mini|Engel von Pietro Bernasconi, Grabmal der Familie Valsangiacomo, Friedhof Chiasso mini|hochkant|Bice del Balzo (1868), Galleria d’Arte Moderna, Mailand Pietro Bernasconi (* 26. Februar 1826 in Morbio Superiore, heute Breggia; † 31. März 1912 in Vacallo) war ein Schweizer Bildhauer.

Leben und Werk Der aus dem Schweizer Kanton Tessin gebürtige Bernasconi erhielt seine erste bildhauerische Ausbildung an der Accademia di Brera in Mailand bei Pompeo Marchesi und Benedetto Cacciatori, die ihn zum Klassizismus hinführten. Er freundete sich mit dem sechs Jahre älteren Landsmann Vincenzo Vela an und folgte ihm nach Turin, wo er sein Schüler an der Accademia Albertina und sein engster Mitarbeiter wurde. In der Folge wirkte er an der Ausführung zahlreicher Werke Velas mit.Scultore Pietro Bernasconi. In: Popolo e Libertà. 1. April 1912, S. 2 (online). Daneben schuf er eigenständige Skulpturen, in denen der Einfluss von Velas romantischem Verismus sichtbar ist.

Ausstellungstätigkeit Zwischen den 1850er und den 1880er Jahren entfaltete er eine rege Ausstellungstätigkeit. Ab 1854 war er regelmässig auf Ausstellungen in Turin vertreten. Hier präsentierte er eine Marmorbüste der Jungfrau Maria (1854), die Marmorstatue Mädchen, das dem Himmel für die empfangenen Almosen dankt (1855), den von Vela inspirierten Marmorkopf einer Flora (1856), die Marmorstatue Die Witwe des Bersagliere (1857, 1861 auch in Paris),G. M.: Pietro Bernasconi. In: Julius Meyer (Hrsg.): Allgemeines Künstler-Lexikon. Leipzig 1880, S. 649 f. (Digitalisat auf Google Books). die Verlassene Olympia nach Ariost (1858), eine Marmorstatue von Giotto (1859) und die Marmorbüste Die Meditation (1861). 1861 zeigte er auf der Ausstellung von Florenz erstmals die Skulptur Die Ehebrecherin (L’adultera) und wurde dafür prämiert. Eine gleichnamige Statue Bernasconis, deren Entstehung im Katalog auf 1883 datiert wird, ist heute in der Pinacoteca Züst in Rancate aufbewahrt. An der Weltausstellung 1867 in Paris nahm er mit den Statuen Die Tochter Jephtas (1865) und Die Ehebrecherin teil.

Sein bekanntestes Werk, die Marmorskulptur Bice in der Burg von Rosate bzw. Bice del Balzo, wurde 1868 an der Accademia di Brera erstmals ausgestellt. Bernasconi entnahm das Motiv Tommaso Grossis historischem Roman Marco Visconti (1834). Das Werk steht heute in der Galleria d’Arte Moderna in Mailand.

Die weibliche Marmorbüste Der Sommer (L’estate) war 1874 in Turin ausgestellt und ist heute in der Accademia Carrara in Bergamo zu sehen. 1875 schuf er die Gruppe Eine Bäuerin mit Rückentragkorb und Kind (Una contadina con gerla e bambino) aus patiniertem Gips, die sich heute in der Pinacoteca Züst befindet.

Sein Spätwerk Der junge Seekapitän (italienisch Il futuro capitano, französisch Le futur capitaine de vaisseau) präsentierte er 1883 auf der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich,Die Kunst an der schweiz. Landesausstellung. In: Der Bund. Band 34, Nr. 174, 26. Juni 1883, S. 1 f. (online). 1884 zunächst in Turin und ab Juni auf der Eidgenössischen Kunstausstellung in Lausanne. Es zeigt einen Fischerknaben, der mit der Hand auf einer Seekarte seine künftigen Reisen nachfährt.À propos de l’exposition fédérale des Beaux-Arts. In: Le bien public. Nr. 74, 19. Juni 1884, S. 2 (online). Der triumphale Publikumserfolg führte dazu, dass es mittels einer öffentlichen Spendensammlung für das Museum von Lausanne erworben wurde.Souscription. In: La Liberté. Nr. 37, 15. Februar 1885, S. 3 (online).

Auftragsarbeiten und Grabmale Nebst den an Ausstellungen gezeigten Werken fertigte Bernasconi auch verschiedene Auftragsarbeiten. Am 30. April 1859 wurde er mit der Ausführung des Basreliefs im Tympanon der Hauptfassade des Palazzo Turconi, des damaligen Spitals, in Mendrisio betraut, nachdem Vincenzo Vela den Auftrag abgelehnt hatte. Es symbolisiert die christliche Tugend der Caritas.Angela Windholz: Da ospedale a biblioteca. La storia del legato Turconi. Accademia di architettura, Mendrisio 2021 (PDF; 8,7 MB), S. 33. Für die Kirche Santissimo Crocifisso dell’Annunciata in Como schuf er 1865 zwei Engel in den Zwickeln, welche das grosse halbkreisförmige Fenster an der Hauptfassade flankieren. Er griff damit das klassische Motiv von Siegesgöttinnen auf römischen Triumphbögen auf. Für die äussere Dekoration der Seitenfenster des Doms zu Mailand führte er Statuen des Seligen Jakob Griesinger und der Heiligen Julian, Asterius und Petrus aus. Für den Palazzo Vescovile in Piacenza fertigte er drei Kolossalgruppen.

Bernasconi schuf vor allem in seinen späteren Jahren auch zahlreiche Grabmale, unter anderem für die Friedhöfe von Orsenigo, Como, Chiasso, Balerna (Segnender Engel in der Eckkapelle der Familie Fortini), Mendrisio, Morbio Inferiore (Der Engel der Auferstehung) und Vacallo.

Lebensabend und Tod Um 1890 kehrte er in die Schweiz, nach Vacallo, zurück und verbrachte hier seinen Lebensabend. Er starb am 31. März 1912 im Alter von 86 Jahren in Vacallo und wurde am 3. April auf dem dortigen Friedhof beigesetzt. Er hinterliess die beiden Söhne Ugo und Arnoldo.Pietro Bernasconi. In: Popolo e Libertà. 1. April 1912, S. 3.

Bernasconi war Ehrenmitglied der Accademia di Brera.

Literatur G. M.: Pietro Bernasconi. In: Julius Meyer (Hrsg.): Allgemeines Künstler-Lexikon. Leipzig 1880, S. 649 f. (Digitalisat auf Google Books).

Scultore Pietro Bernasconi. In: Popolo e Libertà. 1. April 1912, S. 2 (online). Luigi Larghi: Guida del Cimitero Monumentale di Milano. Enrico Gualdoni, Mailand 1923, S. 56. Florindo Bernasconi: Le maestranze ticinesi nella storia dell’arte. Balerna 1926. Francesco Sapori: Scultura italiana moderna. Libreria dello Stato. Rom 1949. Vincenzo Vicario: Gli scultori italiani. Dal neoclassico al liberty. Band 1. Il Pomerio, Lodi 1994, S. 126 f. Alfonso Panzetta: Nuovo Dizionario degli Scultori Italiani dell’ottocento e del primo novecento. Band 1. Adarte 2003, S. 85 f.

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