung eine Grenzwache aus heimgekehrten Soldaten gebildet, um das Gebiet vor herumvagabundierenden ausgemusterten Soldaten zu schützen. Außerdem herrschte Anfang Dezember 1918 große Furcht vor einem möglichen Eindringen tschechischer Militäreinheiten.Grenzwache. In: Johann Pammer: Chronik der Gemeinde & Pfarre Reichenthal. Verlag Easy Media, Linz 2022, S. 212.
Im Jahr 1938 waren in der Ortschaft Stiftung ein Gastwirt, ein Gemischtwarenhändler, eine Mühle mit Sägewerk, ein Sägewerk, ein Schmied, ein Schuhmacher, ein Wagner und vier Landwirte verzeichnet.Adressbuch von Österreich für Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, Herold Vereinigte Anzeigen-Gesellschaft, 12. Ausgabe, Wien 1938, S. 760 (findbuch.at [PDF]).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Sommer 1945 beim Wirt zu Stiftung eine russische Kommandostelle und beim Grenzübergang eine Kontrollstelle nach Kainretschlag (heute die Wüstung Konrátov im Gemeindegebiet von Vyšší Brod) eingerichtet.Die Vertreibung der Nachbarn aus der Pfarre Oberhaid. In: Johann Pammer: Chronik der Gemeinde & Pfarre Reichenthal. Verlag Easy Media, Linz 2022, S. 348.
Gemeinde Stiftung Die Gemeinde Stiftung bei Reichenthal, die von 1850 bis 1938 existierte, wurde auf Basis von Kaiser Joseph II. geschaffenen Steuergemeinden gebildet. Diesen Verwaltungseinheiten standen zuerst sogenannte Richter und später die Bürgermeister vor. Erster Richter der Gemeinde Stiftung war Michael Preinfalk am Wirtshaus.Schaffung der Katastralgemeinden. In: Johann Pammer: Chronik der Gemeinde & Pfarre Reichenthal. Verlag Easy Media, Linz 2022, S. 66. Die ersten Bürgermeister der Gemeinde Stiftung bei Reichenthal waren Mathias Koller (1850–1861) und Josef Birngruber (1861–1883). Im Jahr 1938 wurde die Gemeinde Stiftung in die Gemeinde Reichenthal eingegliedert. Die vormalige Gemeinde Stiftung besteht seither als Katastralgemeinde weiter, welche die Ortschaften Allhut, Böhmdorf, Kohlgrub, Liebenthal, Miesenbach und Stiftung umfasst.
Adammühle mini|Infotafel zur Adammühle am 10-Mühlenweg Die am Kettenbach gelegene Adammühle lässt sich bis in das Jahr 1703 zurückverfolgen. Die Säge und die Mühle wurden durch ein oberschlächtiges Wasserrad mit 4 Meter Durchmesser betrieben. Die Adammühle war eine typische Lohnmühle. Die Bauern brachten meist zweimal jährlich etwa 500 kg Getreide (vorwiegend Roggen) zur Mühle und erhielten nach fünf bis sechs Mahlgängen das Mehl zurück. 1950 wurde das Wasserrad durch einen Turbinenvorläufer ersetzt. Die Mühle wurde 1965 eingestellt, als der nur 40-jährige Müllermeister verstarb. Nachdem die Müllerswitwe 1967 auch den Sägebetrieb aufgeben musste, wurde die Wasserkraft noch zum Antrieb der landwirtschaftlichen Maschinen wie der Futterschneidemaschine, der Brechmühle und der Steffelmaschine zum Dreschen genutzt.
Lorenzmühle mini|Lorenzmühle im Jahr 2026 Die Lorenzmühle, die nur 300 Meter flussabwärts der Adammühle ebenfalls am Kettenbach liegt, wurde seit dem Jahr 1704 betrieben. Der Sägebetrieb wurde 1939 eingestellt, nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1947 wieder aufgenommen, 1960 aber endgültig beendet. In diesem Jahr wurde das Sägegatter verkauft und in der flussabwärts gelegenen Süßmühle aufgestellt.
