mini|Mwenda Msiri Ngelengwa Shitambi, genannt: Msidi. Abbildung aus dem Buch DE ANGOLA Á CONTRA-COSTA von Capello & H. R. Ivens (1886) Msidi, auch: „M'Siri“, „Mziri“, „Msiri“ oder „Mushidi“, vollständiger Name: Mwenda Msiri Ngelengwa Shitambi Abgerufen am 25. Mai 2026. (* um 1830 in Tabora, heute: Tansania; † 20. Dezember 1891 im Munema, heute Demokratische Republik Kongo) war ein im Süden des Kongobeckens ansässiger Machthaber, Sklaven- und Elfenbeinjäger. Sein Herrschaftsgebiet wurde nach ihm Msidis Reich oder auch Königreich Yeke, Garanganze oder Garenganze bzw. Katanga genannt und existierte von etwa 1856 bis 1891 im Südosten der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Er widersetzte sich dem Machtanspruch des Kongo-Freistaats über sein Herrschaftsgebiet und wurde im Zuge dieser Auseinandersetzung getötet.

Biographie Msidis Herkunft und Aufstieg mini|Südliches Zentralafrika 1890. Die Karte zeigt die zentrale Lage von Msidis Königreich Yeke, die ungefähren Territorien von Msidis wichtigsten Verbündeten (Namen in Gelb) und den ungefähren Gebiete, die von europäischen Mächten besetzt wurden (Namen in Orange) ohne Einflusssphären oder Grenzen sowie die wichtigsten Handelsrouten. Der Handel an der Ostküste wurde vom Sultan von Sansibar kontrolliert. Einflussgebiete anderer Stämme sowie Frankreichs und des Deutschen Reiches sind nicht dargestellt.

Von Tabora nach Katanga Msidi war ein Nyamwezi aus Tabora im heutigen Tansania und wie sein Vater Kalasa im Kupfer-, Elfenbein- sowie im ostafrikanischen Sklavenhandel tätig. Als junger Mann war Msidi als Agent seines Vaters in der Region um den Luapula-Fluss westlich des Mwerusees geblieben. Sein Hauptsitz lag in der Stadt Bunkeya. Grundsätzlich wurde der Handel vom Sultan von Sansibar und seinen arabischen und suahelitischen Agenten kontrolliert. Die klassischen Haupthandelsrouten führten nach Ujiji am Tanganjikasee und dann zum Mwerusee und nach Katanga.Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. S. 172–173. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)

Ausdehnung der Macht Msidi erkannte, dass der Zugang zu Waffen der Schlüssel zur Macht war und dass er sie im Austausch gegen Kupfer und Elfenbein aus Katanga erhalten konnte. Er stellte eine Miliz auf und begann, seine Nachbarn anzugreifen und ihre Gebiete zu erobern. Er heiratete außerdem in verschiedene Herrscherfamilien ein, unter anderem in die königliche Familie der Luba, und setzte seine Frauen als Spione ein.The Story of Africa: The East African Slave Trade. British Broadcasting Corporation (World Service). Abgerufen am 8. Februar 2007.R. S. Arnot: "F S Arnot and Msidi", Northern Rhodesia Journal, III (5) (1958). S. 428–434. Abgerufen am 8. Februar 2007.

Für die Lieferung von Schusswaffen und Schießpulver war Msidi zunächst auf die Handelsverbindungen mit der Ostküste angewiesen, die durch das Gebiet seiner Rivalen transportiert wurden, was die Versorgung teuer und unzuverlässig machte. Um diese Abhängigkeit zu beenden, entschied er sich, sich der Westküste zuzuwenden und schickte seinen Neffen Molenga zu den portugiesischen und Ovimbundu-Händlern rund um Benguela in Angola. Ein Händler namens Coimbra wurde sein Lieferant. Auch im Nordwesten übernahm Msidi den Handel mit der Westküste, den vorher die Luba kontrolliert hatten, und stoppte ihre Expansion nach Süden.

Msidi verfügte nun über die Macht und den Einfluss, um gleichberechtigte Bündnisse mit Kriegsherren wie Tippu Tip zu schließen, der den Osten des Kongo vom Tanganjikasee bis zum heutigen Uganda im Nordosten kontrollierte, und mit Warlords Nyamwezi Mirambo, der die Landroute zwischen dem Tanganjikasee und der Küste kontrollierte. Er versuchte, ihr System zu kopieren und ihm gelang schließlich, was andere Stämme und die Portugiesen ohne großen Erfolg versucht hatten: ein Handelsnetz über den gesamten Kontinent mit beiden Küsten.

