Der Kreis Tecklenburg war ein Landkreis in Nordrhein-Westfalen. Er wurde nach der Eingliederung des südlichen Westfalens als Provinz Westfalen in Preußen gebildet. Der größte Teil des Kreises entsprach der ehemaligen Grafschaft Tecklenburg. Im Osten grenzte er an das Oberzentrum Osnabrück. Die Bevölkerung in der Grafschaft Tecklenburg gehörte dem reformierten Bekenntnis an, durch die preußische Kirchenunion heute evangelisch. Die Bevölkerung der ehemals oberlingenschen und münsterschen Anteile des Kreises war überwiegend katholisch. Der Kreis wurde am 1. Januar 1975 mit dem Kreis Steinfurt und Teilen des Kreises Münster zum neuen Kreis Steinfurt vereinigt.

Das Tecklenburger Land ist im Wesentlichen mit dem ehemaligen Kreisgebiet deckungsgleich.

Alle folgenden Daten (Verkehr – auch Straßenbezeichnungen und Streckenverläufe, Wirtschaft usw.) beziehen sich – falls nicht anders angegeben – auf das Jahr 1971.

Geographie Höhen Die größte Erhebung befand sich im Südosten, im Liener und Westerbecker Berg mit Höhen von 225 bzw. 236 m.

Der tiefste Punkt des Kreises lag mit 34 m NN bei Dreierwalde.

Fläche Die Fläche des Kreisgebietes betrug 811 km², davon waren 71,7 % Landwirtschaft und Gartenbau 15,5 % Waldungen, Grünanlagen, Spiel- und Sportplätze 9,1 % Siedlungen und Verkehr sowie 3,7 % Flächen zu sonstigen Zwecken

Nachbarkreise Der Kreis Tecklenburg grenzte Ende 1974 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an den Landkreis Lingen, den Landkreis Osnabrück und die kreisfreie Stadt Osnabrück (alle in Niedersachsen) sowie an die Kreise Warendorf, Münster und Steinfurt (alle in Nordrhein-Westfalen).

Geschichte mini|hochkant=2|Der Kreis Tecklenburg im Jahr 1844 Im Jahre 1816, bei Gründung der preußischen Provinz Westfalen, wurde der Kreis Tecklenburg gebildet. Das Kreisgebiet umfasste in großen Teilen die alte Grafschaft Tecklenburg, die Obergrafschaft Lingen und Teile des Amts Bevergern (Bistum Münster). Nach seiner Gründung war der Kreis bis 1843 in die Bürgermeistereien Bevergern, Brochterbeck, Cappeln, Hopsten, Ibbenbüren, Ladbergen (1832 aus dem Landkreis Münster in den Kreis Tecklenburg umgegliedertAmtsblatt der Königlichen Regierung zu Münster 1831, S. 401), Lengerich, Lotte, Mettingen, Recke, Riesenbeck, Schale und Tecklenburg untergliedert.

Mit der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurden in den Jahren 1843 und 1844 die Bürgermeistereien in Ämter überführt.Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB) Das aus den beiden Gemeinden Ledde und Leeden bestehende Amt Ledde wurde 1851 mit der bis dahin amtsfreien Stadt Tecklenburg zum Amt Tecklenburg zusammengeschlossen. Außerdem wurde 1852 das aus der Gemeinde Dreierwalde bestehende Amt Dreierwalde in das Amt Bevergen eingegliedert. Im Jahre 1857 wurde das Amt Lienen aus dem Kreis Warendorf in den Kreis Tecklenburg umgegliedertAmtsblatt der Königlichen Regierung zu Münster 1857 S. 22, in dem seitdem 14 Ämter mit insgesamt 22 Gemeinden bestanden:

Amt Gemeinden Bevergern Bevergern und Dreierwalde Brochterbeck Brochterbeck Cappeln Stadt Westerkappeln und Landgemeinde Westerkappeln Hopsten Hopsten Ibbenbüren Stadt Ibbenbüren und Landgemeinde Ibbenbüren Ladbergen Ladbergen Lengerich Stadt Lengerich und Landgemeinde Lengerich Lienen Lienen Lotte Lotte und Wersen Mettingen Mettingen Recke Recke Riesenbeck Riesenbeck Schale Halverde und Schale Tecklenburg Ledde, Leeden und Tecklenburg

In den 1860er Jahren war eine Verlegung des Landratsamts nach Ibbenbüren im Gespräch. Als Sitz war dort die Werthmühle geplant. Ein entsprechender Beschluss des Kreistags wurde aber nicht umgesetzt, vermutlich weil der Deutsch-Französische Krieg ausbrach. Nach Kriegsende wurde das Vorhaben nicht weiter verfolgt.

In den Jahren 1890/92 bezog der damalige Landrat Belli das neue Landratsamt an der Stelle, wo sich heute noch ein Gebäude der Kreisverwaltung (Kreis Steinfurt – Kreishaus Tecklenburg) befindet. In den Folgejahren wurde das erste eigene Kreisstraßenbauamt und das Kreiswiesenbauamt eingerichtet. Am 1. April 1900 wurde im Amt Riesenbeck die Gemeinde Hörstel durch Ausgliederung aus der Gemeinde Riesenbeck gebildet und am 1. April 1927 wurde die Gemeinde Lengerich-Land in die Stadt Lengerich eingemeindet.

