Der Mödlinger Künstlerbund ist eine Künstlervereinigung mit Sitz in Mödling (Niederösterreich). Er wurde 1925/26 als Mödlinger Kunstverein gegründet, 1941 formal aufgelöst und 1953 unter dem Namen Mödlinger Künstlerbund neu gegründet. Der Verein ist bis heute aktiv. Die Kunststation Mödling dient dem Verein als Vereinslokal und wird für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt.
Vereinsaktivitäten Künstlerische Disziplinen der Mitglieder Der Verein vernetzt Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Bereichen: Malerei, Zeichnung und digitale Kunst Bildhauerei, Keramik und Installationen Fotografie und Videokunst Architektur und Raumgestaltung Textil- und Drucktechniken Performance und experimentelle Kunst mini|Kunst im Park – eine Outdoor-Galerie im Museumspark Mödling, 2023
Überregionale Vereinsaktivitäten Der Verein fördert zeitgenössische bildende Kunst und präsentiert sie in Ausstellungen und regionalen Kulturprojekten. Darüber hinaus entfaltet der Künstlerbund überregionale Aktivitäten. Zu den Höhepunkten der Vereinsaktivitäten zählen:
Teilnahme am Viertelfestival Niederösterreich 2019: Performance in einem Umspannwerk und Ausstellungen in Bruck an der Leitha, Baden und Mödling. Ausstellungen und Kunstpartnerschaften in Österreich, beispielsweise im Favoritner Wasserturm (Wien), in Gumpoldskirchen, Baden, Kirchberg am Wagram und Langenlois. Internationale Projekte in Offenbach am Main (Deutschland) und Kőszeg (Ungarn)
Kunst im öffentlichen Raum mini|Schirmföhre, Edelstahl, Eduard Diem, 1999, an der Mödlinger Osteinfahrt Der Verein tritt durch Projekte im öffentlichen Raum in Erscheinung. Dazu zählte 2023 Kunst im Park, eine Outdoor-Galerie im Museumspark Mödling, die zeitgenössische Kunst öffentlich zugänglich machte. Weitere Beispiele sind:
Eduard Diems – Schirmföhre: Sie steht an der Osteinfahrt in Mödling. Karl Novaks Mahnmal: Errichtet an der Stelle der ehemaligen Mödlinger Synagoge im Jahr 2003. Elisabeth Ledersberger-Lehoczkys Portrait eines Lebens für 12 Töne: Das Arnold-Schönberg-Denkmal aus Stahl- und Steinplatten ist im Mödlinger Museumspark zu finden.
Einsatz für soziale Themen Der Künstlerbund engagiert sich wiederholt für soziale Anliegen. Die Einnahmen der Benefizveranstaltungen gingen unter anderem an die Lebenshilfe Mödling sowie an den Flüchtlingshilfeverein Connect Mödling.
Vereinsgeschichte Hintergrund der Vereinsgründung Vor dem Ersten Weltkrieg gab es in Mödling bereits Versuche, einen Kunstverein zu etablieren, die jedoch durch den Krieg unterbrochen wurden. In der Zwischenkriegszeit kam es erneut zu Bestrebungen, den Verein zu gründen, die im Dezember 1925 zur ersten Ausstellung führten. Zu den Gründungsmitgliedern zählten führende Künstler seiner Zeit, beispielsweise die österreichischen Maler Julius Schmid und Anton Reckziegel, sowie die Architekten Karl Lehrmann und Hermann Tamussino.
In der Literatur finden sich unterschiedliche Angaben zum Gründungsjahr des Mödlinger Kunstvereins. Die Abweichungen erklären sich durch den Verlust des Vereinsarchivs bei einem Brand im Jahr 1970, weshalb seinerzeit nur begrenzt auf historische Quellen zurückgegriffen wurde. Im Vereinskataster des Österreichischen Staatsarchivs ist die Gründung auf den 28. Februar 1926 datiert.Vereinskataster, Quelle Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB Signatur XIV 1215 Mödlinger Kunstverein, 1926-1941,
Aufschwung und frühe Jahre Nach seiner Gründung erlebte der Mödlinger Kunstverein eine kontinuierliche Expansion. Die Ausstellungen und Veranstaltungen des Vereins wurden sowohl in lokalen als auch in überregionalen Medien ausführlich dokumentiert und überwiegend positiv beurteilt. Mitglieder des Vereins gehörten der Wiener Secession, dem Wiener Künstlerhauses oder dem Hagenbund an, was dem Verein ein hohes Ansehen verschaffte.