Als David Livingstone 1867 Mwata Kazembe VIII, einen lokalen Herrscher auf dem Gebiet des heutigen Sambia besuchte, hatte Msidi bereits die Kontrolle über den größten Teil seines Territoriums und den Handel am Westufer des Luapula-Flusses übernommen. Als Tippu Tip Rache an Mwata Kazembe nehmen wollte, da dieser sechs seiner Männer getötet hatte, schloss Msidi 1870 ein Bündnis mit ihm, um Mwata Kazembe anzugreifen und zu töten.David Livingstone und Horace Waller (Hrsg.): The Last Journals of David Livingstone in Central Africa from 1865 to his Death. 2 Bände. John Murray. London. Anschließend nahm Msidi Einfluss auf die Ernennung seiner Nachfolger und festigte damit auch seine Kontrolle über den Südosten von Katanga und seine Kupfervorkommen entscheidend.David Gordon: Decentralized Despots or Contingent Chiefs: Comparing Colonial Chiefs in Northern Rhodesia and the Belgian Congo. In: KwaZulu-Natal History and African Studies Seminar. University of Natal. Durban. 2000.

Msidis Strategie mini|Msidis Lieblingsfrau, die portugiesisch-angolanische Maria de Fonseca, starb einen grausamen Tod durch Msidis Adoptivsohn und Nachfolger.

In dieser Zeit, in der die gesamte Region von bewaffneten Händlern dominiert wurde, war Msidi mit seinem System überaus erfolgreich. Die Kontrolle über die Handelsrouten zwischen dem Atlantik und dem Indischen Ozean erforderte allerdings ein hohes Maß an Rücksichtslosigkeit und Waffengewalt. Gegenüber seinen unmittelbaren Nachbarn verfügte Msidi über das, was man im Westen als „überlegene Militärtechnologie“ bezeichnen würde. Aber es erforderte weiterhin auch strategisches Vorgehen, List und Überzeugungskraft, um Bündnisse mit der Vielzahl anderer, weiter entfernterer Stämme, Herrscher und Händler zu schließen. Msidi erreichte dies zunächst durch seine über 500 Frauen. Gemäß seines Systems nahm er sich aus jedem Dorf eines untergeordneten Oberhaupts eine Frau, um diesen glauben zu lassen, er habe dadurch eine Fürsprecherin an Msidis Hof. Stattdessen wurde die Frau allerdings eingesetzt, um das Oberhaupt und dessen Familie auszuspionieren und Informationen über seine Machenschaften und seine Loyalität zu erhalten. Die Ehefrau konnte im Falle einer Rebellion des lokalen Herrschers gegen Msidi auch als Geisel eingesetzt werden.

Auch Bündnisse mit mächtigen Handelspartnern wurden durch Heirat geschlossen. Seine Lieblingsfrau soll Maria de Fonseca gewesen sein, die Schwester seines portugiesisch-angolanischen Handelspartners Coimbra.Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. S. 174–175. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655) Msidi vermählte außerdem eine seiner eigenen Töchter mit Tippu Tip.

Weiterhin war auch der Umgang mit christlichen Missionaren Teil von Msidis umfassender Strategie zu seinem Machterhalt. 1884 bat er den schottischen Missionar Frederick Stanley Arnot, der sich in Angola aufhielt, in seine Hauptstadt Bunkeya, 180 km westlich des Luapula-Flusses, um Informationen zum Umgang mit den heranrückenden europäischen Kolonialmächten einzuholen. 1886 traf Arnot ein und war der erste Weiße, der sich in Katanga niederließ. Drei Jahre später kehrte er nach Großbritannien zurück, um weitere Missionare anzuwerben, darunter Charles Swan und Dan Crawford.J. Keir Howard: In: Dictionary of African Christian Biography. Abgerufen am 9. Februar 2007.