Im Jahre 1930 wurden mehrere Ämter fusioniert. Das Amt Bevergern wurde in das Amt Riesenbeck eingegliedert, das Amt Schale wurde in das Amt Hopsten eingegliedert, Brochterbeck kam zum Amt Tecklenburg und Recke kam zum Amt Mettingen. Im Jahre 1934 wurden außerdem die Ämter Lengerich und Lienen aufgehoben. Ladbergen wurde 1937 in das Amt Tecklenburg eingegliedert. Am 1. Oktober 1939 fusionierte die Gemeinden Westerkappeln-Stadt und Westerkappeln-Land zur amtsfreien Gemeinde Westerkappeln. Ladbergen schied 1949 wieder aus dem Amt Tecklenburg aus und wurde amtsfrei. Mettingen und Recke waren nach der Auflösung des Amtes Mettingen seit 1951 amtsfrei. Im Jahre 1959 gründete der Kreis Tecklenburg den Kreiswasserversorgungsverband (heute Wasserversorgungsverband Tecklenburger Land) und 1966 die Flughafen Münster-Osnabrück GmbH, gemeinsam mit den Städten Münster, Osnabrück und Greven sowie dem Landkreis Münster. Seit 1968 führte die A 1 (Hansalinie) auf einer Länge von 26 km durch das Kreisgebiet, schneidet in Lotte die A 30 und bildet seitdem dort das Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück.

Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Tecklenburg.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.

Trotz großer Bemühungen, den Kreis Tecklenburg zu erhalten, wurde er mit Wirkung vom 1. Januar 1975 aufgelöst und bildet fortan mit dem Altkreis Steinfurt und Teilen des Kreises Münster den neuen Kreis Steinfurt.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1819 36.545 1832 43.175 1858 45.945 Statistische Nachrichten über den Regierungs-Bezirk Münster 1858, S. 19 1871 45.657 1880 47.206 1890 49.236 1900 53.383 1910 59.620 1925 68.390 1939 75.329 1950 113.770 1960 123.500 1970 136.900 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1974 142.197

Politik Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946 In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene. 1948: Infos der CDU des Kreises Steinfurt

Stimmenanteile der Parteien in Prozent

Jahr CDU SPD FDP UCSWUnabhängige Christlich-Soziale Wählergemeinschaft DZP BHE 19461 30,3 31,2 11,4 23,8 1948 26,2 37,3 8,1 25,1 1952 28,0 27,4 13,9 18,3 10,2 1956 30,6 32,5 13,4 15,6 7,9 1961 36,8 32,1 12,7 2,2 9,96 6,2 1964 47,4 37,4 13,1 2,1 19692 50,9 38,3 8,4

Fußnoten

1 1946: zusätzlich: KPD: 2,1 % 2 1969: zusätzlich: UWG: 2,3 %

miniatur|Kreistagssitzung im Tecklenburger Kreisheimathaus

Landräte 1816–1821: Karl Philipp Mauve 1822–1831: Ernst von Bodelschwingh 1831–1870: Ludwig von Diepenbroick-Grüter 1870–1883: Hermann Roehrig 1883–1921: August Belli 1921–1935: Hermann Schultz 1935–1937: Hermann Meyer-Nieberg (NSDAP) 1937–1945: Karl Tanzeglock (NSDAP) 1942: Friedrich Boeckenhoff (vertretungsweise) 1942–1945: Joseph Gerdes (NSDAP) 1946 (15.3.–29.10.): Josef Verlemann (CDU) 1946–1952: Gregor Determann (Zentrum) 1952–1956: Heinrich Spangenberg (CDU) 1956–1966: Richard Borgmann (CDU) 1966–1974: Laurenz Börgel (CDU)

Oberkreisdirektoren Als Oberkreisdirektor (OKD) waren folgende Personen im Amt: 1953–1974 Werner Rinke

Gliederung des Kreises Tecklenburg bis 1974 Der Kreis Tecklenburg gliederte sich vor der kommunalen Neugliederung in eine amtsfreie Stadt, fünf amtsfreie Gemeinden und fünf Ämter mit drei Städten und zwölf weiteren Gemeinden auf einer Fläche von 811,11 km² mit 142.197 Einwohnern (Stand 31. Dezember 1974).

