Belowo () ist eine Kleinstadt in der Oblast Pasardschik in Bulgarien. Die Stadt ist wichtigster Standort für die Holzwirtschaft des Landes.
Geografie Die Stadt Belowo liegt rund 78 Kilometer Luftlinie südöstlich der Hauptstadt Sofia auf 320 Metern Höhe am westlichen Ende der Oberthrakischen Tiefebene zu Füßen der Gebirgszüge Rhodopen und Rila. Hier mündet der Fluss Jadeniza (), die beide Gebirge trennt, von rechts in die Mariza.
Geschichte Die ersten Spuren menschlichen Lebens in der Gegend um Belowo datieren aus der Jungsteinzeit. Mehrere Siedlungen aus dem 6. bis 3. Jahrtausend vor Christus wurden entdeckt, ebenso wie Festungen und Überreste weiterer Siedlungen aus verschiedenen Epochen. Die archäologischen Stätten belegen die reiche Geschichte der Region. Ein thrakisches Kuppelgrab aus behauenen Steinen wurde gefunden, die Kuppel hatte einen Durchmesser von 5,30 Metern. Die älteste bekannte Bevölkerungsgruppe der Region ist der thrakische Stamm der Besser. Im 6. Jahrhundert siedelte sich dann ein Teil des slawischen Stammes der Drugubiten in dieser Region an. Eine archäologische Stätte aus dieser Zeit sind die Überreste der Kirche, die etwa 1,5 Kilometer südöstlich des Stadtteiles Goljamo Belowo auf dem Berg Spasowiza liegen und als Basilika Belowo bekannt ist. Auf demselben Berg befand sich in der Spätantike und im Mittelalter die größte Siedlung der Region, die 80 Dekar große Stadt Levke. Die Überreste der dazugehörigen Burg befinden sich nur 300 Meter nordwestlich der Basilika.
Im Mittelalter war die Region eines der Zentren des Widerstands gegen die türkische Eroberung im Jahr 1378. Während der osmanischen Herrschaft entwickelte sie sich zu einem der Zentren der Heiducken-Bewegung. Die Tschetas von Sekul, Strachil woiwoda, Sirma Krastewa und andere kämpften hier. Während der bulgarischen Wiedergeburt brachte Goljamo Belowo als wirtschaftliches und spirituelles Zentrum prominente Teilnehmer der nationalen Befreiungskämpfe hervor, wie Jewstati Pelagonijski, Kusman Poptomow, Michail Radulow und andere.
Aus dieser Zeit stammt die dreischiffige Basilika, die zwischen 1806 und 1813 erbaut und 1844 von Petraki Kostowitsch ausgemalt wurde. Ein herausragendes Werk der Renaissance-Holzschnitzkunst ist die Ikonostase, gefertigt von Meistern der Holzschnitzschule Razlog aus Bansko. Ein Teil der Ikonen wurde von Christo Dimitrow gemalt.
1869 wurde im Zuge des Baues der Bahnstrecke Istanbul–Belowo als erster Bauabschnitt der Verbindung nach Wien durch die Orientbahn des deutschen Baron Hirsch im Tal der Mariza eine Arbeitersiedlung angelegt. In diesem Zusammenhang entstanden nicht nur Wohnhäuser, sondern auch Lagerhäuser und Gasthäuser, weil Siedler nicht nur aus den umliegenden Dörfern, sondern auch aus weiter entfernten Teilen Bulgariens kamen, um Holz für den Eisenbahnbau zu schlagen. Die Strecke wurde 1873 in Betrieb genommen und das Bergdorf Goljamo Belowo, die neue Siedlung am Bahnhof sowie die ganze Region Belowo entwickelten sich zum größten Zentrum der Holzwirtschaft und Holzverarbeitung auf dem Balkan. Das erste Steinhaus in der nunmehr Gara Belowo genannten neuen Ortschaft an der Bahn baute Kuso Chadschiangelow aus Goljamo Belowo, viele von dort folgten seinem Beispiel und das Bergdorf verlor nach und nach an Bedeutung.
Von 1873 bis 1875 war Todor Kableschkow, ein Vorkämpfer der bulgarischen Freiheit, Telegrafist und Leiter des Bahnhofes Belowo. 1874 gründete er in Goljamo Belowo das Gemeindezentrum „Iskra“ und bereitete die Einwohner Belowos auf die bevorstehende Revolution vor. Die Bevölkerung beteiligte sich aktiv am Aprilaufstand von 1876. Aus Belowo schlossen sich über 20 Personen Benkowskis Truppe an. Unter ihnen waren Martin Taschkow, genannt Matsko, der jüngste Rebell, und Marija Sutitsch, die einzige Frau in der Truppe. Während des Aufstands erlitt die Festung Below mehrere Dutzend Opfer. Am 13. und 14. Januar 1878 wurde Belowo befreit. 700 bewaffnete Freiwillige aus der Region um die Stadt unterstützten das Kiewer Husarenregiment bei der Befreiung der Siedlungen rund um Tschepino (, heute Stadtviertel von Welingrad).