Die ersten Missionare in Katanga entschieden sich also nicht nur aus eigenem Antrieb für ihre Reise dorthin und Msidis Strategie ging auf: der Rat der Missionare verhinderte, dass er von den ersten britischen und belgischen Expeditionen übervorteilt wurde (siehe unten).J. Keir Howard: Abgerufen am 18. Mai 2026. Es ist auch möglich, dass Msidi die Idee hatte, die Missionare im Falle eines Krieges mit den Europäern als Geiseln zu nehmen.Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. S. 180. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655) In Stairs Sicht waren die Missionare eindeutig Geiseln Msidis, die dieser auch als „weiße Sklave“ betitelt haben soll.Brief von Stairs an Frederick Arnot vom 29. Dezember 1891, wiedergegeben in: R. S. Arnot: F S Arnot and Msidi. Veröffentlicht in: Northern Rhodesia Journal. III (5). 1958. S. 428–434. Link abgerufen am 8. Februar 2007.

Der Kampf um Katanga und die Ermordung Msidis Britische Expeditionen (Sharpe und Thomson), 1890 Schließlich wurde allerdings die Konfrontation mit den Kolonialmächten, die sich das rohstoffreiche Gebite sichern wollten, unvermeidlich. Cecil Rhodes’ British South Africa Company (BSAC) und der Kongo-Freistaat (CFS) des belgischen Königs Leopold II. wollten beide Verträge mit Msidi unterzeichnen, um ihre kolonialen Ambitionen in Katanga zu verwirklichen, und konkurrierten darum. Einige von Msidis untergeordneten lokalen Oberhäuptern und Handelskonkurrenten nutzten die Ankunft neuer Mächte in der Region, um Aufstände gegen seine Autorität anzuzetteln. Im November 1890 traf Alfred Sharpe im Auftrag der BSAC und des britischen Kommissars für Zentralafrika/Njassaland, Sir Harry Johnston, aus Njassaland in Bunkeya ein. Er brachte eine Mineralkonzession und einen britischen Protektoratsvertrag zur Unterzeichnung mit. Auch der Entdecker Joseph Thomson wurde von der BSAC entsandt, um Sharpes Mission in Bunkeya zu treffen und zu unterstützen. Doch ihre Route wurde durch eine Pockenepidemie blockiert, sodass die Mission nicht fortgesetzt werden konnte.Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. Kapitel I. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)

Arnot befand sich noch in Großbritannien, doch die Missionare Charles Swan und Dan Crawford waren bereits vor Ort. Msidi und seine Beamten konnten kein Englisch lesen, und Sharpe schilderte das Abkommen positiv. Arnot hatte Msidi jedoch geraten, alle Verträge übersetzen zu lassen, und Swan gab ihm nun denselben Rat. Die Ratschläge der Missionare waren später Gegenstand von Ressentiments und Ärger von Seiten der BSAC, denn als Msidi der Inhalt des Vertrags offenbart wurde, schickte er Sharpe wütend und mit leeren Händen fort. Sharpe war sich danach sicher, dass Msidi seine Souveränität nicht an eine andere Macht abtreten würde, und riet Johnston, zu warten, bis er „aus dem Weg“ sei.

Belgische Expeditionen (Le Marinel und Delcommune), 1891 Leopold II. entsandte seinerseits am 18. April 1891 eine Expedition von etwa 350 Mann unter der Führung von Paul Le Marinel. Als Ergebnis erhielt er einen kurzen Brief, unterzeichnet von Msidi und beglaubigt von Swan (und wahrscheinlich auch von ihm verfasst), in dem er erklärte, Msidi würde CFS-Agenten in seinem Gebiet akzeptieren.Le Capitaine Paul le Marinel & Alexandre Delcomune. In: Les Expatries Lubumbashi. Exzerpt aus der Geschichte des belgischen Bergbauunternehmens Union Minière du Haut Katanga, 1906−1956. Darin wurde allerdings weder die Zustimmung zum Hissen der CFS-Flagge noch die Anerkennung von Leopolds Souveränität erwähnt, und diese Ungenauigkeit des Briefes sollte Leopold vermutlich in Schach halten. Daher setzte der belgische König einige Monate später die Delcommune-Expedition nach, um diese Ziele zu erreichen, doch Msidi lehnte erneut ab. Da Leopold erwartete, dass die BSAC es mit Thomson erneut versuchen würde, beschloss er, bei seiner dritten Expedition im Jahr 1891 energischer vorzugehen.Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. S. 6–9. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)

Die Stairs-Expedition und die Ermordung Msidis