mini|Jean-Michel Grobon – Porträt von Pierre Revoil (1797). Musée des Beaux-Arts Lyon

Pierre Henri Révoil (* 12. Juni 1776 in Lyon; † 19. März 1842 in Paris) war ein französischer Maler und Zeichner. Er gilt als einer der Begründer der sogenannten Troubadour-Malerei (Style troubadour) und war der Vater des Malers Henri Antoine Révoil.

Leben Pierre Révoil erhielt ab etwa 1791 seine Ausbildung an der École gratuite de Dessin in Lyon bei Alexis Grognard. Dort schloss er eine enge Freundschaft mit seinem Mitschüler Fleury François Richard, der sein engster künstlerischer Weggefährte werden sollte. Weitere Freundschaften verbanden ihn mit Auguste de Forbin und Jean-Michel Grobon. Nebenher war er als Entwurfszeichner in einer Tapetenfabrik tätig. In dieser frühen Phase begann er systematisch, Objekte aus dem Mittelalter und der Renaissance zu sammeln, darunter Rüstungen, Möbel, Musikinstrumente, Vasen, Wandteppiche, Gemälde und Handschriften. Ab 1795 studierte er an der École des Beaux-Arts in Paris bei Jacques-Louis David, gemeinsam mit Forbin. Im Jahr 1796 stieß Richard hinzu und die beiden wurden als die untrennbaren „Frères Révoil“ bezeichnet. Grobon beriet Révoil künstlerisch und porträtierte ihn im Jahr 1797 (Lyon, Musée des Beaux-Arts de Lyon). 1798 kehrte Révoil nach Lyon zurück. mini|Pierre Henri Révoil – Le tournoi (1812). Musée des Beaux-Arts Lyon Ab 1807 war Pierre Révoil Professor an der École des Beaux-Arts in Lyon. Seine Sammlung, die bereits 1811 großes Ansehen genoss, nutzte er zu didaktischen Zwecken. 1815 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. 1816 heiratete er in Aix-en-Provence. 1817 erhielt er den Titel „Peintre de tableaux de genre de son Altesse Royale Madame la duchesse d'Angoulême“. 1818 zog er sich in die Provence zurück, wo er ab 1820 eine finanziell schwierige Phase durchlief. Ab 1823 lehrte er daher erneut in Lyon. Ab 1825 war Pierre Révoil korrespondierendes Mitglied des Institut de France. Im Jahr 1828 sah er sich schließlich gezwungen, seine Sammlung in einem Notverkauf an das Musée Royal in Paris zu veräußern. Der Bestand bildete den Grundstock des heutigen Département des Objets d’art im Louvre. Nach der Julirevolution von 1830 verweigerte er als Royalist den Eid auf die Charte constitutionnelle, verlor daraufhin seine Professur und verarmte. Er zog erneut in die Provence. 1838 kehrte er nach Paris zurück, wo er am 19. März 1842 starb.

Werk mini|Pierre Henri Révoil – L’Enfance de Giotto (Giottos Kindheit, 1840). Musée de Grenoble Pierre Révoils früheste erhaltene Arbeiten stehen unter dem Einfluss Grognards. Die beiden Zeichnungen Le Départ du volontaire und Le Retour du volontaire (1793, Lyon, Musée des Beaux-Arts) markieren den Beginn seines Schaffens. Ein um 1794 entstandenes Selbstporträt in einem Kostüm des Raffael (Feder, braune Tusche) zeigt seine frühe Neigung zur Renaissance. Nach dem Vorbild Grobons pflegte Révoil eine Wischtechnik, um weiche Licht-Schatten-Übergänge zu erzielen. Diese Technik ist im Portrait présumé du père de l'artiste (schwarze Kreide, 1797, Paris, Louvre) und im dokumentarisch bedeutsamen Autoportrait avec Richard (1798, Lyon, Musée des Beaux-Arts) zu sehen. 1802 erlangte er öffentliche Bekanntheit mit einer großformatigen Allegorie zur Rekonstruktion Lyons, die er anlässlich der Grundsteinlegung des Place Bellecour durch Napoleon I. fertigte (Vorzeichnungen befinden sich in den Museen in Paris und Lyon; das Gemälde wurde 1804 im Salon gezeigt, ist jedoch nicht erhalten). 1807 schuf er für die Kirche Saint-Nizier in Lyon zwei religiöse Bilder, darunter Christus am Kreuz.

