Matthias Spörrle (* 16. Juli 1974 in Hamburg) ist ein deutscher Universitätsprofessor und Psychologe. Aktuell arbeitet er im Bereich der Wirtschaftspsychologie an der Privatuniversität Schloss SeeburgUniv.-Prof. Dr. Matthias Spörrle. In: Privatuniversität Schloss Seeburg. Online, abgerufen am 7. April 2026. sowie als Leiter eines Doktoratsstudiengangs am Universitären Hochschulinstitut SchaffhausenUniv.-Prof. Dr. Matthias Spörrle. In: Hochschulinstitut Schaffhausen. Online, abgerufen am 7. April 2026.. Seine Forschungsarbeiten befassen sich schwerpunktmäßig mit Bewertungs- und Entscheidungsprozessen in wirtschaftlichen und technologiebasierten Kontexten, die er insbesondere aus evolutionspsychologischer und emotionstheoretischer Perspektive untersucht.

Leben Nach seinem Abitur am Josef-Effner-Gymnasium Dachau studierte er Psychologie (Diplom) in München an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Diplomarbeit verfasste er unter der Betreuung von Udo Rudolph. Anschließend promovierte er bei Friedrich Försterling im Bereich der Kognitiven Emotionstheorien.

Seinen ersten Ruf erhielt er 2008 für Methodenlehre und Statistik an die Hochschule für angewandtes Management. Im Jahr 2014 nahm er einen Ruf auf eine Professur für Wirtschaftspsychologie an der Privatuniversität Schloss Seeburg in Seekirchen am Wallersee (Österreich) für Wirtschaftspsychologie an. Seit 2017 arbeitet er zudem am Universitären Hochschulinstitut Schaffhausen, wo er seit 2022 die Leitung des Doktoratsstudiengangs innehat.

Forschungsinteressen und Beiträge Spörrles Forschungsarbeiten sind überwiegend empirischer Natur und umfassen ein breites Spektrum von psychologischen und wirtschaftswissenschaftlichen beziehungsweise betriebswirtschaftlichen Beiträgen. Auf der Profilseite der Privatuniversität Schloss Seeburg werden insbesondere menschliche Entscheidungsprozesse im Arbeits- und Geschäftsleben, Forschungsmethoden sowie seine sozial- und evolutionspsychologische Perspektive hervorgehoben.

Evolutionäre Psychologie Aus evolutionspsychologischer Perspektive untersuchte Spörrle gemeinsam mit Jennifer Stich menschliche Schlafplatzpräferenzen anhand standardisierter Grundrisse.Sleeping in Safe Places: An Experimental Investigation of Human Sleeping Place Preferences from an Evolutionary Perspective. In: Evolutionary Psychology. Online, abgerufen am 7. April 2026. Die Ergebnisse zeigten, dass eine Mehrheit der Versuchspersonen das Bett so positionierte, dass die Tür (als Ort des Eintritts möglicher Angreifer) aus der Liegeposition einsehbar war, ohne selbst sofort sichtbar zu sein. Dieses Muster führten die Autoren auf evolutionäre Schutzmechanismen zurück. Die Studie wurde von anderen Forschungsgruppen aufgegriffen und repliziert.„Good Night, Sleep Tight“: Do we have an „Evolutionary Preference“ for Placing Beds in Sleeping Rooms? A Replication and Extension of Spörrle and Stich (2010). In: Evolutionary Psychological Science. Online, abgerufen am 7. April 2026.

Attraktivitäts- und geschlechtsbasierte Verzerrungen in Organisationen In einem weiteren evolutionspsychologisch orientierten Forschungsstrang befasste sich Spörrle mit Verzerrungseffekten auf Basis physischer Attraktivität und Geschlecht. Dieser Bereich knüpft unmittelbar an das Konzept des Sexual Attribution Bias (SAB) – der abhängig von der Geschlechtskonstellation systematisch verzerrten Ursachenzuschreibung bei Erfolg attraktiver Personen. In einer gemeinsamen Studie mit Maria Agthe und Friedrich Försterling wurden die Befunde zum SAB auf weitere psychologische Variablen ausgeweitet: Untersucht wurden neben Attributionen auch soziale Emotionen sowie der Wunsch nach sozialer Interaktion, jeweils in Abhängigkeit von Attraktivität und Geschlecht der zu beurteilenden Person.Success Attributions and More: Multidimensional Extensions of the Sexual Attribution Bias to Failure Attributions, Social Emotions, and the Desire for Social Interaction. In: Personality and Social Psychology Bulletin 34 (12): 1627–1638. Online, abgerufen am 7. April 2026.

