Maria Dorota Majewska (* 1949 in Zgierz) ist eine polnisch-amerikanische Neurobiologin und Professorin der medizinischen Wissenschaften. Sie arbeitete an mehreren US-amerikanischen Forschungsinstitutionen und veröffentlichte Studien zur allosterischen Modulation von GABAA-Rezeptoren durch Neurosteroide sowie zu neurobiologischen Aspekten von Steroidhormonen und Entwicklungsstörungen*.

Leben und Ausbildung Maria Dorota Majewska wurde in Zgierz (Polen) als Tochter eines Lehrerehepaars geboren. Sie besuchte das Stanisław‑Staszic‑Gymnasium in Zgierz, das sie 1966 abschloss. Anschließend studierte sie Biochemie und Biophysik an der Universität Łódź und erhielt 1971 ihren M.Sc.-Abschluss cum laude.

1979 promovierte sie in Neurochemie am Institut für Experimentelle und Klinische Medizin der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN). Im Jahr 2007 wurde ihr der polnische Staatstitel „Professor der medizinischen Wissenschaften“ verliehen.

Wissenschaftliche Laufbahn Majewska arbeitete an US-amerikanischen Forschungsinstitutionen, darunter der University of Missouri (Department of Biological Chemistry, Columbia, MO), der Harvard Medical School (Department of Biological Chemistry, McLean Hospital, Belmont, MA), dem National Institute of Mental Health (Section on Preclinical Studies, Clinical Neuroscience Branch, Bethesda, MD, NIMH), dem National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (Section of Neurochemistry, Laboratory of Clinical Studies, NIAAA), FIDIA-Georgetown Institute for Neuroscience, Georgetown University Medical School, Washington, DC. und dem National Institute on Drug Abuse (Laboratory of Neuropharmacology, Addiction Research Center, Baltimore, MD, NIDA).Sie war Gastwissenschaftlerin am französischen INSERM (Université Paris-Sud, Département d’Endocrinologie von Prof. Étienne-Émile Baulieu) und leitete später in Polen am Institut für Psychiatrie und Neurologie in Warschau ein von der Europäischen Kommission gefördertes Forschungsprojekt zu neurobiologischen Aspekten von Entwicklungsstörungen.

Ihre wissenschaftlichen Arbeiten befassen sich unter anderem mit der Neurochemie von Steroidhormonen, Mechanismen neuronaler Schädigung bei Ischämie und Anoxie, neurobiologischen Grundlagen von Sucht sowie mit präklinischen und klinischen Untersuchungen zu Steroidprofilen und Biomarkern bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen.

Akademische Lehrtätigkeit Majewska betreute in den Vereinigten Staaten und in Polen mehrere Ärztinnen und Ärzte, die im Rahmen von MD/PhD‑Programmen oder Promotionsstudiengängen den Grad einer Doktorin bzw. eines Doktors der medizinischen Wissenschaften erwarben. Darüber hinaus hielt sie Vorlesungen und Seminare für PhD‑Studierende sowie für Bachelor‑Studierende der Biologie und verwandter Fächer. Ihre Lehrtätigkeit umfasste sowohl theoretische Lehrveranstaltungen als auch die forschungsorientierte Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und ‑wissenschaftlern im Labor. In den Jahren 2010–2015 war sie zudem Gastprofessorin an der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität in Warschau, wo sie Bioneurologie für Studierende im Grundstudium unterrichtete.

Neurosteroide: Historischer Hintergrund Steroidhormone wie Progesteron und sein Metabolit Allopregnanolon wurden bereits 1938 isoliert. In den frühen 1980er‑Jahren zeigten Étienne‑Émile Baulieu und Mitarbeiter, dass Pregnenolon, Dehydroepiandrosteron (DHEA) und verwandte Steroide im Gehirn synthetisiert werden können. Diese Befunde trugen zur späteren Verwendung des Begriffs „Neurosteroide“ in der neurobiologischen Forschung bei.

Forschung zur Modulation des GABAA‑Rezeptors durch Neurosteroide In einer 1986 in Science veröffentlichten Studie zeigte Majewska gemeinsam mit Kollegen am U.S. National Institute of Mental Health, dass mehrere endogene Steroidmetaboliten – darunter Allopregnanolon und Tetrahydrodeoxycorticosteron – als positive allosterische Modulatoren des GABAA‑Rezeptorkomplexes wirken, während Pregnenolonsulfat eine entgegengesetzte Wirkung ausübt.

