300px|mini|Lage des Kreises Melle in der Provinz Hannover mini|Gemeinden bis 1970 (Nummern, siehe umstehende Liste) mini|Gemeinden von 1970 bis 1972 (Nummern, siehe umstehende Liste) Der Landkreis Melle war von 1885 bis 1972 ein Landkreis im Regierungsbezirk Osnabrück. Sein Gebiet gehört heute zum Landkreis Osnabrück in Niedersachsen.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzte Anfang 1972, im Westen beginnend im Uhrzeigersinn, an die Landkreise Osnabrück und Wittlage (beide in Niedersachsen) sowie an die Kreise Lübbecke, Herford und Halle (Westf.) (alle in Nordrhein-Westfalen).
Geschichte Der Landkreis wurde 1885 in der preußischen Provinz Hannover aus dem alten Amt Grönenberg und der Stadt Melle gebildet. Nach 1946 wurde der Landkreis Teil Niedersachsens. Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen wurde er am 1. Juli 1972 in den Landkreis Osnabrück eingegliedert. Alle Gemeinden des Landkreises wurden in der Stadt Melle vereinigt.
Geschichte in der NS-Zeit In der Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1930er Jahre gewann der Nationalsozialismus im strukturschwachen, überwiegend protestantischen Landkreis Melle schnell an Boden. Der Anteil der NSDAP-Wähler bei den Reichstagswahlen stieg von 0,9 % im Jahr 1928 über 18,4 % im November 1930 bis auf 41,5 % im März 1933. Gemessen am Anteil der NSDAP-Stimmen bei der Reichstagswahl März 1933 insgesamt kann der Landkreis Melle jedoch kaum als Hort „brauner“ Gesinnung bezeichnet werden. Die 41,5 % lagen unter dem Reichsdurchschnitt von 43,9 % und deutlich unter dem Anteil von NSDAP-Wählern im benachbarten Landkreis Wittlage (56,9 %).Wolfgang Huge: Der Landkreis Wittlage 1933–1972. Nationalsozialismus, Nachkriegsjahre und Wirtschaftswunder. Books On Demand, 2012, ISBN 978-3-8482-1013-8, S. 27. Schon im April 1933 wurde der bisherige Bürgermeister Hans Gerhard aus dem Amt entfernt. Im November 1935 wurde Helmut Lindemann neuer Bürgermeister von Melle. Er war zwar kein NSDAP-Mitglied, galt aber der Partei als genehm. Bis zu seinem Amtsantritt in Melle war er Bürgermeister in der bergischen Gemeinde Marienheide. Während der NS-Zeit profitierten auch in Melle ansässige Unternehmen von Zwangsarbeitern. In Altenmelle, in der Grönenbergerstrasse 26, der Oldendorferstraße, im „Kruse-Lager“, dem „Starcke-Lager“ und „Potts-Lager“ sowie an weiteren Orten, wie der Meller Möbelfabrik, waren insgesamt 458 Zwangsarbeiter in Zivilarbeitslagern untergebracht.Liste der Unternehmen, die im Nationalsozialismus von der Zwangsarbeit profitiert haben (abgerufen am 1. November 2023); s. Martin Weidemann (Hrsg.): Das nationalsozialistische Lagersystem. Zweitausendeins, Frankfurt/M. 1999.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1885 24.667 1905 26.569 1925 27.396 1933 26.864 1939 27.424 1946 42.146 Jahr Einwohner 1950 43.847 1956 39.654 1961 39.218 1970 40.851 1971 41.200Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1973
Politik Landräte
1872–1889 Albert von Wehrs (1821–1896) 1889–1919 Otto von Pestel (1848–1919) 1919–1928 Ludwig von Bar (1886–1928) 1928–1934 Karl Gossel (1892–1966) 1934–1935 Karl Glehn (1895–1985) 1935–1943 Hermann von der Forst (1892–1968) 1943–1945 Gustav Lemke (1897–??)
