mini|hochkant|The Postage Stamps of King Edward VIII, 2. Auflage, 1948
F. Hugh Vallancey (* 1879 in Cranfield, Bedfordshire; † 6. September 1950 in Bromley, Kent; vollständiger Name Francis Hugh Vallancey) war ein britischer Philatelist, philatelistischer Autor, Herausgeber, Verleger und Händler philatelistischer Literatur.
Leben und Wirken Vallancey war zunächst als Lehrer tätig und diente im Zweiten Burenkrieg. In der Philatelie wurde er vor allem als Verleger, Herausgeber, Bibliograf und Spezialist für die Postgeschichte Großbritanniens bekannt. Gemeinsam mit F. A. Wickhart gründete er 1912 den London Philatelic Club. Später war er Eigentümer und Herausgeber der Zeitschrift Stamp Collecting and Stamp Trade Advertiser.
Zu seinen Arbeitsgebieten gehörten insbesondere britische Briefmarken, Poststempel, Perfins und philatelistische Literatur. Mit Sidney A. R. Oliver veröffentlichte er 1923 das Werk The Postage Stamps of Great Britain 1840–1922.
Philatelistische Literatur und Handel Vallancey gehörte zu den frühen britischen Spezialisten des Handels mit philatelistischer Literatur. Bereits 1918 erschien sein Stamp Collectors’ Chronicle of Philatelic Literature. 1922 veröffentlichte er den nur in kleiner Auflage gedruckten Guide to Philatelic Literature, Being a List of Handbooks on Postage Stamps and All Matters Relating to Them; eine zweite Auflage folgte 1923. Später erschien sein Guide to Philatelic Literature in mehreren Teilen erneut.
Eine besondere Rolle spielte Vallancey bei der Auflösung großer philatelistischer Bibliotheken. Umfangreiche Bestände aus der Sammlung des Astronomen und Philatelisten Frank Arthur Bellamy gelangten in Vallanceys Bibliothek. Bellamy hatte eine philatelistische Bibliothek von mehr als 200.000 auf Großbritannien bezogenen Stücken besessen.
Nach dem Tod von Sir Edward Denny Bacon bot Vallancey dessen philatelistische Bibliothek 1939 in Einzelbänden zum Verkauf an. Der Verkauf war noch nicht abgeschlossen, als Vallanceys Londoner Geschäftsräume und sein gesamter Bestand am 10. Mai 1941 bei einem Luftangriff zerstört wurden. Bierman nennt die Zerstörung während des London Blitz als Grund dafür, dass viele Veröffentlichungen Vallanceys heute selten sind.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Vallancey seine Tätigkeit wieder auf. Anfang 1948 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen zurück. Nach Darstellung von Stanley M. Bierman, der sich auf James Negus stützt, verkaufte Vallancey einen Teil seines Bestands an Henry Garratt-Adams; der verbleibende, vor allem aus Büchern bestehende Bestand ging im August 1948 an den in Edinburgh tätigen Händler Ramsay Stewart. Seine Sammlung britischer Briefmarken war bereits 1942 durch Robson Lowe versteigert worden. Nach Angaben der Association of British Philatelic Societies gelangte seine verbliebene philatelistische Literaturbibliothek später an die Royal Commonwealth Society.
Nachwirkung Vallanceys Bedeutung liegt vor allem in seiner Rolle als Bibliograf, Verleger und Händler philatelistischer Literatur. Seine eigenen Veröffentlichungen, die von ihm vertriebenen Bibliotheken und die Kriegsverluste von 1941 stehen in einer größeren Überlieferungsgeschichte philatelistischer Spezialbibliotheken. Bierman nennt ihn als frühen Beitragenden zum Feld der philatelistischen Literatur und verweist auf die spätere Zerstreuung der Bestände über mehrere Hände und Auktionen.
Seine Schrift British Postmarks erschien 1950 in zweiter Auflage als Band 9 von Billig’s Handbook on Postmarks, einer von Fritz Billig begründeten philatelistischen Handbuchreihe. Eine große Auktion philatelistischer Literatur, die 1957 in Dublin stattfand, enthielt nach Bierman unter anderem Bibliotheken beziehungsweise Bestände, die mit Hugh Vallancey, Ramsay Stewart und F. A. Bellamy verbunden waren.
Schriften (Auswahl) Stamp Collectors’ Chronicle of Philatelic Literature. 1918. Guide to Philatelic Literature, Being a List of Handbooks on Postage Stamps and All Matters Relating to Them. 1922; 2. Auflage 1923. mit Sidney A. R. Oliver: The Postage Stamps of Great Britain 1840–1922. Stamp Collecting, London 1923. A Guide to Philatelic Literature. Vallancey, London 1927–1929. British Stamps Perforated with Firms’ Initials. Vallancey Press, London 1933. British Postmarks with Special Reference to the “1844” and Subsequent Numbered Obliterations. Vallancey Press, London 1935. Check List of British Photogravure Stamps of King George V, including Stamps Overprinted for Morocco. Vallancey Press, London 1939. The Postage Stamps of King Edward VIII. 2. Auflage, F. Hugh Vallancey, Sidcup 1948. British Postmarks. With Special Reference to the “1844” and Subsequent Numbered Obliterations. 2. Auflage, HJMR Co., North Miami 1950 (= Billig’s Handbook on Postmarks, Volume 9).
Literatur James Negus: Philatelic Literature, Compilation Techniques and Reference Sources. James Bendon, Limassol 1991, ISBN 9963-7624-3-3, S. 215–216. Stanley M. Bierman: Philatelic Literature, Its Lore and Heritage. In: Philatelic Literature Review. Band 65, Nr. 1, 2016, S. 14–30.
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