Hochstetters Rötling (Entoloma hochstetteri) ist ein kleiner bis mittelgroßer Vertreter der Rötlinge mit auffallend indigoblauer bis himmelblauer Farbe fast des gesamten Fruchtkörpers. Dass die Gattung im Deutschen als Rötling bezeichnet wird, bezieht sich lediglich auf die rötliche Färbung der Sporen. Die Art ist vor allem in Neuseeland anzutreffen und wird dort als „Nationalpilz“ betrachtet.

Merkmale Makroskopische Merkmale Der Hut mit einem Durchmesser von 1,5–5 cm ist kegelig bis glockenförmig; in seiner Mitte hat er einen Buckel (Papille) und wird auch bei älteren Exemplaren niemals völlig flach. Die Lamellen sind schmal angewachsen oder nahezu frei. Jung sind sie blau, später verfärben sie sich aufgrund der Sporenfarbe rosabraun. Der Stiel ist zerbrechlich, fein faserig und manchmal verdreht; er misst 5–10(–15) × 0,3–0,5 cm. Er ist wie der Hut gefärbt, später jedoch bräunlich verblassend. Seine Basis ist weißlich. Geruch und Geschmack sind unauffällig. Die intensiv blaue bis bläulich-grünliche Färbung des Pilzes wird durch einen Komplex von Azulen-Pigmenten hervorgerufen. Der Hut verfärbt sich mit KOH hellrötlich bis hellbraun und mit Salzsäure gelblich.Entoloma hochstetteri auf virtualmycota wie unter Weblinks, mit Angaben beruhend auf Egon Horak: Fungi Agaricini Novazelandiae I-V. Lehre: Cramer, 1973. ISBN 3-7682-5443-7.Entoloma hochstetteri im Fungiatlas wie unter Weblinks.

Mikroskopische Merkmale Das Sporenpulver ist purpurfarben bis tief rotbraun. Die Sporen sind quaderförmig, hyalin und messen etwa 11–15 × 11–14 µm. Die Basidien sind keulenförmig, viersporig und werden 40–60 × 15–20 µm groß. Cheilozystiden sind vorhanden; sie sind spindelförmig mit lang ausgezogenem, abgerundetem Hals und messen 40–60 × 8–14 µm. Pleurozystiden fehlen. Die Huthaut besteht aus liegenden bis leicht aufgerichteten zylindrischen Hyphen von 5–13 µm Durchmesser. Schnallenverbindungen sind vorhanden.

Verbreitung Hochstetters Rötling ist in Neuseeland vermutlich endemisch, zumindest jedoch indigen und dort sowohl auf der Nord- als auch auf der Südinsel weit verbreitet. Ähnliche blaue Rötlings-Arten wurden in Indien (Kerala) und Australien nachgewiesen, doch wird noch wissenschaftlich diskutiert, ob es sich dabei um exakt dieselbe Art oder um ähnliche, aber genetisch verschiedene Arten handelt.

Ökologie und Phänologie Die Art wächst zwischen Laubstreu und Moosen am Boden feuchter Wälder, besonders in Steineiben- und in Scheinbuchen-Wäldern. Über die Ernährungsweise besteht keine vollständige Klarheit. Traditionell wurde die Art als Saprobiont angesehen, teilweise wird auch eine mögliche Mykorrhizabildung diskutiert. Der Pilz fruktifiziert allein oder in kleinen, zerstreuten Gruppen während der feuchten Monate von Januar bis Juli (Spätsommer bis Winter in der südlichen Hemisphäre).

Verwendung und Bedeutung Eine Toxizität der Art wurde wissenschaftlich nicht nachgewiesen, doch gilt der Pilz als ungenießbar und es wird dringend vom Verzehr abgeraten, da viele Rötlingsarten giftig sind.

In Neuseeland ist Hochstetters Rötling zu einem ikonischen Symbol für das Land geworden: Der Pilz wird auf der neuseeländischen 50-Dollar-Note abgebildet und erschien 2002 auf einer neuseeländischen Briefmarke. 2018 führte das neuseeländische Umweltinstitut Landcare Research New Zealand eine Umfrage durch, um den nationalen Pilz Neuseelands zu küren; hierbei gewann Hochstetters Rötling mit überwältigender Mehrheit.

Bezeichnungen mini|Der Nordinsel-Kokako mit seinen indigoblauen Kehllappen In der Sprache der Maori heißt der Pilz „Werewere-kōkako“, was soviel wie „Kehllappen des Kokako“ bedeutet. Tatsächlich haben die Kehllappen dieses auf der Nordinsel von Neuseeland endemischen Vogels (Nordinsel-Kokako bzw. Graulappenvogel, Callaeas wilsoni) einen ähnlichen Farbton wie der Pilz. Im Englischen heißt der Pilz Blue Pinkgill oder Sky-blue Mushroom, was im Deutschen, alternativ zum Namen Hochstetters Rötling, auch zu den Bezeichnungen Blauer bzw. Himmelblauer Rötling Anlass gegeben hat. Diese beiden Bezeichnungen sind jedoch nicht eindeutig, da es auch europäische Arten dieses Namens gibt: den Blauen Rötling (Entoloma bloxamii) und den sehr seltenen Himmelblauen Rötling (Entoloma coelestinum).

Taxonomie und Etymologie Die Art wurde 1866 von dem österreichischen Mykologen Erwin Reichardt als Cortinarius hochstetteri beschrieben und 1962 von der neuseeländischen Mykologin Greta Stevenson zur Gattung Entoloma gestellt. Das Art-Epitheton ehrt den deutsch-österreichischen Geologen und Naturforscher Ferdinand von Hochstetter, dem die Art während seines Neuseeland-Aufenthaltes 1858/59 aufgefallen war.

Weblinks

Entoloma hochstetteri im Fungiatlas Entoloma hochstetteri auf virtualmycota Entoloma hochstetteri bei Biota of New Zealand

Einzelnachweise

Kategorie:Rötlinge Kategorie:Ungenießbarer Pilz