Das kleine Kastell Frittlingen ist ein ehemaliges römisches Militärlager im Tal der Prim bei Frittlingen im baden-württembergischen Landkreis Tuttlingen. Das Kastell gehörte wohl zu den Befestigungen der römischen Kinzigtalstraße und diente deren Schutz im Abschnitt von Arae Flaviae (Rottweil) zum Kastell Tuttlingen.

Lage und Entdeckung Kastell Frittlingen liegt auf einer Geländeerhebung nordöstlich oberhalb von Frittlingen am Westrand der Schwäbischen Alb.Kastell Frittlingen um Im heutigen Landschaftsbild liegt es an einer schmalen Nebenstraße, die durch landwirtschaftlich genutzte Flächen zu dem Betriebsgelände des „Bihrenberghofes“ führt. In der antiken Geographie lag es nur rund zwei Kilometer Luftlinie vom Tal der Prim entfernt, durch das die römische Kinzigtalstraße von Arae Flaviae zum Kastell Tuttlingen führte.

Die Entdeckung des Lagers gelang am 11. August 1990 bei luftbildarchäologischen Untersuchungen durch Otto Braasch.C. Sebastian Sommer: Ein neu entdecktes römisches Kastell bei Frittlingen nahe Rottweil. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg, Band 17, Teilband 1, 1992, S. 355–360 (Digitalisat).

Luftbildarchäologische Befunde und Interpretationen

Die Konturen des Kastells zeigen beiderseits der Straße in den im Sommer stark ausgetrockneten Wiesen deutlich drei dunkle, in rechtem Winkel durch die typischen Eckrundungen miteinander verbundene Streifen, die von der Verfüllung der Gräben stammen. Die vierte, hangabwärts weisende Seite ist nicht zu sehen, vermutlich wurden die dort liegenden Befunde durch Erosion abgetragen. Die Umrisse lassen sich zwischen den Innenkanten der Gräben auf eine Ausdehnung von rund 70 m mal 60 m (= 4200 m²) bemessen und umfassen damit eine Fläche von gut 0,4 ha. Da zu dem Graben noch ein sicherlich vorhandener Erdwall hinzugerechnet werden muss, kann eine nutzbare Innenfläche von 55/60 m mal 45/50 m, also 0,25 bis 0,30 ha, interpoliert werden. An den beiden Schmalseiten des Lagers können sich gegenüberliegende Tore und an allen vier Kastellecken sowie in der Mitte der Längsseiten Spuren von Türmen identifiziert werden. Mit diesen strukturellen Befunden unterscheidet sich das Kastell Frittlingen von den typischen, in der Regel über geringere Fläche verfügenden Kleinkastellen, aber wegen der fehlenden Seitentore auch von den etwas größeren Numeruskastellen. Spuren einer Innenbauung wurden nicht festgestellt, eine solche wird aber vermutet. Geländebegehungen förderten kein datierbares Fundmaterial zu Tage.

Die Archäologen vermuten, dass das Kastell im Kontext der römischen Kinzigtalstraße steht, die in den Jahren 73/74 u. Z. unter Gnaeus Pinarius Cornelius Clemens dem Legaten des Kaisers Vespasian im Range eines Praetors errichtet wurde und von deren Trasse es nur rund zwei Kilometer entfernt lag. Dabei wird angenommen, dass die Straße nicht nur durch an strategisch wichtigen Punkten liegende, größere Kastelle gesichert war, sondern dass durch dazwischen liegende kleinere Anlagen eine lückenlose Überwachung der Trasse bewirkt werden sollte. Nach diesen Hypothesen wäre es auch denkbar, dass das unmittelbare, östliche Vorfeld der Straße als eine Art Limes gedient hätte, der die nördliche Grenze des Reiches markierte. Wenn diese Überlegungen stimmen, müsste das Kastell Frittlingen in vespasianischer Zeit angelegt und mit der Errichtung des Alblimes, spätestens aber mit der des Neckar-Odenwald-Limes in trajanischer Zeit um das Jahr 100 wieder aufgegeben worden sein.

Denkmalschutz Das Kastellgelände von Frittlingen ist ein Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg (DSchG). Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde sind an die Denkmalbehörden zu melden.

Literatur C. Sebastian Sommer: Ein neu entdecktes römisches Kastell bei Frittlingen nahe Rottweil. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg, Band 17, Teilband 1, 1992, S. 355–360 (Digitalisat). C. Sebastian Sommer: Frittlingen (RW). Kastell. In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Römerstätten und Museen von Aalen bis Zwiefalten. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 86.

Einzelnachweise

Frittlingen Frittlingen Kinzigtalstrasse Frittlingen Kategorie:Erbaut im 1. Jahrhundert Kategorie:Archäologischer Fundplatz im Landkreis Tuttlingen Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Europa Kategorie:Frittlingen Kategorie:Abgegangenes Bauwerk im Landkreis Tuttlingen