Die Familie Monet in ihrem Garten in ArgenteuilDas Gemälde wird bezeichnet als Die Familie Monet in ihrem Garten in Argenteuil in Angela Schneider, Anke Daemgen, Gary Tinterow: Die schönsten Franzosen kommen aus New York, 2007, S. 120 und in Ina Conzen: Edouard Manet und die Impressionisten, 2002, S. 90., auch Freilichtbildnis (Claude Monet und sein Familie)Das Gemälde wird bezeichnet als Freilichtbildnis (Claude Monet und sein Familie) in den Katalogen zur Ausstellung der Sammlung Pellerin in Berlin und München 1910, Nr. 8., Familie Monet im GartenDas Gemälde wird bezeichnet als Familie Monet im Garten in Françoise Cachin, Charles S. Moffett und Juliet Wilson-Bareau: Manet. 1832–1883. 1983/1984, S. 360. oder Die Familie Claude Monet im GartenDas Gemälde wird bezeichnet als Die Familie Claude Monet im Garten in Preussische Akademie der Künste: Frühjahrsausstellung, 1926, S. 9. ()Französischer Bildtitel La famille Monet au jardin im Werkverzeichnis Denis Rouart, Daniel Wildenstein: Edouard Manet. Catalogue raisonné, 1975, S. 190. ist ein Gemälde von Édouard Manet. Das in Öl auf Leinwand gemalte Bild hat eine Höhe von 61 cm und eine Breite von 99,7 cm.Katja Kohlhoff: Französische Meisterwerke des 19. Jahrhunderts, 2007, S. 120. Es zeigt den Maler Claude Monet mit seiner Frau Camille und dem gemeinsamen Sohn Jean im Garten ihres Hauses im Pariser Vorort Argenteuil. Manet schuf das Bild im Sommer 1874, dem Jahr der ersten Gruppenausstellung der Impressionisten, die Monet mitorganisiert hatte. Manet, der sich an dieser Ausstellung nicht beteiligt hatte, stand der neuen Malweise und den Themen der Impressionisten offen gegenüber, was sich besonders in seinen 1874 unter dem Einfluss von Monet in Argenteuil entstandenen Gemälde widerspiegelt. Während Manet am Gemälde Die Familie Monet in ihrem Garten in Argenteuil arbeitete, schuf der Malerkollege Pierre-Auguste Renoir parallel das Gemälde Camille Monet und ihr Sohn Jean in Argenteuil mit nahezu identischem Motiv. Diese Werke sind nicht nur Momentaufnahmen einer sommerlichen Gartenszene, sondern zugleich ein Zeugnis der Freundschaften der Maler untereinander. Manets Gemälde gehört zur Sammlung des Metropolitan Museum of Art in New York.
Beschreibung Dieses Ende Juli 1874 begonnene Werk zeigt eine sommerliche Szene mit drei Personen. Zu sehen sind Claude Monet mit seiner Frau Camille und dem gemeinsamen Sohn Jean im Garten ihrer Villa in Argenteuil.Maryanne Stevens: Manet, portraying life, 2012 S. 185. Camille sitzt „damenhaft kokett“Willibald Sauerländer: Manet malt Monet: ein Sommer in Argenteuil. 2012, S. 39. etwas rechts von der Mitte auf der Rasenfläche des Gartens. Ihre Beine sind in Richtung zur linken unteren Ecke gestreckt, der Rücken ist entsprechend zum rechten Rand ausgerichtet. Sie hat den Kopf mit dem hellen Gesicht nach vorn gedreht und blickt mit weit geöffneten dunklen Augen frontal zum Betrachter. Ihr langes „weiß-bläuliches Kleid“ ist vor ihr halbkreisförmig ausgebreitet und nur die hellbraunen Sommerschuhe schauen darunter hervor. Sie hat den linken Arm angewinkelt und stützt sich mit dem Kinn auf die zusammengerollte Hand.Adolphe Tabarant: Manet et ses oeuvres. 1947, S. 250. Rüschen bilden den Abschluss des Kleides am Ärmel und am Halsausschnitt. Passend zum Kleid trägt sie einen weißen Sommerhut mit gelbem und rosafarbenem Blütendekor und schwarzem Schleifenarrangement. Schleifenbänder fallen zudem kontrastreich über das weiße Kleid. Als auffälliges Accessoire hält sie in der verdeckten rechten Hand einen hinter ihr sichtbaren aufgeschlagenen roten Fächer. Mit ihrer städtischen Aufmachung im Gras sitzend, vereint sie Mode und Natur und gibt darüber hinaus die Rolle einer Mutter.Carol Armstrong: Manet, Manette. 