Die Ergebnisse wurden in einem begleitenden Kommentar von D.M. Barnes diskutiert, der die untersuchten Metaboliten als „powerful allosteric enhancers of GABAA receptors“ beschrieb und einen möglichen Zusammenhang mit hormonabhängigen Veränderungen von Stimmung und Stressreaktionen erwähnte.

Die Befunde wurden 1990 im Economist aufgegriffen, wo die Modulation neuronaler Aktivität durch Neurosteroide thematisiert wurde.The Economist: The chemistry of the mind: Steroids and brain activity. In: The Economist. 317 (7679), S. 95, 1990-11-03

Majewskas Übersichtsarbeit von 1987 (Actions of steroids on neuron: Role in personality, mood, stress, and disease) über die Wirkungen von Steroiden auf Neuronen wurde von mehreren Forschern des National Institute of Mental Health (NIMH) kommentiert, darunter von F. K. Goodwin, dem damaligen Direktor des Instituts, der die Ergebnisse als „significant advance in our molecular and cellular understanding of classic clinical observations“ bezeichnete.https://psycnet.apa.org/record/1989-00880-001

Spätere historische Analysen beschrieben die Studie von 1986 und nachfolgende Arbeiten als Beiträge zum Verständnis der Rolle von Neurosteroiden in der neuronalen Regulation.

Bedeutung und wissenschaftlicher Einfluss Die Arbeiten von Majewska und ihrer Forschungsgruppe zur allosterischen Modulation von GABA𝐴-Rezeptoren werden in der Fachliteratur als frühe Beiträge zur Neurosteroidforschung beschrieben. Ihre 1986 veröffentlichte Studie wird in mehreren historischen Übersichtsarbeiten im Zusammenhang mit der Untersuchung schneller, nicht‑genomischer Effekte endogener Steroide auf neuronale Erregbarkeit erwähnt.https://www.benchchem.com/pdf/The_Discovery_and_Development_of_Neuroactive_Steroids_A_Technical_Guide.pdf

Die von Majewska und ihren Kollegen beschriebenen Mechanismen wurden in späteren Arbeiten als Grundlage für die Entwicklung klinisch eingesetzter Neurosteroide diskutiert. Historische Analysen bezeichnen die Allopregnanolon‑Forschung als ein Beispiel für rationale Wirkstoffentwicklung in der Neuropsychiatrie.

Neurosteroidbasierte Therapeutika Die Entdeckung der neurosteroidvermittelten Modulation von GABAA‑Rezeptoren wird in der Fachliteratur als ein konzeptioneller Ansatz für die Entwicklung neurosteroidbasierter Medikamente beschrieben.

Brexanolon, eine synthetische Form von Allopregnanolon, wurde 2019 von der US‑amerikanischen FDA als Medikament zur Behandlung der postpartalen Depression zugelassen.Bench-to-bedside: NIMH research leads to brexanolone, first-ever drug specifically for postpartum depression | National Institutes of Health (NIH) Sein orales Analogon Zuranolon folgte 2023 als oral verfügbares Neurosteroid mit raschem Wirkungseintritt.Basic Research Powers the First Medication for Postpartum Depression - National Institute of Mental Health (NIMH) Das Magazin Scientific American bezeichnete Zuranolon im Jahr 2025 als eine „bahnbrechende“ Behandlung, die eine rasche Linderung der Symptome der postpartalen Depression ermöglichen könne.

Ein weiteres verwandtes Molekül, Ganaxolon, erhielt 2022 die Zulassung zur Behandlung von Anfällen im Zusammenhang mit CDKL5‑Mangelstörung, einer seltenen X‑chromosomalen neuroentwicklungsbedingten Erkrankung.

Aktuelle Übersichtsarbeiten beschreiben Neurosteroide als eine neue Klasse schnell wirkender neuropsychiatrischer Therapeutika mit potenziellen Anwendungen bei Depression, Angststörungen, Epilepsie, Tic‑Störungen, Alzheimer‑Krankheit und Parkinson‑Syndrom.

