mini|Barbara Herzfeld (um 1920) Barbara Herzfeld (geborene Barbara Friedmann; * 19. Dezember 1898 in Budapest; † 13. März 1970 in Ciudad Jardín Lomas del Palomar, Provinz Buenos Aires, Argentinien) war eine deutsch-ungarische Übersetzerin, Buchhändlerin und antifaschistische Exilaktivistin. Bekannt wurde sie durch ihre Arbeit als Übersetzerin sowie durch ihre Tätigkeit im deutschsprachigen Exil in Argentinien.
Leben Barbara Friedmann wurde 1898 in Budapest geboren. Sie hatte einen Bruder und zwei Schwestern. Vermutlich um 1920 übersiedelte sie von Budapest nach Berlin.
In den frühen 1920er Jahren arbeitete Friedmann als literarische Übersetzerin aus dem Ungarischen und Englischen. 1921 erschienen ihre Übersetzungen der Werke Das Mädchen und Herr Theaterdirektor von Stefan Székely sowie Frau Csotis Kuß von Ferenc Molnár. 1924 folgten Übersetzungen von Amor und Psyche von Ludwig Bíró sowie Unterm Sternenbanner von Oscar Ameringer. Weitere Übersetzungen von Werken Molnárs erschienen 1927 und 1928. 1929 übersetzte sie die Komödie Eins, zwei, drei von Ferenc Molnár, die später als Vorlage für den Film Eins, zwei, drei von Billy Wilder diente. 1923 lernte sie John Heartfield kennen. Am 13. Oktober 1927 heirateten beide. Das Paar lebte in der Potsdamer Straße 118 in Berlin.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Wohnung Heartfields in der Nacht vom 16. auf den 17. April 1933 von der SA überfallen. Barbara Friedmann folgte ihrem Ehemann am 23. April 1933 nach Prag, der bereits in der Nacht des Überfalls in Richtung Tschechoslowakei geflohen war. In Prag lernte Friedmann u. a. den Schriftsteller Egon Erwin Kisch kennen. Ende April 1933 entschied sich Friedmann dazu, nach Paris zu reisen, da sie in Prag keine Perspektive für sich sah, und so ließ sich auch Heartfield kurze Zeit später in Paris nieder.Vgl. Folder der Akademie der Künste, Berlin: Heartfield, Gertrud, Interview mit Jarmilla Necas, 07/1974. Mit der 12. Ausbürgerungsliste des Deutschen Reiches vom 16. April 1937 wurde Barbara Friedmann ausgebürgert und verlor ihre deutsche Staatsangehörigkeit.Vgl. Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Nr. 86, 16. April 1937, S. 2, Berlin, Deutsches Reich.
Im März 1938 verließ Barbara Friedmann Europa an Bord des Stückgutfrachters Florida von Marseille nach Südamerika,Vgl. Barbara Herzfeld: Postkarte an H. Herzfeld, 19. März 1938, Marseille, Frankreich. während John Heartfield in Europa blieb. In Buenos Aires eröffnete sie noch im selben Jahr mit Unterstützung von Felix Weil die Bücherstube und Leihbibliothek Librería B. de Herzfeld in der Tucumán 313. Die Buchhandlung entwickelte sich zu einem Treffpunkt deutschsprachiger Exilanten. 1940 zog die Buchhandlung in ein Ladenlokal in der Tucumán 316 um, wo unter anderem Kunstausstellungen stattfanden.Vgl. O. A.: Phytogramme, Argentinisches Tageblatt, o.S., 8. Dezember 1940, Buenos Aires, Argentinien. 1943 erfolgte ein weiterer Umzug in die Reconquista 434 in Buenos Aires.
Barbara Herzfeld engagierte sich zudem in der Theatergruppe „Truppe 38“ der Exilorganisation „Das Andere Deutschland“.Vgl. Barbara Herzfeld: Truppe 38 – Vorwärts, Argentinisches Tageblatt, 3. Juli 1938, S. 10, Buenos Aires, Argentinien. Weiterhin schrieb sie ab 1938 auf Honorarbasis Artikel für das Argentinische Tageblatt.Vgl. Barbara Herzfeld: Brief an Dr. Manfred Georg, 20. Oktober 1938, S. 1f., Buenos Aires, Argentinien. Ab etwa 1943 arbeitete der deutsche Exilant Peter Bussemeyer in der Buchhandlung mit; vermutlich unterhielten beide zu dieser Zeit eine Beziehung.Vgl. Barbara Herzfeld: Brief an Felix Pinkus, 20. November 1946, S. 1f., Buenos Aires, Argentinien. Später lebten beide zusammen [Aviador Piccione Nr. 2189, Lomas del Palomar, Pronvinz Buenos Aires]. Peter Bussemeyer pflegte seine Lebensgefährtin in den letzten Jahren ihres Lebens. Die Ehe mit John Heartfield bestand formal bis 1952. Barbara Herzfeld starb am 13. März 1970 in Ciudad Jardín Lomas del Palomar in der Provinz Buenos Aires.Vgl. Schreiben des Peter Bussemeyer an Kurt Hiller vom 23. Juli 1970, S. 1, Lomas del Palomar, Provinzes de Buenos Aires, Argentinien.
Übersetzungen (Auswahl) 1921: Das Mädchen von Stefan Székely 1921: Herr Theaterdirektor von Stefan Székely 1921: Frau Csotis Kuß von Ferenc Molnár 1924: Amor und Psyche von Ludwig Bíró 1924: Unterm Sternenbanner von Oskar Ameringer 1927: Die Dampfsäule von Ferenc Molnár 1928: Der verhängnisvolle Kuss von Ferenc Molnár 1929: Eins, zwei, drei von Ferenc Molnár 1936: Die Schauspielerin und die fremde Dame von Ferenc Molnár
Bedeutung Barbara Herzfeld gehörte zu den deutschsprachigen Exilanten, die nach 1933 das kulturelle Leben der Emigration in Argentinien prägten. Durch ihre Buchhandlung und ihre journalistische Tätigkeit trug sie zur Vernetzung antifaschistischer Intellektueller und Künstler im Exil bei.
Literatur
Stefanie Kremmel: Barbara de Herzfeld – Buchhändlerin und Übersetzerin im Exil. Porträt der Exilübersetzerin Barbara Herzfeld geb. Friedmann. In: Forschungsprojekt Exil:Trans – Leben und Arbeit verfolgter ÜbersetzerInnen. Universität Wien, Wien. 2022 (online).
Einzelnachweise
Kategorie:Übersetzer aus dem Englischen Kategorie:Übersetzer aus dem Ungarischen Kategorie:Übersetzer ins Deutsche Kategorie:Buchhändler Kategorie:Kulturaktivist Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Immigrant in Argentinien Kategorie:Ungarischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Deutscher Kategorie:Ungar Kategorie:Geboren 1898 Kategorie:Gestorben 1970 Kategorie:Frau