mini|Gabinetto dei Disegni e delle Stampe degli Uffizi: Neuer Lese- und Vorlagesaal Das Gabinetto dei Disegni e delle Stampe (Abkürzung: GDS; deutsch: Kabinett der Zeichnungen und Druckgrafiken) ist eine der bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt. Es befindet sich im ersten Obergeschoss der Galleria degli Uffizi in Florenz und gehört institutionell zu den Gallerie degli Uffizi. Der Bestand umfasst mehr als 177.000 Werke, darunter Zeichnungen, Druckgrafiken und Miniaturen, die vom späten 14. bis ins 21. Jahrhundert entstanden sind.

Geschichte Die Sammlung geht auf die Medici zurück. Bereits unter Lorenzo de’ Medici, genannt il Magnifico, befanden sich grafische Werke im Besitz der Familie, wenngleich deren genaue Zusammensetzung nicht überliefert ist. Im 16. Jahrhundert setzten verschiedene Familienmitglieder die Sammeltätigkeit fort: Großherzog Cosimo I. besaß laut Giorgio Vasari „vari disegni e schizzi e cartoni“ von Michelangelo und Piero di Cosimo, sein Sohn Francesco I. gelangte in den Besitz zahlreicher Blätter von Antonio da Sangallo il Vecchio, Michelangelo und Leonardo. Den eigentlichen Grundstock der heutigen Sammlung legte jedoch Leopoldo de’ Medici, der Bruder von Großherzog Ferdinando II., im 17. Jahrhundert. Leopoldo, der 1667 zum Kardinal erhoben wurde, bediente sich eines weitverzweigten Netzwerks von Agenten in Italien und im Ausland, um Werke bedeutender älterer und zeitgenössischer Künstler zu erwerben. Im Zuge dieser intensiven Ankaufstätigkeit entstand der Kernbestand der heutigen Sammlung mit etwa zwölftausend Blättern. Die Ordnung und Katalogisierung wurde im Jahr 1665 dem Kunsthistoriker Filippo Baldinucci anvertraut.

Im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts wuchs die Sammlung durch Zugänge aus dem Besitz weiterer Familienmitglieder: Blätter aus der Sammlung von Kardinal Giovan Carlo de’ Medici sowie das Vermächtnis von dessen Sekretär Apollonio Bassetti aus dem Jahr 1699 mit rund tausend Zeichnungen. Hinzu kamen eine ungenaue Anzahl von Blättern aus der Sammlung des Gran Principe Ferdinando (1713) sowie etwa zweihundert Werke aus dem Nachlass von Cosimo III. (1723). Bereits im Jahr 1687 wurde die mediceische Sammlung dauerhaft in die Galleria degli Uffizi überführt, wodurch ihr Charakter als staatliche Sammlung gefestigt wurde. Mit dem Umzug gingen jedoch über 4.700 Stücke verloren, die damals als „Ausschuss“ eingestuft worden waren.

Nach dem Erlöschen der Medici-Linie im Jahr 1737 setzten die Lothringer die Sammeltätigkeit fort. Unter Pietro Leopoldo wurden die Bestände der Sammlung Gaddi (800 Einzelzeichnungen, acht Bände architektonischer Zeichnungen und 8000 Druckgrafiken), der Sammlung Ignazio Hugford (über 3000 Zeichnungen) sowie der Sammlung Francesco Michelozzi (mehr als 1000 Zeichnungen) eingegliedert. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als Giuseppe Pelli Bencivenni zwischen 1776 und 1784 einen Katalogentwurf erarbeitete, umfasste die Zeichnungssammlung bereits rund 20.000 Blätter, während der Bestand an Druckgrafiken auf fünfzig Bände angewachsen war.

Mit der Gründung des Königreichs Italien im Jahr 1860 gingen die mediceisch-lothringischen Kunstsammlungen in den Besitz des Staates über. In den folgenden Jahrzehnten verzeichnete die Sammlung einen deutlichen Zuwachs durch Schenkungen. Besonders bemerkenswert war die Schenkung des Bildhauers Emilio Santarelli aus dem Jahr 1866, die 12.667 Zeichnungen umfasste. Weitere Schenkungen stammten von den Architekten Giuseppe Martelli (1876), Pasquale Poccianti (1890) und Heinrich von Geymüller (1907) sowie von den Malern Antonio Ciseri und Stefano Ussi.