Gemeinde Amt Gemeinde ab 1975 Eingemeindung 20px|Wappen der Stadt Bevergern Bevergern, Stadt Amt Riesenbeck Hörstel, Stadt 1. Januar 1975 20px|Wappen der Gemeinde Brochterbeck Brochterbeck Amt Tecklenburg Tecklenburg, Stadt 1. Januar 1975 20px|Wappen der Gemeinde Dreierwalde Dreierwalde Amt Riesenbeck Hörstel, Stadt 1. Januar 1975 20px|Wappen der Gemeinde Halverde Halverde Amt Hopsten Hopsten 1. Januar 1975 20px|Wappen der Gemeinde Hopsten Hopsten Amt Hopsten Hopsten 1. Januar 1975 20px|Wappen der Gemeinde Hörstel Hörstel Amt Riesenbeck Hörstel, Stadt 1. Juli 1975 20px|Wappen des Kirchspiel Ibbenbüren Ibbenbüren-Land Amt Ibbenbüren Ibbenbüren, Stadt 1. Januar 1975 20px|Wappen der Stadt Ibbenbüren Ibbenbüren, Stadt Amt Ibbenbüren Ibbenbüren, Stadt 20px|Wappen der Gemeinde Ladbergen Ladbergen amtsfrei Ladbergen 20px|Wappen der Gemeinde Ledde Ledde Amt Tecklenburg Tecklenburg, Stadt 1. Januar 1975 20px|Wappen der Gemeinde Leeden Leeden Amt Tecklenburg Tecklenburg, Stadt 1. Januar 1975 20px|Wappen der Stadt Lengerich Lengerich, Stadt amtsfrei Lengerich, Stadt 20px|Wappen der Gemeinde Lienen Lienen amtsfrei Lienen 20px|Wappen des Kirchspiel Lotte Lotte Amt Lotte Lotte 1. Januar 1975 20px|Wappen der Gemeinde Mettingen Mettingen amtsfrei Mettingen 20px|Wappen der Gemeinde Recke Recke amtsfrei Recke 20px|Wappen der Gemeinde Riesenbeck Riesenbeck Amt Riesenbeck Hörstel, Stadt 1. Juli 1975 20px|Wappen der Gemeinde Schale Schale Amt Hopsten Hopsten 1. Januar 1975 20px|Wappen der Stadt Tecklenburg Tecklenburg, Stadt Amt Tecklenburg Tecklenburg, Stadt 20px|Wappen der Gemeinde Wersen Wersen Amt Lotte Lotte 1. Januar 1975 20px|Wappen der Gemeinde Westerkappeln Westerkappeln amtsfrei Westerkappeln

Verkehr Im Kreisgebiet befand sich 1971 folgendes Verkehrswegenetz:

Bahnstrecken: Köln – Ruhrgebiet – Münster – Lengerich – Osnabrück – Bremen – Hamburg Amsterdam – Hengelo – Rheine – Ibbenbüren – Osnabrück – Hannover – Berlin Osnabrück – Bramsche – Oldenburg – Wilhelmshaven, Osnabrück – Bramsche – Vechta – Bremen Teutoburger Wald-Eisenbahn: Ibbenbüren – Tecklenburg – Lengerich – Bad Iburg – Gütersloh Tecklenburger Nordbahn: Osnabrück – Westerkappeln – Mettingen – Recke (- Rheine) Autobahnen: A 1 – Hansalinie Auffahrten: Ladbergen, Lengerich/Tecklenburg, Kreuz Lotte/Osnabrück, A 30 – Lotte – Osnabrück Auffahrten: Hörstel, Ibbenbüren-West, Ibbenbüren, Ibbenbüren-Laggenbeck, Lotte insgesamt: 28 km (geplant: 29 km – A 30 bis Rheine – Hengelo) Bundesstraßen: B 65 Minden – Osnabrück – Rheine – Hengelo (Niederlande) B 219 Münster – Greven – Saerbeck – Ibbenbüren B 475 Soest – Warendorf – Ladbergen – Saerbeck – Emsdetten – Rheine insgesamt: 60 km Landesstraßen: insgesamt mit einer Länge von 310 km Kreisstraßen: insgesamt mit einer Länge von 291 km Gemeindestraßen: insgesamt mit einer Länge von 1003 km Wasserstraßen: Dortmund-Ems-Kanal Mittellandkanal neun Binnenhäfen im Kreisgebiet

Wappen

Am 30. Juni 1934 verlieh das preußische Staatsministerium dem Kreis Tecklenburg ein Wappen.

Städte und Gemeinden Städte (Einwohner am 30. Juni 1971) Bevergern (2.709) Ibbenbüren (41.307 -einschl. Gemeinde Ibbenbüren-Land-) Lengerich (21.521) Tecklenburg (2.358)Gemeinden (Einwohner am 30. Juni 1971) Brochterbeck (2.463) Dreierwalde (1.371) Halverde (811) Hopsten (3.827) Hörstel (4.980) Ibbenbüren-Land Ladbergen (4.395) Ledde (1.479) Leeden (2.039) Lienen (6.958) Lotte (3.213) Mettingen (10.099) Recke (9.022) Riesenbeck (4.945) Schale (1.141) Wersen (5.285) Westerkappeln (8.621)

Die Stadt Lengerich und die Gemeinden Ladbergen, Lienen, Mettingen, Recke und Westerkappeln waren amtsfrei. Die anderen Städte und Gemeinden gehörten zu fünf Ämtern, und zwar die Gemeinden Halverde, Hopsten und Schale zum Amt Hopsten (Rechtsnachfolgerin: Gemeinde Hopsten), die Stadt Ibbenbüren und die Gemeinde Ibbenbüren-Land zum Amt Ibbenbüren (Rechtsnachfolgerin: Stadt Ibbenbüren),