2002, S. 213. An ihrer linken Seite hat sich der Sohn Jean mit dem Kopf und der Schulter angelehnt, während der Rest des Körpers bequem auf der Rasenfläche liegt. Der sich fläzende Junge trägt der Zeit entsprechend eine „lichtblaue“ Kombination aus Oberteil und halblanger Hose in der Art eines Matrosenanzuges. Unter dem mit rotem Streifen abgesetzten Strohhut auf seinem Kopf schaut das blonde, zu einem Pony frisierte Haar und sein rosiges Gesicht hervor. Solche Strohhüte waren zur Entstehungszeit des Bildes insbesondere bei Wassersportlern wie Seglern oder Ruderern beliebt. Rote Schuhe und helle Strümpfe komplettieren seine Aufmachung. Auf der linken Seite steht Claude Monet. Er ist etwas seitlich von vorn zu sehen, wie er sich mit der linken Hand auf das Knie stützend nach vor beugt, um mit der rechten Hand zu einer roten Blüte zu fassen, die zur Pflanzenreihe am linken Bildrand gehört. Er ist mit dunkler Hose und schwarzen Schuhen bekleidet und trägt ein langärmliges hellblaues Hemd, im Farbton ähnlich der Kleidung seines Sohnes.Katja Kohlhoff: Französische Meisterwerke des 19. Jahrhunderts, 2007, S. 44. Auf den Kopf hat er einen runden schwarzen Hut gesetzt, möglicherweise eine Art Melone. Sein Gesicht mit dem markanten Vollbart ist den Pflanzen vor ihm zugewandt. Während sich seine Frau und sein Sohn im Gemälde passiv verhaltenColin B. Bailey: Renoir's portraits: impressions of an age, 1997, S. 130., ist er nicht nur in der Rolle des Ehemanns und Vaters zu sehen, sondern aktiv bei der Gartenarbeit.Gary Tinterow: Die Familie Monet in ihrem Garten in Argenteuil. In: Angela Schneider, Anke Daemgen, Gary Tinterow: Die schönsten Franzosen kommen aus New York, 2007, S. 120. Eine große Zinkgießkanne zu seiner linken Seite unterstreicht seine Rolle als Gärtner, der sich um die Pflege der Pflanzen kümmert.James H. Rubin: Manet, initial M, hand and eye, 2010, S. 300–301. Monet ist skizzenhafter dargestellt, als seine Frau und sein Sohn. Die Autorin Ina Conzen vermutete, er habe möglicherweise „nur kurz als Modell zur Verfügung“ gestanden, um dann „selbst zum Pinsel“ zu greifen.Ina Conzen: Edouard Manet und die Impressionisten. 2002, S. 93.
Die Familie Monet wird durch eine Hühnerfamilie im Vordergrund gespiegelt. Neben einem goldgelben Hahn mit rotem Kamm gibt es ein weißes nach rechts laufendes Huhn. Etwas versteckt, zu Füßen von Camille, ist im Gras zudem ein kleines dunkel-gelbes Küken auszumachen. Sie sind von links nach rechts in derselben Vater-Mutter-Kind-Abfolge angeordnet wie die Familie Monet. Hahn und Henne symbolisieren das treue Paar, das sich um seinen Nachwuchs kümmert.James H. Rubin: Manet, initial M, hand and eye, 2010, S. 300. Mehrere weitere Küken sind rechts im Hintergrund versammelt. Die freilaufenden Hühner passen eigentlich nicht zu einem gepflegten Vorstadtgarten, da sie – arttypisch – die Grasfläche und andere Pflanzen durch ständiges Picken beschädigen würden. Der Autor Colin B. Bailey hat vermutet, dass die Hühner möglicherweise von einem Bauernhof stammen, der weit weniger entfernt war, als Monet und Camille es sich gewünscht hätten. Verbunden sind die verschiedenen Figuren durch die sich wiederholenden roten Akzente, die vom roten Kamm des Hahnes, über Jeans rote Schuhe, Camilles roten Fächer und den roten Blüten des Gärtners Claude Monet reichen.Charles S. Moffett: Familie Monet im Garten. In: Françoise Cachin, Charles S. Moffett und Juliet Wilson-Bareau: Manet. 1832–1883. 1983/1984, S. 363.
