mini|Das ehemalig Konvent auf der Insel Navagero mini|Übersichtskarte mit den Kirchen auf Murano San Martino hieß ein Komplex aus Kirche nebst Kloster auf der venezianischen Insel Murano, die wiederum aus mehreren Inseln besteht. San Martino lag am Canale San Donato, in der Mitte der Insel Navagero, auf der sich zwei weitere Kirchen befanden, nämlich San Maffio im Norden und San Jacopo Maggiore im Süden. Das Kloster San Martino, das vom frühen 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert an den Fondamenta S. Martino bestand, wurde zur Zeit Napoleons aufgehoben und von den Nonnen verlassen. Es ist nicht mit San Mattia auf der benachbarten Insel im Nordwesten von Murano zu verwechseln, die gleichfalls zu Murano gehört. Die Kirche San Martino hingegen war deutlich älter und reichte mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurück. Sie wurde 1810 abgerissen. Eine Brücke südwestlich des Klosters, der Ponte S. Martino, erinnert an Kirche und Kloster gleichermaßen, ebenso wie die gleichnamigen Fondamenta.

Geschichte Gegründet wurde die Kirche von der Familie Marcello. 1137 überließ ein Pietro Marcello, Sohn eines Pietro di Torcello aus der Gemeinde San Giovanni Crisostomo, die Kirche einem „Costantino Mucianicho“ (wie Emmanuele Antonio Cicogna annimmt, ein Angehöriger der Familie Mocenigo) und der gesamten Gemeinde.Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 6, Tipografia Andreola, Venedig 1853, S. 164. Die Bauwerke und das weitläufige Gelände waren durch Erbteilungen an Pietro gelangt. Das Dokument ist allerdings nicht im Original erhalten, sondern wurde als Abschrift in eine Urkunde von 1443 eingefügt.

Dabei waren die Rechtsverhältnisse verwickelt. 1274 wurde ein Giuliano von einem Andrea Gussoni, Pfarrer an der Mutterkirche Santa Maria e Donato, sowie durch dessen Kapitel zum Vikar an San Martino gewählt. 1316 präsentierte Kardinal Morosini, gleichfalls Pfarrer der besagten Mutterkirche, dem Abt Morando von San Cipriano, der wiederum der Generalvikar des eigentlich für Murano zuständigen Bischofs Tolomeo von Torcello war, einen Priester namens Simon Canerloti. Nach dieser Bestätigung konnte er den neuen Priester wiederum in den Besitz der Kirche einsetzen.

Wohl ab 1377 fand eine Renovierung der Kirche statt, wie aus einer Kopie des entsprechenden Dokuments aus dem 16. Jahrhundert hervorgeht. Darin wird das Testament eines Muranesen namens „Joannes Donato“ vom 10. September 1377 erwähnt, durch das je 200 Dukaten an vier Kirchen auf Murano fließen sollten, darunter San Martino. 1460 wurde den Konventualen das Kloster San Jacopo di Paludo überantwortet.

Das Gebäude kam durch einen Francesco Rubeo oder de’ Rossi 1501 an Maria Merlini, eine Hieronymiten-Nonne aus dem venezianischen Kloster Santa Caterina. Die Frauen errichteten nun ein Kloster neben der von ihnen renovierten Kirche. Sie hatten das Recht, einen Vikar zu präsentieren, der für die Seelsorge und die Austeilung der Sakramente verantwortlich war. Dessen Anrecht auf Wahl auf Lebenszeit, das zu Streitigkeiten geführt hatte, wurde 1550 von Papst Julius III. auf Wunsch der Nonnen widerrufen.

Im selben Jahr 1550 kam es zu einem weitreichenden Umbau des Klosters, das 1625 mit Reliquien aus Rom ausgestattet wurde. 1698 wurde die Fassade und auch die Kirche renoviert.

Der Konvent wurde während der französischen Herrschaft im Jahr 1805 geschlossen, die Nonnen mussten ins benachbarte Kloster Santa Maria degli Angeli umziehen. Die Kirche wurde 1810 abgerissen. Zu Cicognas Zeit bestand dort das Unternehmen Dalmistro an den Fondamenta San Martino. Ein Tabernakel aus Bergkristall wurde, wie Cicogna erwähnt, nach Santa Maria e Donato verbracht. Bei seinem Besuch im Jahr 1854 waren die Grabtafeln allesamt verschwunden.

Literatur Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 6, Tipografia Andreola, Venedig 1853, S. 161–348. (Digitalisat) Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 621 f. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil III,1, Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1791, S. 57. („S. Martino“). (Digitalisat)

Weblinks

Anmerkungen

Martino Kategorie:Kirche auf Murano Kategorie:Murano Martino Kategorie:Bauensemble in Italien Kategorie:Martinskloster Kategorie:Erbaut im 12. Jahrhundert Kategorie:Zerstört in den 1810er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien Kategorie:Profaniertes Kloster