In Weiterführung dieser Linie untersuchte Spörrle gemeinsam mit Maria Agthe, Jon Maner und Dieter Frey Attraktivitätsverzerrungen in organisationalen Entscheidungsprozessen. Eine Studie aus dem Jahr 2010 wies nach, dass attraktive Personen in bestimmten sozialen Vergleichskontexten in Organisationen benachteiligt statt bevorzugt wurden.Don’t hate me because I’m beautiful: Anti-attractiveness bias in organizational evaluation and decision making. In: Journal of Experimental Social Psychology. Online, abgerufen am 7. April 2026. Eine Folgestudie zeigte, dass die Richtung solcher Attraktivitätsverzerrungen durch die Richtung sozialer Vergleichsprozesse moderiert wird.Looking up versus Looking down: Attractiveness‐based Organizational Biases Are Moderated by Social Comparison Direction. In: Journal of Applied Social Psychology. Online, abgerufen am 7. April 2026.

Emotionen in unternehmerischen Entscheidungskontexten Ein weiterer Schwerpunkt betrifft den Einfluss spezifischer Emotionen auf unternehmerische Entscheidungen. In Zusammenarbeit mit Isabell M. Welpe, Dietmar Grichnik, Theresa Michl und David B. Audretsch untersuchte Spörrle, wie Freude, Ärger und Angst die Nutzung unternehmerischer Gelegenheiten beeinflussen. Freude und Ärger erhöhten die Exploitationsbereitschaft, während Angst sie verringerte – und zwar inkrementell und unabhängig von der kognitiven Bewertung der Gelegenheit selbst.Emotions and Opportunities: The Interplay of Opportunity Evaluation, Fear, Joy, and Anger as Antecedent of Entrepreneurial Exploitation. In: Entrepreneurship Theory and Practice. Online, abgerufen am 7. April 2026. Eine ergänzende Studie verglich Angestellte und Unternehmer hinsichtlich der Interaktion kognitiver Bewertungen und affektiver Zustände bei Gründungsentscheidungen.Der Einfluss von Kognition und Affekt auf Unternehmensgründungsentscheidungen: Eine vergleichende Analyse von Angestellten und Unternehmern. In: Zeitschrift für Betriebswirtschaft. Online, abgerufen am 7. April 2026. Methodisch zentral in diesen Arbeiten ist die Unterscheidung zwischen positiven und negativen affektiven Zuständen als distinkt voneinander wirksame Einflussdimensionen: Negative Emotionen manifestieren sich nicht als bloße Abwesenheit positiver Emotionen, sondern als eigenständige, inkrementelle Prädiktoren von Verhaltens- und Entscheidungsvariablen. Dieses Forschungsfeld wurde in einem Buchbeitrag innerhalb der internationalen Reihe „International Studies in Entrepreneurship“ weiterentwickelt, in dem die Rolle von Emotionen und Kognitionen im unternehmerischen Entscheidungsprozess systematisch aufgearbeitet wurde.The Role of Emotions and Cognitions in Entrepreneurial Decision-Making. In: Revisiting the Entrepreneurial Mind. Online, abgerufen am 7. April 2026.

Wissensmanagement, Organisationsverhalten und Werbepsychologie In einem weiteren Forschungsstrang untersuchte Spörrle gemeinsam mit Florian Offergelt, Klaus Moser und Jason D. Shaw das Phänomen des von Führungskräften signalisierten Wissensverbergens in Organisationen. Die Studie zeigte, dass ein solches Führungsverhalten bei Mitarbeitenden unter anderem zu verstärktem Wissensverbergen und geringerer Arbeitszufriedenheit führt.Leader‐signaled Knowledge Hiding: Effects on Employees’ Job Attitudes and Empowerment. In: Journal of Organizational Behavior. Online, abgerufen am 7. April 2026. Zusätzlich veröffentlichte er zusammen mit Florian Becker und Lutz von Rosenstiel einen Beitrag, der sich auf die Überzeugung durch Glaubwürdigkeit konzentriert.Persuasion durch Glaubwürdigkeit. In: Wirtschaftspsychologie. Online, abgerufen am 7. April 2026.