Nationalsozialistische Einflussnahme Die Gleichschaltung der Künstlervereinigungen in Österreich setzte bereits vor dem „Anschluss“ ein. Auch im Mödlinger Kunstverein waren einzelne Mitglieder früh in nationalsozialistische Strukturen eingebunden. Zu diesen gehörten Heinrich Revy, Rudolf Hermann Eisenmenger, Gustav Schütt und Oskar Thiede, der 1932 das Hoheitszeichen der NSDAP entworfen hatte. Nach 1933 zählten Mitglieder zu den sogenannten „Illegalen“, die trotz Parteiverbots weiterhin aktiv waren. Der Verein wird in dieser Zeit als „NS-Künstlerschaft“ beschrieben.
Der Fall Hirschenhauser Das Buch der Stadt Mödling von 1933, enthält einen Artikel von Max Dorrer zur Kunstgeschichte. Dieser Artikel listet alle Mitglieder des Mödlinger Kunstvereins auf, doch Rudolf Paul Hirschenhauser, Gründungsmitglied und erster Obmann, bleibt unerwähnt. Ein möglicher Grund dafür könnte seine jüdische Herkunft sein. Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde Hirschenhauser verfolgt, er emigrierte 1939 nach London. Nach Österreich kehrte er nicht mehr zurück.
NS-Karrieren und Vereinsauflösung Der Kunstverein wählte im Jahr 1935 Karl Julius Heinrich Revy zu seinem Obmann. 1936 wurde Revy aufgrund seiner illegalen Tätigkeit für die NSDAP verhaftet, jedoch aufgrund des zwischen dem Bundesstaat Österreich und dem Deutschen Reich geschlossenen Juliabkommens keine Anklage erhoben. Ab 1938 stieg Revy schnell in der NSDAP auf, er wurde Ortsgruppenleiter in Brunn am Gebirge und 1939 Präsident der Wiener Secession. Der Kunstverein blieb von den politischen Umbrüchen nicht unberührt; zwischen 1935 und 1937 wurde das Obmannamt viermal neu besetzt, ab 1938 kam das Vereinsleben zum Erliegen; 1941 wurde der Verein formal aufgelöst.
Für eine nicht unerhebliche Zahl von Künstlerinnen und Künstlern setzte sich die künstlerische Laufbahn fort. Mitglieder des Mödlinger Kunstvereins, die als „arisch“ galten und mit dem NS-System zumindest kooperierten, wurden nach Aufnahme in die Reichskammer der bildenden Künste zugelassen. Sie beteiligten sich anschließend an den Kreisausstellungen V, nachdem Mödling dem Kreis V der Stadt Wien zugeordnet worden war. Einige von ihnen, darunter Oskar Thiede, Rudolf H. Eisenmenger, Carlos Riefel, Robert Streit, Otto Straeche und der Bildhauer Rudolf Schmidt nahmen auch an den Großen Deutschen Kunstausstellungen in München teil, bei denen strenge politische und künstlerische Anforderungen galten, darunter die politische Zuverlässigkeit und das Verbot abstrakter Malerei.
Neugründung als Mödlinger Künstlerbund In der frühen Nachkriegszeit war in Mödling die Literarische Gesellschaft Mödling eine treibende Kraft des kulturellen Lebens, vor allem durch ihren Malerzyklus, der Literatur, Musik und bildende Kunst vereinte. Die bildenden Künstler waren bereits aus den Ausstellungen des Mödlinger Kunstvereins vor 1938 und aus den Kreisausstellungen V bekannt, wie Carlos Riefel, Karl Matzner, Hans Kracher, Fritz Jakob und Gustav Schütt, der als ‚Malerfürst‘ von Laxenburg galt. Diese Impulse trugen zum Wiederaufleben des Kunstvereins bei.
1953 wird der Kunstverein als Mödlinger Künstlerbund neu gegründet, mit Bürgermeister Carl Zwilling als Präsident und Gustav Schütt als Obmann. Ein zentrales Motto prägte die Ansprache von Bürgermeister Zwilling bei der I. Kunstausstellung im Jahr 1954: „Wiedererstehen Mödlings im alten Glanze!“. Ein Ausstellungs-Höhepunkt in der Nachkriegszeit ist die Ausrichtung der Landesausstellung der Kunstvereine in Mödling im Jahr 1956.
Aufbruch und Expansion des Mödlinger Künstlerbundes in den 60er und 70er Jahren Ab 1966 wurde Karlheinz Pilcz zu einer Schlüsselfigur im Vereinsleben, er motivierte zahlreiche überregional bekannte Künstler, dem Verein beizutreten, darunter Oscar Asboth, Eduard Diem, Hans Fronius, Karl Grabner und Rudolf Hausner. Mit den neuen Mitgliedern vollzieht sich ein Wandel im künstlerischen Stil, vor allem durch Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. In dieser Zeit setzte sich die Aufbruchsstimmung der späten 60er Jahre zunehmend durch: Die Zahl jüngerer Kunstschaffender stieg, die Mitgliederzahl verdoppelte sich bis Ende der 70er Jahre, und die Zahl der Aktivitäten sowie Ausstellungen nahm deutlich zu.