Feuerwehr Die Freiwillige Feuerwehr Stiftung bei Reichenthal wurde im Jahr 1904 gegründet und umfasste gebietsmäßig die Ortschaften der damaligen Gemeinde Stiftung. Da der Miesenwald bei den Einsätzen für die Kameraden auf der jeweils anderen Seite des Hügelrückens stets hinderlich war, wurde 1931 die Freiwillige Feuerwehr Miesenbach aus der FF Stiftung ausgegliedert.Gundi Kampelmüller: Freiwillige Feuerwehr Miesenbach. In: Gunthilde Kampelmüller: Böhmdorf. Heimat an der Grenze. Hrsg. vom Kultur- und Bildungsring Reichenthal und vom Oberösterreichischen Volksbildungswerk, Druckerei Haider, Schönau im Mühlkreis 2011, S. 83–84.
Mit Erlass der Oö. Landeshauptmannschaft vom 28. Mai 1938 wurden im Zuge der nationalsozialistischen Machtübernahme alle in einer Gemeinde bestehenden Feuerwehren zusammengelegt.Vgl. Dementsprechend wurden die Freiwilligen Feuerwehren Stiftung und Miesenbach als Löschzüge in die Freiwillige Feuerwehr Reichenthal eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeindefeuerwehr Reichenthal auf Antrag der Wehren Stiftung und Miesenbach am 7. Dezember 1947 wieder in drei Feuerwehren aufgeteilt.Die Feuerwehren der Gemeinde zwischen 1938 und 1950. In: Johann Pammer: Chronik der Gemeinde & Pfarre Reichenthal. Verlag Easy Media, Linz 2022, S. 308–309.
Freizeit Der 10-Mühlen-Wanderweg, der beim Freilichtmuseum in Hayrl beginnt, führt unter anderem durch das Gebiet der Ortschaft Stiftung. Der 140 km lange Nordwaldkammweg führt ebenfalls durch Stiftung. Die Teilstrecke Sterngartl-Nord des Radweges Sterngartl-Runde führt unter anderem durch die drei Reichenthaler Ortschaften Niederreichenthal, Schwarzenbach, Stiftung, Allhut und Böhmdorf.
Persönlichkeiten Josef Umdasch (* 1912 in Stiftung; † 1990) entstammte einer im Bereich von Sandl bis Schenkenfelden bekannten Schmiedefamilie und baute ab 1945 mit seiner Ehefrau Hilde, geborene Hopfmüller, das weltweit tätige Unternehmen Umdasch in Amstetten auf.Eine Schmiede-Dynastie aus Stiftung bei Reichenthal. In: Johann Pammer: Chronik der Gemeinde & Pfarre Reichenthal. Verlag Easy Media, Linz 2022, S. 161.
Literatur Johann Pammer: Chronik der Gemeinde & Pfarre Reichenthal. Verlag Easy Media, Linz 2022, ISBN 978-3-902773-50-0, 389 S. Darin mit Bezug zur Ortschaft „Stiftung“: Reichenthaler Exulanten. S. 54–56.Johann Pammer nach Walter Lehnert, Georg Barth: Die oberösterreichischen Exulanten im ehemaligen Brandenburg-Ansbachischen Oberamt Stauf-Landeck. Verzeichnis der Exulanten im Bezirk des evang.-luth. Dekanats Thalmässing (= Freie Schriftenfolge der Gesellschaft für Familienforschung in Franken. Band 14). Verlag Degener und Co., Neustadt/Aisch 1962. Josephinisches Lagebuch der Katastralgemeinde Stiftung bei Waldenfels und Auszug aus der Beschreibung der Gemeinde Stiftung. S. 65. Schaffung der Katastralgemeinden. S. 65–67. Gewerbeanmeldungen ab 1860 der KG Stiftung und Reichenthal, BH Freistadt. S. 83. Gründung der Feuerwehr Stiftung bei Reichenthal. S. 154. Eine Schmiede-Dynastie aus Stiftung bei Reichenthal. S. 161 (Familie Umdasch). Grenzwache. S. 212. Volkszählung Juni 1920, S. 218. Handels- und Gewerbetreibende in der Gemeinde Reichenthal. S. 284–285 (in den Jahren 1930–1950). Die Feuerwehren der Gemeinde zwischen 1938 und 1950. S. 308–309. Die Vertreibung der Nachbarn aus der Pfarre Oberhaid. S. 348–354.
Weblinks
Einzelnachweise
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