mini|Zum König von Preußen, Blick von Südosten, zwischen 1900 und 1907 Zum König von Preußen war ein Gebäude in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Es wurde während des Zweiten Weltkriegs zerstört und gilt als verloren gegangenes Baudenkmal.Götz Eckardt (Herausgeber), Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg, Band 1, Henschel Verlag Berlin, ISBN 3-926642-24-6, Seite 268.
Lage Das Haus befand sich in der Magdeburger Altstadt auf der Nordseite der Leiterstraße, in einer Ecklage zur östlich verlaufenden Prälatenstraße.
Es bestand zunächst die Adressierung Prälatenstraße 27, nach der Neuanlegung der Straße südlich des Hauses dann Hasselbachstraße 1 und nach einer Umnummerierung letztlich Leiterstraße 20.
Geschichte Vorgängerbebauung In der Zeit vor 1525 gehörten zwei zwischen Lederstraße (später als Leiterstraße bezeichnet) und Stadtmauer gelegene Höfe der Familie von Veltheim-Harbke. Einer der Höfe war ein erzbischöfliches Lehen und so Teil der Stiftsfreiheit. Erzbischof Albrecht belehnte dann im Jahr 1525 die Brüder Levin und Matthias von Veltheim. Nachdem Levin verstorben war, wurde allein Matthias belehnt. Von ihm mietete Sebastian Gryttel das Haus. Gegen eine Zahlung von einmalig 47 Gulden im Sinne einer Leibrente, durften er und seine Ehefrau im Haus wohnen. Bereits zu diesem Zeitpunkt war der Hof wohl instandsetzungsbedürftig. Zumindest wurde er bereits 1540 als wüst bezeichnet. Kurz darauf gab Matthias von Veltheim die Hofstelle an Joachim von Kraft, wobei von Kraft sich verpflichtete, innerhalb von drei Jahren für 400 Gulden ein neues Haus zu bauen. Vermutlich wurde die Stätte später verkauft. Das Grundstück unterstand der Gerichtsbarkeit der Möllenvogtei.
Im Jahr 1631 befanden sich hier dann zwei Kurienstätten des Sebastianstifts. Eine war vom Advokaten Julius Holstein, die andere vom Kanonikus und Lektor am Magdeburger Dom Georg Thiering bewohnt. Bei der Zerstörung der Stadt Magdeburg im Jahr 1631 wurden auch diese Grundstücke zerstört und lagen dann wüst. Auf der Hausstelle Holsteins hatte 1668 der Arbeitsmann Joachim Schmidt eine Hütte errichtet. In der Zeit um 1680 erwarb der Dekan des Nikolaistifts von Mandelsloh das Grundstück und legte hier den sogenannten Dekanatsgarten an.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 97.
Neubau von 1719 mini|Peter Ludwig du Moulin Gestützt auf eine königliche Verordnung bebaute Major Peter Ludwig du Moulin 1719 die Fläche neu. Der Baumeister des Hauses ist unbekannt, wobei ein auswärtiger, möglicherweise aus Berlin stammender vermutet wird.Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 38. Das neu errichtete Haus benannte er als Zum König von Preußen. Das Grundstück erstreckte sich sowohl weit von der Prälatenstraße 27 aus nach Norden als auch bis zur Stadtmauer. Im Jahr 1747 veräußerte du Moulin das Anwesen für 3500 Taler an Christoph Wrede. Sein Sohn war dann ab 1782 Eigentümer des Gasthofs.
Obwohl die Gaststätte abseits und etwas versteckt lag, erfreute sie sich großer Beliebtheit. Zum Gasthof gehörten ein geräumiger Hof und ein Garten.
Im Jahr 1794 erwarb Johann Karl Wesche (auch Wäsche) für 7900 Taler das Anwesen. 1803 erhielt er eine unbeschränkte Schankgerechtigkeit. Trotz der Zugehörigkeit des Grundstücks zur Stiftsfreiheit mussten Einquartierungen aufgenommen werden. Auch war, wie sonst bei Bürgern der Altstadt, Wachtdienst zu leisten. Wäsches Witwe Dorothea Friederike Wäsche übernahm das Grundstück ab 1808. An die Möllenvogtei war ein jährlicher Erbzins in Höhe von fünf Taler zu leisten.
1849 kaufte die Loge Harpokrates das Gebäude. Die Nutzung als Logenhaus blieb bis 1873 bestehen. Im Zuge der Stadterweiterung wurde ab 1872 die Leiterstraße nach Westen über das Grundstück verlängert, so dass auf der Südseite des Hauses eine Straße entstand und das Gebäude in eine Ecklage geriet. Die Arbeiten für den Straßendurchbruch wurden am 23. Juni 1873 abgeschlossen. mini|Großer Saal im Haus in der Zeit der Nutzung als Stadtmissionshaus, vor 1907 Das verbliebene restliche Grundstück wurde 1873 vom Buchdruckereibesitzer Karl Friese erworben. Im Haus entstand ein Hofbräuausschank. Im Jahr 1900 erwarb der Stadtverein für innere Mission das AnwesenErnst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 98. und richtete hier das neue Stadtmissionshaus ein. Das alte Stadtmissionshaus befand sich in der Poststraße.