Digitalisierung und Veränderungen im Kunstbetrieb Mit der Einrichtung einer ersten Website zu Beginn der 2000er Jahre trat der Mödlinger Künstlerbund in die digitale Ära ein. Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung erweiterten die Mitglieder ihre künstlerischen Ausdrucksformen durch den Einsatz von Grafiksoftware und Videokunst. Gleichzeitig verlagerte sich die Rezeption von Ausstellungen und Werken zunehmend von lokalen Printmedien hin zu digitalen Kanälen wie sozialen Netzwerken.
2018 wurde mit Renate Laimgruber († 2021) erstmals eine Obfrau gewählt.
Gründungsmitglieder 1925/1926 Otto Elsner (1893–1956), Maler (Obmann 1954–1956) Rudolf Paul Hirschenhauser (1882–1951), akad. Maler (Obmann 1926)
Fritz Kreißler (1871–1969), Oberst, Bildhauer (Obmann 1936) Karl Lehrmann (1887–1957), Architekt, Professor (Obmann-Stv. 1926) Carl J. Peyfuß (1865–1932), Maler (Obmann 1928–1929) Walter Pfitzner Anton Reckziegel (1865–1936), Maler (Obmann-Stellvertreter 1927) Karl Julius Heinrich Revy (1883–1949), Maler, Bildhauer (Obmann 1935) Engelbert Rosenmayer, Bürgerschuldirektor Albert Sallak (1883–1974), Professor Julius Schmid (1854–1935), Maler, Ehrenmitglied, Akademieprofessor Gustav Schütt (1890–1968), Maler (Obmann 1953) Otto Sträche (auch Straeche) (1889–1945), Architekt, Professor Hermann Tamussino (1898–1969), Architekt (Schriftführer 1926) Hans Thomas (1903–1980) Max Walter (1885–1964?), Graphiker Carl Zwilling (1878–1965), Kassier 1926, Präsident ab 1953
Mitglieder (Auswahl) Edmund Adler (1876–1965), österreichischer Maler Adrienne (Adri) Alindo (1905–2001), niederländische Malerin Oscar Asboth (1925–1991), ungarisch-österreichischer Maler Franz Bayer (1932–2023), österreichischer Maler Emil Beischläger (1897–1977), österreichischer Maler Carl Slavomir Benc (1896–1968), österreichischer Maler Franz Bilko (1894–1968), österreichischer Maler und Graphiker Theo Braun (1922–2006), österreichischer Maler und Graphiker Franz Brazda (1903–1981), österreichischer Maler und Graphiker Rudolf Buchner (1894–1962), Maler, 1955 Präsident des Landesverbandes der Niederösterreichischen Kunstvereine Eduard Diem, österreichischer Maler und Bildhauer Josef Dobrowsky (1889–1964), österreichischer Maler Alexander Donhofer, österreichischer Aktionskünstler und Maler Wilhelm Drach, österreichischer Maler Anton Eckel (1939–2023), österreichischer Kunstpädagoge und Maler Rudolf Hermann Eisenmenger (1902–1994), österreichischer Maler Lisl Engels (1916–2006), österreichische Malerin Franz Erntl (1902–1990), österreichischer Maler Hans Essinger (1900–1977), österreichischer Kunstpädagoge und Maler Leo Frank (1884–1959), österreichischer Maler Günther Frank, österreichischer Sänger, Schauspieler und Maler Hans Fronius (1903–1988), österreichischer Maler Maria Grengg (1888–1963), österreichische Erzählerin und Malerin Richard Harlfinger (1873–1948), österreichischer Maler Rudolf Hausner (1914–1995), österreichischer Maler Ileana von Rumänien (1909–1991), rumänische Philanthropin, Schriftstellerin und Kunsthandwerkerin Ludwig Heinrich Jungnickel (1881–1965), österreichischer Maler Rudolf Kargl (1878–1942), österreichischer Maler Franz Kaulfersch (1901–1995), österreichischer Maler und Graphiker Pauline von Kern (1878–1939), österreichische Jugendstilmalerin Hugo Franz Kirsch (1973–1961), österreichischer Bildhauer und Keramiker (Wiener Werkstätte) Beatrix Kutschera, österreichische Malerin Karl Matzner (1913–1984), österreichischer Maler und Lokalhistoriker Roland Möbius (1929–2020), österreichischer Architekt Brigitte Neumeister (1944–2013), österreichische Schauspielerin und Malerin Karl Novak (1942–2020), Bildhauer, 2006 Präsident der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs Karlheinz Pilcz (1940–-2019), österreichischer Maler und Graphiker