Tarmisa ( - madinat 'iitarmis) ist ein ehemaliges Dorf und ein benachbartes Berberdorf im Gebiet des Dschabal Nafusa im Nordwesten Libyens, im historischen Tripolitanien.

Geographie Tarmisa liegt auf einer Klippe mit Blick auf die Dschafarah-Ebene, etwa fünf Kilometer von Dschadu (جادو‎) entfernt.Philip Kenrick: Libya Archaeological Guides; Tripolitania. Silphium Press 2009: S. 80. Die Wüstung liegt nördlich der heutigen Siedlung. In der Nähe liegt die Siedlung Temezda.

Sehenswürdigkeiten Moschee Das verlassene Dorf besitzt eine kleine Moschee kurz vor dem Gipfel der Klippe. Ihr steinerner Türbogen weist geschnitzte Medaillons von für die Berberarchitektur ungewöhnlicher Regelmäßigkeit auf , was darauf hindeutet, dass der Rahmen von einem römischen Gebäude stammen könnte. Die Archäologin Isabella Welsby Sjöström fotografierte diese Verzierung und bemerkte, dass sie nur auf einer Seite des Eingangs zu finden ist – eine Asymmetrie, welche die Annahme stützt, dass älteres Material wiederverwendet wurde (Spolie).Isabella Welsby Sjöström: In Search of the Romans in Jabal Nafusa and Surrounding Area In: Niccolò Mugnai: Tripolitania in the Roman Empire and Beyond. vol. 4. British Institute for Libyan and Northern African Studies. 2024: S. 178.

Sjöström beobachtete zudem im Inneren einen möglicherweise zugemauerten Türdurchgang, dessen Wand mit mehreren Putzschichten bedeckt war und Nischen in ungewöhnlicher Halbmondform aufwies.

Chi-Rho-Monogramm In Tarmisa wurde 1914 ein beschrifteter Steinblock gefunden. Er trägt ein christliches Chi-Rho-Monogramm (ein Symbol für Jesus Christus), welches von einem Kranz umrahmt und von stilisierten Palmen flankiert wird. Dies deutet auf eine spätrömische Datierung und einen möglichen Ursprung in einer Kirche hin. Der Keramikspezialist Philip Kenrick gibt an, dass sich der Block in Raum 20 des Leptis-Magna-Museums befindet. Sjöström hingegen verzeichnet ihn im Libyschen Museum (متحف ليبيا&lrm, muthaf libia) in der Hauptstadt Tripolis.

Weitere Funde Das in der Siedlung sichtbare Mauerwerk entspricht dem Typus, welchen der Archäologe Francesco Corò, der das Gebiet in den 1920er Jahren besuchte, als lokale Berberbaukunst identifizierte und in einigen Fällen als zeitgleich mit römischen Gebäuden in der Region ansah. Auf den Felsoberflächen des gesamten Geländes finden sich kleine, schalenförmige Vertiefungen. Sie entstanden durch das Mahlen von Dattelkernen, die als Kamelfutter dienten und auch zu einer Süßigkeit ähnlich Halva verarbeitet wurden.

Einzelnachweise

Literatur Philip Kenrick: Libya Archaeological Guides; Tripolitania. Silphium Press 2009. ISBN 9781900971089 Isabella Welsby Sjöström: In Search of the Romans in Jabal Nafusa and Surrounding Area In: Niccolò Mugnai: Tripolitania in the Roman Empire and Beyond. vol. 4. British Institute for Libyan and Northern African Studies. 2024. ISBN 978-1-915808-11-0, S. 173–192, doi=10.2307/jj.24081269.15 Jstor jj.24081269

Kategorie:Archäologie (Libyen) Kategorie:Geschichte (Libyen)