Zerstörung und Neubebauung mini|Ehemaliger Standort im Jahr 2026 Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört. Im Zuge einer Neugestaltung der Leiterstraße in der Zeit der DDR wurde der Bereich in den 1980er Jahren durch ein Wohn- und Geschäftshaus in Plattenbauweise neu bebaut und zugleich der Abschnitt der Prälatenstraße östlich des Grundstücks überbaut.
Architektur Der 1719 errichtete zweigeschossige, verputzte Bau war zehnachsig angelegt. Die Fassade wies eine FünfteilungErich Wolfrom: Die Baugeschichte der Stadt und Festung Magdeburg (= Magdeburger Kultur- und Wirtschaftsleben. Nr. 10, ). Stadt Magdeburg – Der Oberbürgermeister, Magdeburg 1936, Seite 44. durch einen Mittel- und zwei Eckrisalite im Sinne der sogenannten französischen Klassik auf. Es war der erste Bau mit dieser Gestaltung in Magdeburg.Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 37 f. Einige Achsen traten so in Form flacher, nur wenige Zentimeter starker Risalite hervor und waren durch gequaderte Lisenen gefasst. Die Lisenen verkröpften sich am Hauptgesims, setzten sich in der schmalen Attika fort und endeten letztlich in freistehenden Urnen. Durch die horizontale Fugung hoben sich die Risalite deutlich von den dazwischen liegenden Flächen ab. Die Seitenrisalite wurden mit giebelartig gestalteten Dachfenstern bekrönt. Sie verfügten jeweils über einen stark profilierten Segmentbogen, der von flankierenden, breitbasierten Voluten getragen und von einer Vase bekrönt oder durchbrochen wurde. Der Giebel über dem Mittelrisalit war am höchsten, blieb jedoch unter der Bruchlinie des das Haus bedeckenden Mansarddachs. Die Gestaltung erinnerte an die des Innungshauses der Gewandschneider (Alter Markt 14) und des Hauses Zum goldenen Weinfaß (Breiter Weg 156).Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 38.
Die Fassaden waren schmucklos ausgeführt, die Ornamentik blieb im Dachbereich konzentriert. Das Element der durchlaufenden Attika und der fast zu Giebeln erhobenen Dachfenstergestaltungen blieben in der Magdeburger Architektur einzigartig, während die Aufteilung der Fassadenflächen sich als typische Gestaltungsform durchsetzte. Die angewandten Formen entstammen der Berliner Baukunst aus der Richtung Philipp Gerlachs.Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 38. Die Komposition der Fassade ähnelte jedoch der schon 1707 errichteten Brandt von Lindauschen Gebäude an der Schlossfreiheit in Zerbst. Die Fensterrahmungen wiesen Ähnlichkeiten zum Haus Zum freundlichen Gesicht (Große Münzstraße 13) auf.Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 39.
In der ersten Achse befand sich eine rundbogige Einfahrt. Das eigentliche Eingangsportal war ebenfalls als Rundbogen ausgeführt und wurde von einem Schlusssteinkopf abgeschlossen.Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Henschel Verlag Kunst und Gesellschaft, Berlin o. J. (um 2000?), ISBN 3-926642-24-6, Band 1, Seite 268. Es befand sich im Mittelrisalit. Oberhalb des Portals war ein alleinstehendes verbreitertes Fenster angeordnet. Diese Fensteröffnung verfügte als einzige am gesamten Gebäude über eine Verdachung, was diese mittlere Achse noch betonte. Die Gestaltung des Portals entstammte Ryckwaerts Plan für das Schloss Zerbst.Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 39.
Am Portal des Hauses befand sich ein F für Fridericus. Darüber war folgende lateinische Inschrift angebracht:
Die zur Prälatenstraße ausgerichtete schmale Seite des Hauses entsprach in ihrer Aufteilung der Frontfassade, war jedoch nur bis zur dritten Achse alt. Fünf Lisenen trennten die drei Fensterachsen. Auch hier verfügte der Mittelrisalit über eine horizontale Fugung und war von einem gleich gestalteten Dachfenster bekrönt.
Im Gebäude befand sich ein als „Großer Saal“ bezeichneter Saal. Zumindest Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich an seiner Stirnseite der Bibelvers Johannes 12, 36:
Glaubet an das Licht, dieweil ihr es habt auf daß ihr des Lichtes Kinder seid.
Literatur Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Henschel Verlag Kunst und Gesellschaft, Berlin o. J. (um 2000?), ISBN 3-926642-24-6, Band 1, Seite 268. Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 37 f., 90. Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 97 f.
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemaliges Kulturdenkmal in Magdeburg Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Magdeburg Kategorie:Erbaut 1719 Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Barockbauwerk in Magdeburg Kategorie:Gaststätte