Der Garten zeigt insgesamt die sattgrüne Vegetation des Sommers. Dabei nimmt die zentrale Rasenfläche einen Großteil der Bildfläche ein. Hinter Camille ragt darin ein verästelter Baum empor, dessen Baumkrone vom oberen Rand abgeschnitten wird. Er kann als eine Assoziation zu einem Stammbaum gedacht sein, aber auch der Bildkomposition dienen. Rechts und links begrenzen diagonal ins Bild ragende Vegetationsbereiche die Rasenfläche. Links ist hinter den von Monet umsorgten Blumen eine Vielzahl von aufragenden Ästen von Büschen oder Bäumen zu erkennen. Auf der rechten Seite, etwas weiter im Hintergrund, finden sich weitere Büsche und Bäume mit roten Blüten. Hinter Camille setzt sich in einiger Entfernung diese emporragende Pflanzenwelt fort. Dahinter scheint eine gräuliche Fläche durch, bei der es sich um das Haus der Monets handeln könnte. Der Himmel ist in diesem Bild nicht zu sehen. Das Sonnenlicht ist nur durch helle Reflexe angedeutet, etwa links zwischen den Ästen im Laubwerk oder auf der Fläche im Hintergrund. Vor allem aber fällt helles Licht auf Camille und Jean. Für den Autor Richard R. Brettell ist Manets Landschaftshintergrund so frei gemalt, dass er noch nass erscheint.Richard R. Brettell: Impression, painting quickly in France 1860–1890, 2000, S. 162. Das Bild ist in großen Teilen eher skizzenhaft mit deutlich sichtbaren Pinselstrichen und schnell gesetzten Farbtupfen im Stil des Impressionismus gemalt.Katja Kohlhoff: Französische Meisterwerke des 19. Jahrhunderts, 2007, S. 45. Ina Conzen lobte die meisterhafte Farbskala mit ihren „reinen Grünabstufungen“, „das leuchtende, delikat mit Grau- und Rosatönen durchsetzte Weiß“, das „Blau der Figurenbekleidung“ und die „über das Bild verteilten roten und gelben Farbtupfer“.
Für den immer selbstkritischen Manet war das Abkratzen einer Farbschicht mit dem Spachtelmesser ein wiederholt anzutreffendes Merkmal seiner Arbeitsweise.Richard R. Brettell: Impression, painting quickly in France 1860–1890, 2000, S. 88. Auch in diesem Bild hatte er in einigen Bereichen zunächst verdünnte Farbe aufgetragen, die er später zum Teil wegwischte oder wegritzte. Hierdurch blieb „eine durchscheinende Schicht grüner Untermalung“ zurückCharles S. Moffett: Familie Monet im Garten. In: Françoise Cachin, Charles S. Moffett und Juliet Wilson-Bareau: Manet. 1832–1883. 1983/1984, S. 362., darauf folgte anschließend ein Farbeauftrag aus „dickeren Tupfern und langen, nassen Pinselstrichen“.Richard R. Brettell: Impression, painting quickly in France 1860–1890, 2000, S. 87. Insgesamt zeigt Manet in diesem Gemälde eine „im Vergleich zu früheren Werken aufgehellte Palette“.Josephine Klinger: Eine Verlängerung der Rue Laffite in Berlin. In Anette Hüsch, Josephine Klinger, Franziska Lietzmann: Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus, 2026, S. 169. Charles S. Moffett hob den „mit Bedacht orchestrierten Aufbau von Farben und Farbschichten“ hervor. Er unterstrich, dass dadurch „die zufällige Erscheinung des Dargestellten“ auszuschließen sei, somit trotz des teils flüchtigen Malstils eine insgesamt komplexe Komposition vorliege. Das Bild ist unten rechts mit „Manet“ signiert.Charles S. Moffett: Familie Monet im Garten. In: Françoise Cachin, Charles S. Moffett und Juliet Wilson-Bareau: Manet. 1832–1883. 1983/1984, S. 360.
Treffen der Freunde im Garten von Argenteuil Manet verbrachte die Sommerferien im Juli und August 1874 auf dem Landbesitz seiner Familie in Gennevilliers und kam zu gelegentlichen Besuchen bei Monet am gegenüberliegenden Seineufer in Argenteuil vorbei. Der Schriftsteller Émile Zola berichtete am 23. Juli 1874 aus Paris an seinen Freund Antoine Guillemet: „Manet ist verschwunden. Er malt bei den Monets in Argenteuil...“Brief von Zola an Antoine Guillemet vom 23. Juli 1874, In: Emile Zola: Salons, Droz, Genf 1959, S. 25–26, zitiert in Françoise Cachin, Charles S. Moffett, Juliet Wilson-Bareau: Manet: 1832-1883, deutsche Ausgabe 1984, S. 360. Während Manet im Garten von Monet malte, kam zufällig auch Pierre-Auguste Renoir vorbei. Von diesem Zusammentreffen der drei Maler berichtete Monet 50 Jahre später dem Schriftsteller Marc Elder:
mini|Pierre-Auguste Renoir:Monet malt in seinem Garten, 1873