1957 wurde Belowo von einem schweren Hochwasser der Mariza heimgesucht. Im Zuge des anschließenden Wiederaufbaues wurde das Roma-Dorf am Fluss in das heutige Stadtviertel Rassadnika verlegt.
1964 wurde Gara Belowo zur städtischen Siedlung und zwei Jahre später in Belowo umbenannt. Am 26. Dezember 1968 erhielt sie per Dekret des Staatsrats der Volksrepublik Bulgarien den Stadtstatus, als das Dorf Malko Belowo eingemeindet wurde und seither einen Stadtteil bildet, 1977 wurde Belowo zur Gemeinde erhoben und das Dorf Goljamo Belowo ebenfalls eingemeindet.
Wirtschaft Belowo beherbergt die große Papierfabrik Belana AD – Belowo, offiziell Zawod za hartija Belowo AD, die Toilettenpapier, Servietten, Papiertaschentücher und andere Leichtpapiere herstellt und nach ganz Europa exportiert. Die Fabrik wurde in der Privatisierungswelle der 1990er Jahre von einem griechischen Unternehmer aufgekauft. Die Entwicklung der Stadt in den vergangenen Jahrzehnten ist maßgeblich auf die Präsenz von „Belana“ zurückzuführen. Bis Anfang der 2010er Jahre verfügte diese Fabrik als einzige auf der gesamten Balkanhalbinsel über Anlagen zur Altpapierverarbeitung.
Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig Belowos sind die nahegelegenen Mineralquellen. Sie fördern das Wasser für die Produktion von Mineralwasser und Erfrischungsgetränken in Flaschen.
Auch die Holzindustrie ist weiterhin gut entwickelt. Zudem gibt es Sand- und Kiesgruben auf Stadt- und Gemeindegebiet.
Sehenswürdigkeiten Museum im Wohnhaus des Schriftstellers Krum Welkow Dreifaltigkeitskirche (Храм „Света Троица“), die Hauptkirche der Stadt Kapelle aller bulgarischen Heiligen Sie befindet sich im Klosterviertel, wo einst eine ältere, der Dreifaltigkeit geweihte Kirche stand, die 1795 bei der Zerstörung von Nowo Belowo durch die Kurden und Osmanen zerstört wurde. Kapelle der Heiligen Konstantin und Helena Sie befindet sich im Viertel Staro Selo und wurde 1937 an der Stelle der 1795 bei der Zerstörung von Nowo Belowo durch die Kurden und Osmanen zerstörten Georgskirche errichtet. Basilika Belowo Sie ist eine der am besten erhaltenen frühchristlichen Kirchen Bulgariens. Sie befindet sich 1,5 Kilometer südöstlich des Dorfes Goljamo Belowo. Neben der Basilika wurde bis 2023 eine neue Kirche errichtet, die der Himmelfahrt Christi geweiht ist. Burgruine Lewke Rund 300 Meter nordwestlich der Basilika finden sich die Überreste der frühmittelalterlichen Burganlage der Stadt Lewke.
In unmittelbarer Nähe der städtischen Bebauung, an den Hängen oberhalb der Papierfabrik, befindet sich der weltweit einzige bekannte Standort der Pflanze Marischko podrumitsche (Anthemis argyrophylla), einer Art der Hundskamillen. Die Pflanze, auch bekannt als Belowsko podrumitsche, steht unter dem Schutz des Biodiversitätsgesetzes und 2013 wurde das Schutzgebiet „Marischko podrumitsche“ zum Erhalt ihres Lebensraumes eingerichtet.
Regelmäßige Veranstaltungen Jedes Jahr am 14. Januar ist Feiertag der Stadt und Gedenktag der Befreiung Belowos vom türkischen Joch.
Städtepartnerschaften Skotoussa in Griechenland Newinnomyssk in Russland
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Ratscho Petrow (1861–1942), Politiker, General und Ministerpräsident (1901 und 1903–1906) Dimitar Metodiew (1922–1995), Politiker und Dichter Krum Welkow (1902–1960), Schriftsteller
Bildergalerie
Weblinks
Webpräsenz der Stadt Belowo (bulgarisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Bulgarien Kategorie:Ort in der Oblast Pasardschik