Seinen eigentlichen Ruhm erlangte Pierre Révoil jedoch mit anekdotischen Historienbildern aus dem französischen Mittelalter und der Renaissance. Das Gemälde L'Anneau de l'empereur Charles Quint (Öl auf Leinwand, Madrid, Französische Botschaft), das im Salon von 1810 positiv aufgenommen wurde, brachte ihm den Beinamen „peintre érudit“ (gelehrter Maler) ein. Un tournoi au XIVe siècle (1812, Lyon, Musée des Beaux-Arts) ist ein repräsentatives Beispiel des Troubadour-Stils, den Révoil gemeinsam mit Richard begründete und der strenge Historienmalerei mit anekdotisch-romantischen Genreszenen verband. Henri IV. spielend mit seinen Kindern (Öl auf Leinwand, 1813, Pau, Musée national du château de Pau) und Patineurs en costumes du XVIe siècle (Aquatinta-Radierung, Paris, Louvre) dokumentieren Révoils Abkehr vom strengen Klassizismus zugunsten lebendiger, farbenfroher Volksepisoden. mini|Pierre Henri Révoil – François Ier faisant chevalier son petit fils François II (1824). Musée Granet, Aix-en-Provence Das 1822 vom Comte d’Artois in Auftrag gegebene Gemälde François I. rüstet seinen Enkel François II. zum Ritter (1824, Aix-en-Provence, Musée Granet) vereint zwei zentrale Themen der Troubadour-Malerei: den ritterlichen Helden und Franz I. als Mäzen der Künste. Accessoires, Gewänder und Stofftexturen sind minutiös dargestellt. Die Faktur wurde im Spätwerk tendenziell weicher, wie das Gemälde L'Enfance de Giotto (Öl auf Leinwand, 1840, Musée de Grenoble in Grenoble) belegt. Den letzten großen Staatsauftrag für das Musée historique in Versailles – Pharamond élevé sur le pavois par les Francs (Öl auf Leinwand, 1841 begonnen, Schloss Versailles) – vollendete nach Révoils Tod im Jahr 1845 sein Schüler Michel Philibert Genod.

Pierre Révoil gilt zudem als Vorläufer des modernen Kunstsammlers: Er legte das erste Kabinett mittelalterlicher und Renaissanceobjekte in Lyon an und prägte damit die öffentliche Wahrnehmung dieser Epochen nachhaltig.

Literatur Étienne-Charles Martin-Daussigny: Éloge historique de Pierre Révoil. Lyon 1842. Étienne-Jean Delécluze: Louis David, son école et son temps. Paris 1855, S. 81 f., 244. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon. Bd. 13. München 1843. Michel Philibert Genod: Éloge de P. Révoil. Discours de réception de M. Genod, lu à l’Académie Impériale de Lyon dans la séance du 15 juillet 1862. Lyon 1862. Émile Bellier de La Chavignerie, Louis Auvray: Dictionnaire général des artistes de l’école française. Bd. 2. Paris 1885. Marie-Claude Chaudonneret: La peinture troubadour. Deux artistes lyonnais : Pierre Révoil (1776–1842), Fleury Richard (1777–1852). Paris 1980. François Pupil: Le Style troubadour ou la nostalgie du bon vieux temps. Nancy 1985. Les années romantiques. La peinture française de 1815 à 1850. Ausstellungskatalog. Paris 1995. Romance & Chivalry. History and Literature Reflected in Early Nineteenth-Century French Painting. Ausstellungskatalog. London/New York 1996. Gérald Schurr, Pierre Cabanne: Dictionnaire des petits maîtres de la peinture. Bd. 2. Paris 1996. Bénézit. Dictionnaire critique et documentaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs. Bd. 11. Paris 1999. Le temps de la peinture. Lyon 1800–1914. Ausstellungskatalog. Lyon 2007. L’invention du passé. Histoires de cœur et d’épée en Europe, 1802–1850. Ausstellungskatalog Lyon/Bourg-en-Bresse, Bd. I–II. Paris 2014. Sylvain Paccoud: Artikel in Tierce, 2016, H. 1. [Online]. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL). De Gruyter, Berlin/Boston, Artikel „Révoil, Pierre“.

Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 11: Pinchon – Rouck. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter 2009.

Weblinks

Galerie La Nouvelle Athènes Elisabeth Lamour

Einzelnachweise

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