José García Nieto (* 6. Juli 1914 in Oviedo; † 27. Februar 2001 in Madrid) war ein spanischer Dichter, dessen Werk als bedeutendes Mitglied der Generation von 1936 zur „verwurzelten Poesie“, einer klassizistischen Strömung, in der unmittelbaren Nachkriegszeit gehörte. Er wurde 1983 Mitglied der Real Academia Española und erhielt neben zahlreichen anderen Literaturpreisen unter anderem 1996 den Cervantespreis, den bedeutendsten Literaturpreis der spanischsprachigen Welt.
Leben José García Nieto absolvierte ein Studium der Journalistik an der Universität Barcelona und der Journalistenschule (Escuela Oficial de Periodismo) in Madrid. 1943 gehörte er zu den Gründern der Zeitschrift „Garcilaso“, die eine Gruppe junger Dichter vereinigte, die sich – im Gegensatz zur Gesellschaftslyrik und den surrealistischen Strömungen – für einen kühlen, technisch perfekten Neoklassizismus einsetzten. Als bedeutendes Mitglied der Generation von 1936 (Generación del 36) zählt sein Werk zu der von dem Dichter und Kritiker Dámaso Alonso so genannten „verwurzelten Poesie“ (poesía arraigada), einer klassizistischen Strömung, zu der in der unmittelbaren Nachkriegszeit Autoren wie Luis Rosales, Leopoldo Panero, Dionisio Ridruejo, Luis Felipe Vivanco und Rafael Morales gehörten. Um die Zeitschrift „Garcilaso“ herum, leitete er die Juventud Creadora, eine Gruppe junger Dichter, der Autoren wie Ramón de Garciasol, José María Valverde, Rafael Laffón, Pedro de Lorenzo, Jesús Juan Garcés und Jesús Revuelta angehörten.
Ihr Werk war von den Themen Liebe, Religion und Landschaft geprägt und entbehrte des politischen Engagements, das die Gesellschaftslyrik der 1950er Jahre (Gabriel Celaya, Blas de Otero) oder die avantgardistischen Tendenzen von Bewegungen wie dem Postismus (Carlos Edmundo de Ory, Ángel Crespo) kennzeichnen sollte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er an Künstler- und Literatenstammtischen (Tertulias) im Madrider „Café Gijón“ teil, bei denen er mit Pedro de Lorenzo, Jesús Juan Garcés, Eugenio Mediano Flórez, Salvador Pérez Valiente, Camilo José Cela und Francisco Umbral zusammentraf. Seine konservative Ideologie zeigte sich bereits in seinem ersten Buch, „Víspera hacia ti“ (1940), dessen formale Schönheit auf einer absoluten Beherrschung von Metrum und Reim beruhte. Mit der Veröffentlichung von „Poesía“ (1943) entwickelte José García Nieto seinen von „Garcilaso“ beeinflussten Stil weiter, wobei die anfängliche Kühle einer größeren Leidenschaft wich und die strengen Strophen durch die Einführung freier Verse und einiger populärer Metren aufgelockert wurden.
Diese Tendenz verstärkte sich in Werken wie das mit dem Premio Nacional de Poesía ausgezeichneten „Tregua“ (1951), in denen er neue imaginative und rhetorische Gefilde erkundete, ohne seine Vorstellungen von Reinheit und Kultiviertheit aufzugeben. Dieser Ansatz, der einem leidenschaftlichen katholischen Humanismus diente, in dessen Mittelpunkt das Individuum, das Land und Gott stehen, setzte sich in seinen späteren Büchern fort, darunter die herausragenden Werke „La red“ (1955), für das er den Premio Fastenrath erhielt, und „La hora undécima“ (1963). 1955 gründete er u. a. zusammen mit Manuel Álvarez Ortega, López Anglada, Leopoldo de Luis und Ramón de Garciasol die Buchreihe „Palabra y Tiempo“ im Verlag Taurus.
José García Nieto wurde vorgeworfen, die Probleme des Bürgerkriegs zu ignorieren und sich einer eskapistischen Lyrik zuzuwenden. Daraufhin veröffentlichte er den Band „Memorias y compromisos“ (1966), in dem er erklärte, auch er habe Haft und Verfolgung erlitten, aber auf der Notwendigkeit bestanden, alte Wunden zu heilen. Zu seinen späteren Werken zählen „Hablando solo“ (1968), „Los cristales fingidos“ (1978), „Galiana“ (1986) und „Carta a la madre“ (1988). Anlässlich seiner Aufnahme in die Königliche Spanische Akademie (Real Academia Española) 1982 hielt er eine Rede in Versform mit dem Titel „Eine neue Lobeshymne auf die spanische Sprache“ (Nuevo elogio de la lengua española). 1996 wurde ihm der Cervantespreis verliehen, der bedeutendste Literaturpreis der spanischsprachigen Welt und dort ähnlich angesehen wie international der Literaturnobelpreis.
Veröffentlichungen Víspera hacia ti (1940) Poesía (1944) Versos de un huésped de Luisa Esteban (1944) Tú y yo sobre la tierra (1944) Retablo de ángel, el hombre y la pastora (1944) Del campo y soledad (1946) Juego de los doce espejos (1951) Tregua (1951). Auszeichnung: Premio Nacional de Poesía La red (1955). Auszeichnung: Premio Fastenrath Geografía es amor (1956). Auszeichnung: Premio Nacional de Poesía El parque pequeño (1959) Corpus Christi y seis sonetos (1962) Circunstancias de la muerte (1963) La hora undécima (1963) Memorias y compromisos (1966) Hablando solo (1967). Auszeichnung: Premio Ciudad de Barcelona Facultad de volver (1970) Taller de arte menor y cincuenta sonetos (1973) Súplica por la paz del mundo y otros "collages" (1973). Auszeichnung: Premio Boscán Sonetos y revelaciones de Madrid (1974) Los cristales fingidos (1978) El arrabal (1980) Nuevo elogio de la lengua española (1983) Sonetos españoles a Bolívar (1983) Donde el mundo no cesa de referir su historia (Prosa, 1983) Piedra y cielo de Roma (1984) Carta a la madre (1988). Auszeichnung: Premio Mundial de Poesía Mística Fernando Rielo Mar viviente (1989) El cuaderno roto (Prosa, 1989) Nietos Werke sind bisher nicht ins Deutsche übertragen worden.
Literatur Gero von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. Fremdsprachige Autoren, Band 2 (L–Z), 4. Auflage, 2004, Sonderausgabe 2008, ISBN 978-3-520-84301-2
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Einzelnachweise
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