Gemeinden Der Landkreis Melle hatte bis 1970 die folgende Gliederung (Einwohnerzahlen vom 6. Juni 1961):Regionales Gemeindeverzeichnis-Informationssystem GV-ISys (mit historischen Bevölkerungszahlen) Einheitsgemeinde Melle, Stadt (9283) Samtgemeinde Buer Barkhausen (346) Buer (1.724) Bulsten (120) Düingdorf (650) Holzhausen (164) Hustädte (152) Markendorf (585) Meesdorf (380) Sehlingdorf (197) Tittingdorf (264) Wehringdorf (240) Wetter (521)
Samtgemeinde Gesmold Dratum-Ausbergen (449) Gesmold (1193) Üdinghausen-Warringhof (314) Wennigsen (357)
Samtgemeinde Melle Altenmelle (1813) Bakum (1195) Dielingdorf (176) Drantum (491) Eicken-Bruche (1182)1 Eickholt (114) Gerden (735) Laer (461) Niederschlochtern (158)2 Sondermühlen (291)3Samtgemeinde Neuenkirchen Holterdorf (360) Insingdorf (227) Kerßenbrock (312) Neuenkirchen (1887) Ostenfelde (193) Redecke (164) Schiplage (769) Suttorf (428)
Samtgemeinde Oldendorf Föckinghausen (837) Niederholsten (111) Oberholsten (280) Oldendorf (819) Westerhausen (857)
Samtgemeinde Riemsloh-Hoyel Bennien (1364) Döhren (720) Groß Aschen (420) Hoyel (432) Krukum (1151) Westendorf (222) Westhoyel (281)
Samtgemeinde Wellingholzhausen Handarpe (282)4 Himmern (217) Küingdorf (425) Nüven (215) Peingdorf (373) Oberschlochtern (184)5 Uhlenberg (113) Vessendorf (167) Wellingholzhausen (1857) 1 Die Gemeinde Eicken-Bruche entstand 1929 durch den Zusammenschluss der beiden Gemeinden Eicken, Kirchspiel Buer und Eicken, Kirchspiel Melle sowie des Gutsbezirks Bruche.Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen: Provinz Hannover Verlag des Preußischen Statistischen Landesamts, 1930 2 Niederschlochtern hieß bis zum 6. März 1963 Schlochtern (Kirchspiel Sondermühlen) 3 Sondermühlen hieß bis zum 13. September 1962 Handarpe (Kirchspiel Sondermühlen) 4 Handarpe hieß bis zum 13. September 1962 Handarpe (Kirchspiel Wellingholzhausen) 5 Oberschlochtern hieß bis zum 6. März 1963 Schlochtern (Kirchspiel Wellingholzhausen) Obige Gliederung hatte bis 1970 Bestand. Die Gebietsreform in Niedersachsen wurde im Landkreis Melle in zwei Schritten durchgeführt. Zunächst fanden am 1. Januar 1970 eine Reihe von Eingemeindungen statt: Die Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Melle, d. h. Altenmelle, Bakum, Dielingdorf, Drantum, Eicken-Bruche, Eickholt, Gerden, Laer, Niederschlochtern und Sondermühlen wurden in die Stadt Melle eingegliedert.Gesetz über die Gebietserweiterung der Stadt Melle vom 25. November 1969 Die Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Wellingholzhausen, d. h. Handarpe, Himmern, Kerßenbrock, Nüven, Peingdorf, Oberschlochtern, Uhlenberg, Vessendorf und Wellingholzhausen wurden zur neuen Gemeinde Wellingholzhausen zusammengeschlossen.Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Wellingholzhausen vom 25. November 1969 Die Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Riemsloh-Hoyel, d. h. Bennien, Döhren, Groß Aschen, Hoyel, Krukum, Westendorf und Westhoyel wurden zur neuen Gemeinde Riemsloh zusammengeschlossen.Gesetz über die Bildung der Gemeinde Riemsloh vom 8. Juli 1969 Die übrigen vier Samtgemeinden und deren 29 Mitgliedsgemeinden blieben zunächst bestehen. Von 1970 bis 1972 hatte der Landkreis die folgende Gliederung (Einwohnerzahlen vom 27. Mai 1970): Einheitsgemeinden Melle, Stadt (16.107) Riemsloh (4.708) Wellingholzhausen (3.935)
Samtgemeinde Buer (5.442) Barkhausen (357) Buer (1.820) Bulsten (129) Düingdorf (818) Holzhausen (118) Hustädte (146) Markendorf (548) Meesdorf (348) Sehlingdorf (193) Tittingdorf (265) Wehringdorf (235) Wetter (465)
Samtgemeinde Gesmold (2.655) Dratum-Ausbergen (421) Gesmold (1.546) Üdinghausen-Warringhof (321) Wennigsen (367)Samtgemeinde Neuenkirchen (4.648) Holterdorf (334) Insingdorf (217) Kerßenbrock (354) Neuenkirchen (2.234) Ostenfelde (181) Redecke (145) Schiplage (768) Suttorf (415)
Samtgemeinde Oldendorf (3.356) Föckinghausen (1.058) Niederholsten (117) Oberholsten (246) Oldendorf (948) Westerhausen (987) Im Jahre 1972 wurde der Landkreis aufgelöst, alle Gemeinden zur Stadt Melle zusammengefasst und diese dem Landkreis Osnabrück zugeordnet.Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Osnabrück vom 10. Mai 1972
Wappen
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen MEL zugewiesen. Es wurde bis zum 30. Juni 1972 ausgegeben. Durch die Kennzeichenliberalisierung ist es seit dem 11. Juni 2018 im Landkreis Osnabrück erhältlich.
Weblinks
Stadt Melle Stadt Melle: Flächennutzungsplan Neuaufstellung 2004. Erläuterungsbericht (Gemeindestruktur im LK Melle, siehe Kapitel 4) (PDF; 6,8 MB)
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte (Melle) Kategorie:Geschichte (Landkreis Osnabrück) Melle Melle Melle Kategorie:Aufgelöst 1972