Autismusforschung Im Rahmen ihres von der Europäischen Kommission geförderten Marie‑Skłodowska‑Curie Excellence Chair (EXC FP6, 2007–2009) leitete Majewska am Institut für Psychiatrie und Neurologie in Warschau das Forschungsprojekt ASTER (Neurobiology of Autism: Role of Steroids and Mercury). Das Programm umfasste präklinische Tierstudien in der Abteilung für Pharmakologie und Neurophysiologie des Instituts zu entwicklungsneurologischen Effekten von Thimerosal sowie klinische Untersuchungen zu Steroidprofilen und Biomarkern bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie desselben Instituts. Der Excellence Chair beinhaltete zudem ein strukturiertes Ausbildungsprogramm für Doktorandinnen, Doktoranden und Postdoktorandinnen bzw. Postdoktoranden; Majewska betreute dabei eine Gruppe von 17 Nachwuchswissenschaftlerinnen und ‑wissenschaftlern.

In klinischen Studien berichtete ihre Arbeitsgruppe über erhöhte Speichelkonzentrationen mehrerer Steroidklassen – darunter C19‑ und C21‑Vorläufer – sowie über altersabhängige Veränderungen der DHEA/DHEAS‑Verhältnisse. Weitere Analysen zeigten Unterschiede im Quecksilbergehalt von Haarproben, die auf eine mögliche Beeinträchtigung der Metallelimination in bestimmten ASS‑Subgruppen hinweisen könnten.

Systematische Übersichtsarbeiten verweisen auf eine teilweise Replikation hormoneller Muster und betonen die Heterogenität der Befunde. Neuere Synthesen der Neurosteroidforschung nennen Majewskas Arbeiten als Beitrag zu der Evidenz, dass Veränderungen der Steroidregulation bei ASS eine Rolle spielen könnten und mögliche therapeutische Implikationen für neurosteroidmodulierende Substanzen bestehen.

Suchtforschung Während ihrer Tätigkeit am National Institute on Drug Abuse (Medication Development Division, Addiction Research Center, NIDA) war Majewska an Teilen des institutsinternen Programms zur Entwicklung pharmakologischer Ansätze für Substanzgebrauchsstörungen beteiligt. Auf Grundlage präklinischer Befunde, dass der GABAB‑Rezeptoragonist Baclofen die dopaminerge Aktivierung hemmt und die durch Kokain induzierte Verhaltenssensibilisierung abschwächt, wurde Baclofen als potenzieller Kandidat zur Reduktion von Craving diskutiert.

Eine klinische Forschungsgruppe des Los Angeles Addiction Treatment and Research Center führte daraufhin die erste Humanstudie zu Baclofen bei Kokainabhängigkeit durch, an deren Publikation in Neuropsychopharmacology (1998) Majewska als Koautorin beteiligt war.

Baclofen entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem intensiv untersuchten Wirkstoff in der Suchtmedizin und wurde in Frankreich als Therapieoption für Alkoholabhängigkeit zugelassen. Baclofen wurde in den folgenden Jahren in der Suchtmedizin weiter untersucht und erhielt in Frankreich eine Zulassung als Therapieoption für Alkoholabhängigkeit. Aktuelle Übersichtsarbeiten beschreiben Baclofen als eine GABAB‑erge Substanz, für die klinische Evidenz zur Reduktion von Craving bei Substanzgebrauchsstörungen vorliegt.

Popularwissenschaftliche Arbeiten Majewska ist auch als Wissenschaftsautorin tätig und veröffentlichte mehr als 40 populärwissenschaftliche Artikel in den polnischen Zeitschriften Polityka und Dziś. Ihre Beiträge behandelten Themen aus Neurobiologie, Psychiatrie, Endokrinologie und den gesellschaftlichen Implikationen der Hirnforschung.

Darüber hinaus ist sie Autorin zweier populärwissenschaftlicher Bücher in polnischer Sprache, in denen sie neurobiologische Konzepte für ein breiteres Publikum aufbereitete und aktuelle Entwicklungen der Neurowissenschaften kommentierte.

Weitere Tätigkeiten 2000 bis 2001 war sie Vorsitzende der Polish American Health Association (PAHA) in Washington, D.C.

Wissenschaftliche Diskussion mit der Polnischen Gesellschaft für Vakzinologie (2008)