Die Unterbringung in den Räumlichkeiten des ehemaligen Teatro Mediceo, das in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Bernardo Buontalenti errichtet worden war, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem Direktor Corrado Ricci eingerichtet. Zwischen 1952 und 1960 wurden umfangreiche Umbau- und Renovierungsarbeiten durchgeführt, die dem Florentiner Architekten Edoardo Detti (1913–1984) anvertraut wurden. Detti war ein führender Vertreter des Rationalismus in Italien.

Sammlung Der Gesamtbestand umfasst mehr als 177.000 Werke, darunter Zeichnungen, Druckgrafiken und Miniaturen. Den stärksten Schwerpunkt bilden florentinische und toskanische Künstler, wobei Werke aus dem 15. Jahrhundert besonders zahlreich vertreten sind. Allein aus dem 16. Jahrhundert sind rund zehntausend Blätter vorhanden.

Zu den vertretenen Künstlern zählen Leonardo da Vinci, Michelangelo und Raffael als Vertreter der Renaissance sowie Pontormo, Andrea del Sarto und Bronzino als Hauptvertreter des Manierismus. Zahlreiche Zeichnungen ermöglichen die Rekonstruktion des Entstehungsprozesses vollendeter Werke anhand von Vorstudien. Andere bezeugen durch antike Kopien heute verlorene Werke, darunter Leonardos Fresko Schlacht von Anghiari und Michelangelos Schlacht von Cascina.

Nach den toskanischen Beständen folgen Werke venezianischer Meister, für die sich Kardinal Leopoldo besonders interessierte, sowie Blätter der lombardischen, genuesischen, emilianischen, römischen und neapolitanischen Schulen. Unter den vertretenen Künstlern sind unter anderem Andrea Mantegna, Giovanni Bellini, Tizian, Albrecht Dürer, Parmigianino, Rembrandt, Anthonis van Dyck, Annibale Carracci und Gian Lorenzo Bernini.

Werke (Auswahl)

Katalogisierung und Erschließung Pasquale Nerino Ferri, der damalige Konservator der Einrichtung, begann im Jahr 1879 mit einer systematischen Inventarisierung und Klassifikation. Die von ihm erstellten handschriftlichen Karteikarten waren bis vor Kurzem das einzige öffentlich zugängliche Erschließungsinstrument. Sie konnten jedoch ausschließlich vor Ort in den Räumen des Gabinetto eingesehen werden. Seit 2006 besteht das interdisziplinäre Forschungsprojekt „Euploos“, eine Kooperation des Kunsthistorischen Instituts in Florenz (Max-Planck-Institut), der Scuola Normale Superiore di Pisa und der Gallerie degli Uffizi. Ziel ist die vollständige Online-Erfassung des Bestands von rund 180.000 Werken, einschließlich Miniaturen und Fotografien, in einem wissenschaftlichen Digitalkatalog.

Der Zugang zum Gabinetto dei Disegni e delle Stampe ist akkreditierten Wissenschaftlern sowie Studierenden und Doktoranden mit einem Empfehlungsschreiben ihrer Universität vorbehalten. Besichtigungen finden nur nach vorheriger Terminvereinbarung statt.

Literatur

Miriam Fileti Mazza: Storia di una collezione. Dai libri di disegni e stampe di Leopoldo de' Medici all'età moderna. Soprintendenza Speciale per il Patrimonio Storico, Artistico ed Etnoantropologico e per il Polo Museale della Città di Firenze, Florenz 2014. Giovanni M. Fara: Albrecht Dürer: originali, copie, derivazioni. Soprintendenza Speciale per il Polo Museale Fiorentino. Gabinetto Disegni e Stampe degli Uffizi. Inventario Generale delle Stampe. Bd. I. Leo S. Olschki, Florenz 2007. Pasquale Nerino Ferri: Catalogo riassuntivo della raccolta di disegni antichi e moderni posseduta dalla R. Galleria degli Uffizi di Firenze. Rom 1890–1897. (Digitalisat)

Weblinks

Offizielle Seite des GDS bei den Gallerie degli Uffizi Euploos La sala studio del Gabinetto dei Disegni e delle Stampe degli Uffizi

Einzelnachweise

Kategorie:Grafische Sammlung Kategorie:Uffizien Kategorie:Kunstmuseum in Florenz Kategorie:Gegründet im 15. Jahrhundert