Als Bewusstseinseinengung (engl. limited consciousness) wird eine Einengung des gesamten Erlebens und Verhaltens mit verminderter Ansprechbarkeit auf Außenreize bezeichnet. Es ist ein psychopathologisches Symptom und wird auch bei psychiatrischen Auffälligkeiten beschrieben.

Beschreibung Gedanken, Gefühle und Antriebe sind auf einen bestimmten Kreis eingeengt und die Bewusstseinspforten nur für Gegenstände geöffnet, die in diesen Kreis hineinpassen.Uwe Henrik Peters: Lexikon Psychiatrie. 7. Auflage. Elsevier, München 2017, ISBN 978-3-437-15063-0, S. 666.Uwe Henrik Peters: . 7. Auflage. Elsevier, München 2017, ISBN 978-3-437-15063-0, S. 83. Der Patient wirkt wie fixiert und fasziniert durch bestimmte innere Erlebnisse und äußere Gegebenheiten („Tunnelblick“, „Scheuklappen“).Ludger Tebartz van Elst et al.:Psychiatrie und Psychotherapie. 7. Auflage. Elsevier, München 2024, ISBN 978-3-437-22487-4, S. 34. Es handelt sich um eine qualitative Veränderung des Bewusstseins, nicht um eine (quantitative) Minderung des gesamten Bewusstseins im Sinne einer Störung der Wachheit (Bewusstseinsverminderung). Bei weitgehend erhaltender Reaktionsfähigkeit kommt es zu einer Einengung von Denkinhalten und Erlebnissen. Das Erleben kann traumartig verändert sein.Rolf-Dieter Stieglitz, Achim Haug: Das AMDP-System. Manual zur Dokumentation des psychiatrischen Befundes. 11. Auflage. hogrefe, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8017-3157-1, S. 36.

Beispiele

Nach einem Verkehrsunfall erscheint ein Patient wie betäubt, den hinzukommenden Polizeibeamten gelingt es im Gespräch aber rasch, nähere Umstände der Ereignisse zu erfahren. Der Patient lauscht seinen Stimmen. Versuche, ihn auf andere Themen zu leiten, beantwortet er nicht, oder er lässt nur eine angedeutete Reaktion erkennen.

Ursachen Beschrieben ist das Symptom bei organischen oder epileptischen Dämmerzuständen, bei Drogeneinnahme, als psychogene Bewusstseinseinengung, bei starken Affekten (Angst, Schreck), in religiöser Ekstase, in Hypnose, bei Meditation, aber auch durch intensive geistige Konzentration. Das Merkmal wird also nicht nur bei psychiatrischen Erkrankungen, sondern auch bei äußerster geistiger Konzentration auf ein bestimmtes Thema, etwa der Lösung einer schwierigen Problemstellung gefunden. Die Erinnerung an das in diesem Zustand Erlebte ist später teilweise erhalten.

Diagnostik Das Syndrom wird in der psychiatrischen Untersuchung, im Gespräch zwischen Arzt und Patient, diagnostiziert. Es wird nicht immer ohne weiteres spontan (ohne Nachfrage) vom Patienten berichtet. Man kann dann z. B. folgende Fragen stellen: „Haben Sie den Eindruck, dass Sie völlig gefangen sind in ihrem Erleben?“ Bei entsprechenden Hinweisen im Gespräch: „Was war jetzt gerade?“Erdmann Fähndrich, Rolf-Dieter Stieglitz: Leitfaden zur Erfassung des psychopathologischen Befundes. 6., überarbeitete Auflage. Hogrefe, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8017-3114-4, S. 66.

Einordnung AMDP-System (System zur Erstellung des psychiatrischen Befundes) findet sich Bewusstseinseinengung unter Nr. 3.

Abgrenzung (Differentialdiagnose) Bewusstseinstrübung: Qualitative Störung der Bewusstseinsklarheit (gestörte Aufmerksamkeit und Auffassung, Schwerbesinnlichkeit) Bewusstseinsverminderung: quantitative Verringerung der Wachheit, beginnend mit Benommenheit (Vigilanz) Bewusstseinsverschiebung: Das Erleben ist intensiver und klarer („Bewusstseinserweiterung“)

Siehe auch Veränderter Bewusstseinszustand Trance

Literatur Das AMDP-System (Manual zur Dokumentation des psychischen Befundes), 11. Aufl. 2023, hogrefe, S. 34, ISBN 978-3-8017-3193-9.

Einzelnachweise Kategorie:Psychopathologisches Symptom