Das erloschene Feuer ist ein nubisches Märchen.Andreas und Waltraud Kronenberg (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Nubische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1978, S. 93–96, 288.

Handlung Ein König hat drei Söhne und eine Tochter namens Fatma. Als er stirbt, stirbt kurz darauf auch die Königin, sodass die drei Söhne beschließen wegzuziehen. Sie bauen ihrer Schwester ein großes Haus in der Wüste, geben ihr eine Sklavin, eine Katze sowie eine Ziege und verriegeln das Haus, bevor sie das Land verlassen. Die Sklavin gibt der Katze jedoch nicht genug zu essen, also pinkelt diese auf das Feuer, sodass es erlischt. Daraufhin muss die Sklavin neues Feuer beschaffen, das sie im Haus eines Irkabi, eines menschenfressenden Dämonen, findet, der es ihr unter der Bedingung gibt, ihr alles über ihr Leben zu erzählen. Auch gibt er ihr einen Korb mit Puffhirse und Datteln mit, wobei sie immer ein Korn und eine Dattel essen sowie jeweils ein Korn und eine Dattel wegwerfen solle.

Durch die so entstehende Spur findet der Irkabi das Haus der Prinzessin und verlangt jede Nacht etwas zu Fressen von ihr. Er frisst die Katze, die Ziege und die Sklavin. In der vierten Nacht dringt er in das Haus ein, wirft Fatma auf die Matte, schlägt sie blutig und frisst in ihr Blut getunkten Hirsebrei. Da sie nicht mehr gehen kann, kriecht Fatma zur Haustür, wo sie eine Wüstentaube darum bittet, ihren Brüdern Bescheid zu geben. Diese lehnt jedoch ab, da Fatma sie früher vom Feld ihres Vaters vertrieben hatte. Daraufhin bittet die Prinzessin eine Haustaube ihr zu helfen und diese kommt der Bitte nach.

Einzig der jüngste Bruder Mohammed glaubt der Taube, also besteigt er ein Kamel, das ihn in einem einzigen Augenblick zu seiner Schwester bringt, wo er sich mit gezücktem Schwert hinter der Haustür versteckt. Des Nachts erscheint dann der Unhold vor dem Haus und schreit mehrmals die Frage hinaus, ob sie denn schon Hilfe erhalten habe? Dann reißt er die Haustür auf und steht Mohammed gegenüber, der ihn köpft.

Hintergrund Das Märchen wurde 1973 in Ashau (Mahas) von Zaīnab Sīd Aḥmad erzählt und erhielt in Andreas und Waltraud Kronenbergs Die Märchen der Weltliteratur – Nubische Märchen (Düsseldorf / Köln 1978) den Titel Das erloschene Feuer. In Gertrud von Massenbachs Nubische Texte im Dialekt der Kunūzi und der Dongolawi (Wiesbaden 1962, S. 48–52) sind zwei stark abweichende Varianten des Märchens aus dem ägyptischen Nubien verzeichnet. Nach Ursula Nowaks Beiträge zur Typologie der arabischen Volksmärchen (Freiburg im Breisgau 1969) wurde das Märchen dem Typ 163: Der Gul und das kluge Mädchen zugeordnet.

Literatur Andreas und Waltraud Kronenberg (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Nubische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1978, S. 93–96, 288.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Afrikanische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen