mini|Wappen der Familie Plecher
Die Plecher (auch Plech oder Plechen) waren ein Hammerherrengeschlecht, das ab 1440 in der nördlichen Oberpfalz nachweisbar ist. Die Familie gehörte zu den Unternehmerfamilien, die Eisenerzbergbau, das Hammerwesen und den Eisenhandel der Oberpfalz über Jahrhunderte prägten. Sie standen in enger Verbindung zur Familie Kastner, mit der sie Castner und Plech gründeten.
Die Plecher waren mit Hammerwerken und Hammergütern in Oberwildenau, Unterwildenau, Mantel, Grub bei Grafenwöhr und weiteren Orten an der Naab und Haidenaab vertreten.
Geschichte mini|Schloss Grub, ab 1440 im Besitz mini|Hammerschloss Unterwildenau, ab 1474 im Besitz der Plecher mini|Hammerschloss Mantel, ab 1525 im Besitz der PlechersDie erste Erwähnung der Plecher findet sich 1440. Der Name Plecher leitet sich von ab, wie auch bei der Gemeinde Plech.
Der Aufstieg der Familie Plecher fällt in die Blütezeit der oberpfälzischen Eisenindustrie vom 14. bis zum frühen 17. Jahrhundert. Die Oberpfalz entwickelte sich damals zu einem der bedeutendsten Eisenreviere Mitteleuropas, die Region hatte reiche Eisenerzvorkommen, große Waldgebiete zur Holzkohlegewinnung und Flüsse, die den Betrieb von Hammerwerken ermöglichten. Die wirtschaftliche Entwicklung der Oberpfalz beruhte auf einem System aus Bergbau, Verhüttung, Hammerwerken und Fernhandel. Besonders die Städte Amberg und Sulzbach stiegen zu Zentren der Montanwirtschaft auf.
Die wirtschaftliche Expansion der oberpfälzischen Montanindustrie führte im 14. Jahrhundert zur Bildung eines Interessenverbandes; die „kleine Hammereinigung“ von 1341 und die große Oberpfälzer Hammereinigung von 1387 sollten Konkurrenzkämpfe zwischen den Produktionszentren Amberg und Sulzbach eindämmen.
Die Plecher gehörten zu der Schicht regionaler Hammerherren, die von dieser Entwicklung profitierten und im Umfeld der großen Montanfamilien tätig wurden. Ihre wirtschaftlichen Aktivitäten konzentrierten sich auf den Bereich der Eisenverarbeitung entlang der Naab und der Haidenaab. Ab 1440 gehörte das Schloss Grub bei Grafenwöhr den Plecher. 1490 stand Jordan Plecher zu Grueb (Parkstein) in der bayerischen Landtafel.Otto Titan von Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, Regensburg 1865, S. 167.
1474 kaufte der „Bürger zu Nürnberg“ Hans Plecher das Hammerschloss Unterwildenau und urkundete als Hammermeister. Sein Bruder Ulrich besaß den Schwanhof, einen Einödhof in der Nähe von Oberwildenau.
Mit der Familie Kastner von Amberg gründeten die Plecher nach 1465 die private Gesellschaft Castner und Plech für den Betrieb des Eisenbergbaus. Kastner waren eine der bedeutendsten Montangeschlechter der Oberpfalz. Die Familien Kastner und Plecher waren auch mehrfach über Heirat verbunden.
Nach 1500 baute der Wildenauer Familienzweig der Plecher die Kapelle St. Lorenz in Unterwildenau. Die Familie Plecher übte innerhalb des Hammergeländes den Kirchtagsschutz aus.
Das Hammerschloss Mantel war ab 1525 im Besitz der Hans und Jörg die Plecher zu Mantel.
Ab dem 16. Jahrhundert überwogen die Nachteile der Hammereinung und bewirkten den Niedergang der Oberpfälzer Eisenproduktion.
Im Jahr 1696 ließ Johann Plecher im oberpfälzischen Winklarn eine Bretterhütte als Kapelle (Plecherkapelle) errichten. 1853 ersetzte ein Steinbau die hölzerne Konstruktion.
mini|Überrest des Schlosses Dieterskirchen vor der Kirche 1896 kam das ehemalige Schloss Dieterskirchen in den Besitz der Familie – Johann Thamer, Brauereibesitzer in Winklarn und Ehemann einer Plecher-Witwe, erwarb das Schlossgebäude. Im Jahr 1900 übergab er das Anwesen für 8000 Mark an seinen Stiefsohn Nikolaus Plecher. An die ehemalige Plecher-Brauerei erinnern die Plecherkapelle und der Plecherweiher. Die im ehemaligen Schloss betriebene Schlosswirtschaft wurde 1939 von Sebastian Plecher und 1973 von dessen gleichnamigem Nachfolger übernommen.mini|Plecherkapelle in Winklarn von 1696 Wappen Das Wappen der Familie Plecher zeigt in rotem Schild zwei aufrecht nebeneinander gestellte, oben mit den Barten auswärts gekehrte goldene Schlüssel, die sich schräg gekreuzt auf dem Helm wiederholen. Es besteht eine Wappenverwandtschaft zu den namensähnlichen Herren von Blücher, die ihren Stammsitz im mecklenburgischen Blücher haben.
Literatur Franz Michael Ress: Geschichte und wirtschaftliche Bedeutung der oberpfälzischen Eisenindustrie von den Anfängen bis zur Zeit des 30jährigen Krieges. Verlag des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg, Band 91, Regensburg 1950. Volker Nichelmann: Beitrag zur Darstellung der Entwicklung der eisenschaffenden Industrie in der Oberpfalz. Hans Nikol: Die Kastner von Amberg – Geschichte eines Montangeschlechts.
Siehe auch
Liste von Eisenhämmern und Hammerschlössern in der Oberpfalz
Weblinks Plecherkapelle Winklarn von 1696 in oberpfalzwiki.de
Belege
Kategorie:Bayerisches Adelsgeschlecht Kategorie:Organisation (Mittelalter) Kategorie:Organisation (Oberpfalz) Kategorie:Ersterwähnung 1440