Die Bahnstrecke Firenze–Faenza ist eine Nebenbahn in Italien. Sie verläuft von Florenz (Firenze) über Borgo San Lorenzo nach Faenza.
Geschichte Streckenabschnitt EröffnungFaenza–Fognano9. Januar 1887Fognano–Marradi26. August 1888Florenz–Borgo San Lorenzo8. April 1890Marradi–Borgo San Lorenzo21. April 1893
Vorgeschichte Anfang der 1840er Jahre begann man im Großherzogtum Toskana mit dem Bau der ersten Eisenbahnstrecken entlang der leicht befahrbaren innerstaatlichen Trassen. Doch schon damals dachte man darüber nach, wie sich der Gebirgszug des Apennin überqueren ließe.
Unter den zahlreichen vorgelegten Entwürfen war der von Pater Giovanni Antonelli vielleicht der praktikabelste: Er sah vor, das Arno-Tal bis nach Pontassieve hinaufzufahren, dann dem Fluss Sieve zu folgen und die Berge entlang der Strecke Dicomano–Villore (einem Ortsteil von Vicchio) – Marradi zu überqueren. Anschließend sollte es gemächlich entlang des Lamone-Tals bis nach Faenza weitergehen.
Die Trasse nutzte die breiten Talsohlen und war recht einfach, abgesehen von etwa 10 bis 15 km auf Höhe des Apenninkammes. Sie hatte den Vorteil, die großherzogliche Gemeinde Marradi, die orografisch zur Romagna gehörte, mit dem Mutterland zu verbinden.
In den folgenden zehn Jahren wurden lebhafte Diskussionen geführt, doch letztendlich fiel die Wahl auf die Strecke Pistoia–Bologna. Diese war im toskanischen Abschnitt zwar wesentlich anspruchsvoller, dafür aber kürzer und konnte die bereits bestehende „Ferrovia Maria Antonia“ nutzen. Auf eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen Florenz und Bologna musste man hingegen noch 80 Jahre warten.
Die „Porrettana“ wurde 1863 eingeweiht, doch ihr immenser Erfolg zeigte sofort ihre Unzulänglichkeit. Die Diskussionen über mögliche Trassen für eine zweite transapenninische Strecke gewannen daraufhin wieder an Dynamik, insbesondere ab 1865 mit der Verlegung der Hauptstadt des Königreichs Italien zunächst nach Florenz und dann 1871 nach Rom.
Es fanden Abstimmungsgespräche zwischen den bestehenden Projekten statt, und es kam zu weiteren hitzigen Diskussionen über die Streckenführung vom Mugello nach Florenz. Zur Auswahl standen eine einfache und direkte Strecke über Pontassieve nach Rom sowie eine schwierigere, für Florenz jedoch vorteilhaftere Strecke über Vaglia.
Bau Die Strecke wurde schließlich durch das Baccarini-Gesetz finanziert.
Am 9. November 1880 begannen die Bauarbeiten von Faenza in Richtung Marradi, das am 26. August 1888 erreicht wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Frage der Anbindung an Florenz noch nicht geklärt, sondern vielmehr Gegenstand intensiver parlamentarischer Debatten.
In der Zwischenzeit wurde endlich eine Entscheidung getroffen. Die Eisenbahnstrecke sollte den direkten Weg nach Florenz nehmen. Die Arbeiten an der Strecke Florenz–Borgo San Lorenzo begannen 1884 und wurden am 8. April 1890 abgeschlossen.
Am 31. Mai 1890 begannen die Arbeiten an der zentralen Strecke zwischen Borgo San Lorenzo und Marradi, die aufgrund ihrer zahlreichen Tunnel sicherlich die anspruchsvollste war.
Die Einweihung der gesamten Strecke erfolgte am 23. April 1893.
Entwicklung Obwohl die Strecke Florenz (über Vaglia) mit Bologna verband und dabei nur 19 km länger war als die Porrettana, wies sie gegenüber dieser einige Verbesserungen auf: Die Passhöhe betrug 578 Meter, also 100 Meter weniger als bei der Porrettana. Die maximale Steigung lag bei 25 Promille und war damit ähnlich wie bei der anderen Strecke, wurde jedoch nur auf kurzen Abschnitten gemessen, im Gegensatz zu den durchgehenden Steigungen zwischen Pistoia und Pracchia. Dennoch blieb die Faentina stets eine Nebenstrecke, da sie durch die beiden Bergpässe (Tunnel von Pratolino und Allocchi) stark benachteiligt war. Dies hatte erhebliche Auswirkungen auf den Kohleverbrauch und somit auf die Betriebskosten. Die Strecke war lediglich von lokaler Bedeutung oder diente dem Güterverkehr, vor allem auf der romagnolischen Seite.
Selbst während des Ersten Weltkriegs, als der Bahnverkehr angesichts der damaligen Netzkapazitäten extreme Spitzenwerte erreichte, fuhren auf der Porrettana täglich mehr als 70 Züge, auf der Faentina hingegen nur 60.
Die Elektrifizierung wurde begonnen, aber nie vollendet: Zunächst konzentrierte man sich auf die Elektrifizierung der Porrettana, später wurden mit einer Aussicht auf eine baldige Eröffnung der Direktverbindung, die Arbeiten nicht wieder aufgenommen.
Die Einweihung der Direktverbindung Florenz–Bologna nahm der Strecke natürlich viel von ihrer Bedeutung, reduzierte das Verkehrsaufkommen erheblich und schränkte ihre Rolle ein.
