Margarete Stirm (* 23. Oktober 1930; † 21. Mai 2004 in Berlin) war eine deutsche evangelische Theologin und Pfarrerin. Sie gehörte zu den Pionierinnen des weiblichen Pfarramts in der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg.

Leben und Wirken Margarete Stirm absolvierte ein Studium der evangelischen Theologie. Im Frühjahr 1973 wurde sie von der Kirchlichen Hochschule Berlin mit der von Otto Weber und Heinrich Vogel betreuten Arbeit Die Bilderfrage bei den Reformatoren promoviert. Die Dissertation erschien nach Kürzungen im Jahr 1977 unter dem Titel Die Bilderfrage in der Reformation als Band 45 der Reihe Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte im Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn. Eine Ergänzung aus dem Anhang der Arbeit wurde zudem im Jahrbuch Theologia Viatorum (Band 13) veröffentlicht. Auch im späteren Verlauf ihrer Laufbahn blieb sie publizistisch aktiv; so legte sie 1994 eine selbstständige Schrift zur inneren Zerrissenheit und den theologischen Kontroversen um Martin Luther im M. u. N. Boesche Verlag (Berlin/Haifa) vor.

Ihre pastorale Arbeit ist untrennbar mit dem Berliner Ortsteil Frohnau (Bezirk Reinickendorf) verbunden. Im Jahr 1962 trat in der West-Berliner Kirche das sogenannte „Pfarrerin-Gesetz“ in Kraft, das Frauen im geistlichen Amt rechtlich den männlichen Kollegen vollständig gleichstellte. Zuvor war Frauen der Zugang zum vollen Pfarramt verwehrt; sie durften lediglich als Vikarinnen oder „Pfarrvikarinnen“ arbeiten und mussten beispielsweise bei einer Heirat zwingend aus dem Dienst ausscheiden.

Im Zuge dieser historischen Reform übernahm Stirm 1962 als eine der ersten ordinierten Frauen in Berlin eine eigenständige Pfarrstelle an der Johanneskirche Frohnau. Sie prägte die Gemeinde über mehr als drei Jahrzehnte hinweg. Dabei setzte sie sich auch gegen interne Widerstände für die Modernisierung und Barrierefreiheit der Gemeinde ein; so initiierte und erstritt sie 1981 gegen den anfänglichen Widerstand des Gemeindekirchenrates den Einbau eines Fahrstuhls in der Johanneskirche. Um das Projekt finanziell und praktisch zu realisieren, organisierte sie eigenständig eine umfassende Spendensammlung. Um die strukturelle und finanzielle Basis der Gemeinde langfristig zu sichern, gründete sie zudem 1977 einen bis heute bestehenden Verein zur Förderung des Gemeindeaufbaus.

Über ihre Gemeindearbeit hinaus engagierte sich Stirm für soziale Belange im Ortsteil; so setzte sie sich aktiv für das Fürst Donnersmarck-Haus und die Förderung evangelischer Heime für körperbehinderte Kinder ein. Während ihrer gesamten Amtszeit bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1995 bewohnte sie das gemeindeeigene Pfarrhaus im Katzensteg 6. Nach ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst zog sie nach Schildow (Brandenburg), wo sie sich ein Haus baute. Stirm verstarb im Mai 2004 in Berlin.

Schriften Die Bilderfrage in der Reformation (= Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte. Bd. 45). Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 1977, ISBN 3-579-04307-2 (Zugleich: Berlin, Kirchliche Hochschule, Dissertation, 1973 unter dem Titel Die Bilderfrage bei den Reformatoren; online als Digitalisat der Universität Graz verfügbar.) Martin Luther im Widerspruch. M. u. N. Boesche, Berlin/Haifa 1994, ISBN 3-923809-72-7.

Nachwirkung und Gedenken Im Mai 2026 geriet das Andenken an die kirchengeschichtlich bedeutsame Pionierin in den Fokus der Berliner Lokalpolitik und der Medien. Anlass war der Fund ihres Grabsteins auf dem Entsorgungsplatz des Friedhofs in der Hainbuchenstraße in Berlin-Frohnau. Dies löste eine öffentliche Debatte über den Umgang mit dem Erbe weiblicher Vorreiterinnen in der Kirche sowie über die Würdigung ihres Lebenswerks aus. In diesem Kontext wurden Forderungen laut, den Grabstein im Johannesgarten neben der Johanneskirche aufzustellen sowie den historischen Verbindungspfad „Katzensteg“ zu ihren Ehren in Pfarrerin-Stirm-Weg umzubenennen.

Infolge dieser öffentlichen Kritik und Hinweisen aus der Bürgerschaft lenkten die zuständigen Stellen und die Kirchengemeinde schließlich ein. Wie das Bezirksamt Reinickendorf am 24. Juni 2026 in einer Pressemitteilung bekanntgab, wurde der Grabstein durch das Straßen- und Grünflächenamt gesichert. Er soll künftig einen würdigen Platz auf dem evangelischen Martin-Luther-Kirchhof in Berlin-Tegel erhalten. Die Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Frohnau übernimmt gemeinsam mit einem Steinmetzunternehmen die fachgerechte Aufstellung und den Transport, um Stirms über drei Jahrzehnte währendes Wirken nachhaltig zu würdigen.

Stirms anhaltende Relevanz für die Gegenwart spiegelt sich auch in ihren eigenen theologischen und biografischen Reflexionen wider. Im Nachwort („Lieber Leser“) ihrer 1994 im Verlag M. u. N. Boesche erschienenen Publikation Martin Luther im Widerspruch formulierte sie die für sie zentrale Frage nach Identität und Aufgabe, die wie ein Leitmotiv über ihrem bleibenden Erbe steht:

Dieses generationenübergreifende Verständnis von Verantwortung und Erinnerung bildet den Kern der postumen Würdigung ihres Lebenswerks.

Archivalien Schreiben von Dr. Margarete Stirm an den Vorstand des Vereins zur Förderung evangelischer Heime für körperbehinderte Kinder vom 23. Juni 1977; Archiv der Fürst Donnersmarck-Stiftung, Signatur: EX-23, unpaginiert. Eintrag zu Dr. Margarete Stirm im Dokumentationsprojekt DenkFried – Eine Frage des Gedenkens.

Quellen Sebastian Weinert: 100 Jahre Fürst Donnersmarck-Stiftung 1916–2016. Weitersehen. Berlin 2016, S. 130 (online verfügbar unter: fdst.de). Frauen im Pfarramt. In: B.Z., 19. Mai 2026. Kritik an Kirchengemeinde: Grabstein von Pfarrerin landet auf dem Müll. In: Bild Berlin, 19. Mai 2026, online unter: www.bild.de (abgerufen am 20. Mai 2026). Grabstein von Pfarrerin landet auf dem Müll. In: B.Z., 19. Mai 2026, online unter: www.bz-berlin.de (abgerufen am 20. Mai 2026). Würdiger Platz für Grabstein von Frohnauer Pfarrerin, Pressemitteilung des Bezirksamts Reinickendorf, Nr. 2715 vom 24. Juni 2026

Kategorie:Evangelischer Geistlicher (Berlin) Kategorie:Evangelischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Evangelischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1930 Kategorie:Gestorben 2004 Kategorie:Frau