Technologieakzeptanz Spörrle untersucht darüber hinaus die Rolle emotionaler Zustände im Kontext von Technologieakzeptanz. In empirischen Studien analysierte er gemeinsam mit Christoph Hohenberger und Isabell M. Welpe, wie positive und negative Emotionen die Nutzungsbereitschaft gegenüber automatisierten Fahrzeugen beeinflussen und ob sich dabei systematische Geschlechtsunterschiede zeigen.How and why do men and women differ in their willingness to use automated cars? The influence of emotions across different age groups. In: Transportation Research Part A: Policy and Practice. Online, abgerufen am 7. April 2026.

Neuere Arbeiten erweitern diesen Ansatz auf die Akzeptanz starker künstlicher Intelligenz für Selbstoptimierungszwecke und untersuchen dabei die Rolle von Geschlecht, Persönlichkeit und Emotionen.Me, myself and AI: How gender, personality and emotions determine willingness to use Strong AI for self-improvement. In: Technological Forecasting and Social Change. Online, abgerufen am 7. April 2026. Weitere Studien befassen sich mit dem Zusammenspiel von Risikoeinschätzung und Alter bei der wahrgenommenen Nützlichkeit von Cyborg-TechnologienToo Old for Risk? Enhancing Effects between Risk Assessment and Age on the Perceived Usefulness of Cyborg Technologies. In: Acta Psychologica. Online, abgerufen am 7. April 2026. sowie mit der Frage, warum Männer positivere Einstellungen gegenüber menschenähnlicher KI am Arbeitsplatz aufweisen.What Goes beyond Sex? Unravelling Why Men Hold More Favourable Attitudes toward Human-Level AI in the Workplace. In: Behaviour & Information Technology. Online, abgerufen am 7. April 2026.

Diese Forschungsarbeiten erfassen häufig negative und positive affektive Zustände gleichzeitig und stellen dar, dass deren Effekte auf Outcome-Variablen simultan und unabhängig voneinander auftreten. Die Konsequenzen negativer Emotionen entstehen also nicht wegen bloßer Abwesenheit von positiven Emotionen oder als deren Gegenstück, sondern eigenständig und inkrementell.

Persönlichkeitsforschung und Messmethodik Im Bereich der Persönlichkeitsforschung erarbeitete Spörrle meta-analytische Leitlinien zur Bewertung der Reliabilität von Einzelitem-Persönlichkeitsinstrumenten.Meta-Analytic Guidelines for Evaluating Single-Item Reliabilities of Personality Instruments. In: Assessment. Online, abgerufen am 7. April 2026. Darüber hinaus veröffentlichte er gemeinsam mit Prisca Brosi Arbeiten zu negativem Führungsverhalten und dessen Zusammenhang mit dysfunktionalen Persönlichkeitsmerkmalen sowie situativen Einflussfaktoren.Die dunkle Seite der Führung: Negatives Führungsverhalten, dysfunktionale Persönlichkeitsmerkmale und situative Einflussfaktoren. In: Die Zukunft der Führung. Online, abgerufen am 7. April 2026. Sein zusammen mit Waltraud Martius und Achim Hecker veröffentlichtes Herausgeberwerk betrachtet unter anderem die Rolle der Persönlichkeit bei der Auswahl von Franchisenehmern.Erfolgreiche Rekrutierung von Franchisenehmern: Wie Sie Engpässe in der Akquise überwinden und die richtigen Partner auswählen. Online, abgerufen am 7. April 2026.

In einem methodisch ausgerichteten Beitrag an der Schnittstelle von Datenerhebung und Maschinellem Lernen (ML) untersuchte Spörrle gemeinsam mit Michael Woelk, Modelice Nam und Björn Häckel, inwiefern quantitative Fragebogendaten mithilfe von Convolutional Neural Networks (CNNs) visuell klassifiziert und interpretiert werden können. Dabei werden fragebogenbasierte Antwortmuster zunächst als Heatmaps visualisiert und anschließend bildbasiert durch CNNs ausgewertet, was neue Möglichkeiten der automatisierten Analyse psychologischer Erhebungsdaten eröffnet.From Questionnaires to Heatmaps: Visual Classification and Interpretation of Quantitative Response Data Using Convolutional Neural Networks. In: Applied Sciences. Online, abgerufen am 7. April 2026.

Veröffentlichungen (Auswahl) Offergelt, Florian, Matthias Spörrle, Klaus Moser, und Jason D. Shaw. 2019. „Leader‐signaled Knowledge Hiding: Effects on Employees’ Job Attitudes and Empowerment“. Journal of Organizational Behavior 40 (7): 819–833. doi:10.1002/job.2343.