Die geplante Verbindung zwischen Borgo San Lorenzo–Pontassieve ist nie in Vergessenheit geraten. Sie hätte dem unteren Sieve-Tal mit Sicherheit Vorteile gebracht und den Güterverkehr von Rom in Richtung Poebene angekurbelt.
Tatsächlich hatten sich die Kontroversen um die Wahl der Trasse nie gelegt: Die lokalen Gemeinden forderten ihre Bahn und schließlich wurde die Strecke gebaut und am 29. Juni 1913 eingeweiht.
Aus technischen Gründen oder mangels Willen erfolgte der Anschluss an die bestehenden Strecken in Pontassieve und Borgo San Lorenzo jeweils nur in Richtung Florenz. Im Mugello wurde praktisch ein „Eisenbahnring“ für den Nahverkehr gebaut, doch Fern- und Güterzüge mussten zwangsläufig eine doppelte Spitzkehre absolvieren.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke schwer beschädigt. Zunächst wurde sie von den Alliierten bombardiert, anschließend richtete die sich zurückziehende deutsche Wehrmacht weitere Zerstörungen an.
Die Schäden waren so groß und das Interesse so gering, dass die Strecke erst am 13. Oktober 1957 wieder in Betrieb genommen wurde. Dabei blieb fast die gesamte Strecke Borgo San Lorenzo–Florenz über Vaglia ausgenommen: Die Gleise endeten in San Piero a Sieve, wenige Kilometer hinter Borgo San Lorenzo. Eine Verbindung der Faentina mit Florenz war daher nur über Pontassieve möglich. Dies erforderte jedoch eine Spitzkehre bei Borgo San Lorenzo, wodurch sich die Fahrzeiten weiter verlängerten.
Die 1952 wieder in Betrieb genommene Strecke San Piero a Sieve–Borgo San Lorenzo wurde jedoch 1971 stillgelegt.Baldi, Faentina..., S. 16
2000er Jahre
Anfang der 1990er Jahre forderten die lokalen Behörden von der TAV S.p.A., die alte Strecke zu sanieren. Dies sollte am Gegenzug für die Verlegung der Hochgeschwindigkeits- und Hochleistungsstrecke Bologna–Florenz erfolgen, die über mehrere Kilometer parallel zur alten Strecke verläuft – wenn auch fast ausschließlich in Tunneln.
Die Strecke wurde am 9. Januar 1999 wiedereröffnet. Doch trotz des Erfolgs als Nahverkehrsverbindung waren die Probleme noch nicht behoben. So hätte die direkte Verbindung zum Bahnhof Firenze Santa Maria Novella noch im selben Jahr wiederhergestellt werden sollen, was jedoch um vier Jahre verzögert wurde. Zudem war die Elektrifizierung der Strecke zugesichert worden. Es stellte sich jedoch heraus, dass sowohl die sanierten als auch die neu geplanten Bauwerke nicht die erforderliche Höhe für die Verlegung der Oberleitung aufweisen.
Die Strecke wird daher ausschließlich von Dieseltriebzügen befahren. mini|Bahnhof S. Martino in Gattara (2013) Das Jahr 2008 war für die Faentina ein Jahr voller Neuerungen. Mit dem neuen Fahrplan, der am 9. Dezember 2007 in Kraft trat, wurde auch auf der Strecke Faenza–Florenz S.M.N. der „Memorario“ eingeführt. Das bedeutet, dass ein Fahrplan mit einem Zweistunden-Takt gilt, der an Werktagen zwei neue Zugpaare und an Feiertagen ein neues Zugpaar vorsieht. Ein Umsteigen in Borgo San Lorenzo ist nicht mehr erforderlich und alle Züge fahren direkt zum Bahnhof Santa Maria Novella. Ausnahmen sind einige Zusatzzüge zu den Stoßzeiten, die zum Bahnhof Firenze Campo di Marte fahren. In den letzten Jahren wurde der Verkehr weiter ausgebaut, sodass in einigen Zeitfenstern die Taktfrequenz von zwei Stunden auf eine Stunde erhöht wurde.Orario Trenitalia 2013
Am 29. Juli 2012 wurden die Haltestellen Cercina, Mimmole, Panicaglia, Salviati und Sant’Eufemia di Brisighella sowie der Bahnhof FontebuonaImpianti FS, in "I Treni" Nr. 351 (September 2012), S. 8 aus dem Fahrplan gestrichen. Im September desselben Jahres gründeten die von der Strecke durchquerten Gemeinden, einige Vereine und Privatpersonen das Komitee „Gli Amici della Faentina – Il Treno di Dante“, um die Strecke auch im touristischen Bereich zu verbessern.
Aufgrund von Erdrutschen, die auf die Unwetterkatastrophe im Alto Mugello und in der Emilia-Romagna zurückzuführen sind, war der Zugverkehr zwischen den Bahnhöfen Marradi–Palazzuolo sul Senio und Faenza seit Mai 2023 eingestellt. Am 15. September 2025 wurde der Zugverkehr zwischen Florenz und Crespino del Lamone wieder aufgenommen, jedoch nicht zwischen Crespino del Lamone und Marradi–Palazzuolo sul Senio. Am 19. Januar 2026 wurde der Zugverkehr auf der gesamten Strecke wieder aufgenommen.
Trenitalia betreibt diese Strecke in den Relationen Florenz Santa Maria Novella–Vaglia–Borgo San Lorenzo und Florenz Santa Maria Novella–Faenza.
Streckenbeschreibung mini|Strecke bei Campomigliaio (2013)