mini|Harriet Christina Newcomb, 1874 Harriet Christina Newcomb (* 20. Mai 1854 in Bow, Middlesex; † 15. April 1942 in Watford, Hertfordshire) war eine englisch-britische Pädagogin und Frauenrechtlerin. Sie setzte sich sowohl in Großbritannien als auch in Australien für progressive Pädagogik und eine verbesserte Lehrerausbildung ein und war aktives Mitglied der Women's Freedom League.
Leben Newcomb war eine ältere Tochter von William Newcomb (1816–1892), einem Buchhalter, und Harriet Sandell, geborene Walker (1823–1872) geboren. Newcomb erhielt, wie es für ihre damalige soziale Schicht typisch war, eine häusliche Erziehung.
Sie erwarb ein Cambridge Teachers’ Certificate und kam ans Maria Grey Training College. Dort lernte sie Margaret Emily Hodge kennen, mit der sie eine fünfzigjährige Freundschaft verbinden sollte. Im September 1897 wanderten Newcomb und Hodge nach Sydney aus, um auf Einladung von Professor Walter Scott von der Teachers’ Association of New South Wales Lehrerausbildungskurse nach dem Vorbild des Cambridge-Programms aufzubauen.
Im Januar 1900 gründeten Hodge und Newcomb in Sydney die Shirley School and Kindergarten, eine Demonstrations‑ und Ausbildungsschule für Mädchen. Die angehenden Kindergärtnerinnen waren häufig Neubürgerinnen, die aus Großbritannien in die australische Kolonie eingewandert waren. Newcomb, die als „Organisationsgenie“ beschrieben wurde, war Schulleiterin und Französischlehrerin. Die Shirley School hatte bis zum Ende des ersten Jahres 100 Schülerinnen.
Während ihres Aufenthalts in Australien engagierten sich sowohl Newcomb als auch Hodge in den Bereichen Bildung, Feminismus und Frauenwahlrecht. Beide hielten Vorträge bei der Australasian Association for the Advancement of Science. Newcomb hielt Ansprachen bei der Sydney Ladies' Sanitary Association und dem National Council of Women. Im Jahr 1903 wurde Newcomb die erste Vizepräsidentin der Society for Child Study.
Nachdem Hodge einige Jahre gesundheitlich angeschlagen war, kehrten beide Frauen im Oktober 1908 nach England zurück und ließen sich gemeinsam in Maida Vale, City of Westminster, nieder. Dort fungierten sie als „inoffizielle Vertreterinnen“ der Frauenwahlrechtsbewegung in Australien, sie organisierten eine australische Delegation für den großen Women's March zur Royal Albert Hall mit 10.000 Teilnehmerinnen am 18. Juni 1910 und hielten illustrierte Vorträge für potenzielle Auswanderer nach Australien. Sie waren die australischen Delegierten auf der 6. Konferenz der International Woman Suffrage Alliance, die im Juni 1911 in Stockholm, Schweden, stattfand. 1911 wurde Newcomb ehrenamtliche Sekretärin der neu gegründeten Australian and New Zealand Women Voters’ Association. Während eines längeren Aufenthalts in Australien in den Jahren 1912–13 waren Newcomb und Hodge maßgeblich an der Gründung einer Imperial Woman Suffrage Union beteiligt, der Vorläuferin der British Dominions Women’s Suffrage Union.
Während des Ersten Weltkriegs arbeitete Newcomb in London für die Scottish Women’s Hospitals for Foreign Service. 1919 trat sie dem Vorstand der Women’s Freedom League bei, nachdem sie viele Jahre als deren „Literatursekretärin“ tätig gewesen war. Sie blieb bis 1922 im Vorstand.
Ab 1927 lebten Newcomb und Hodge getrennt, blieben jedoch in engem und häufigem Kontakt. In ihren späteren Lebensjahren wurde Newcomb von den Ideen Rudolf Steiners und der Anthroposophie beeinflusst.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zog Newcomb nach Watford. Dort starb sie am 15. April 1942.
1949 schrieb ihre Zeitgenossin Rosine Guiterman ein kurzes Essay über Newcomb und Hodge mit dem Untertitel „A Short Account of Two Pioneers in Education“.Das Essay ist unveröffentlicht und befindet sich in den Beständen der State Library of New South Wales.
Ehemalige Schülerinnen und Freunde richteten einen Gedenkfonds ein, aus dem 1950 das Newcomb‑Hodge Fellowship am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Sydney hervorging, die bis in die 1960er Jahre aktiv war.Verzeichnis der Papiere 1902–1968 der Newcomb Hodge Fellowship, ML MSS 1745 in der Mitchell Library, State Library of New South Wales.
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