Der Hyänerich heiratet die Ziege (Bóóri̇̄ cíí wèègírì) ist ein Tiermärchen der Mubi aus dem Tschad.Herrmann Jungraithmayr (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Tschad. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1981, S. 241–243, 280.
Handlung Der Hyänerich hat eine Ziege geheiratet, die nach einer Weile ein Mädchen zur Welt bringt, das wunderschön ist. Es ist weder eine Ziege noch eine Hyäne, ist aber bei allen beliebt. Da kommt eine andere Hyäne zu dem Hyänerich und bittet ihn um die Hand seiner Tochter. Doch der meint, dass er diese keiner Hyäne und auch keinem Ziegenbock geben werde; nur Gott allein wüsste, wem sie versprochen werde.
Die andere Hyäne erkundigt sich daraufhin nach der Frau des Hyänerichs und, ob sie auch so schön wie ihre Tochter sei. Der Hyänerich meint, dass sie Hörner habe, also bietet die andere Hyäne ihm zehn Ziegen für die Hand seiner Tochter an, worauf der Hyänerich eingeht. Das Mädchen hat derweil alles vernommen und eilt davon, um ihrer Mutter, der Ziege, die vom Markt zurückkommt, davon zu berichten. Diese meint, dass die Männer nun mal so sind und ersinnt einen Plan, um ihren Mann zu überlisten.
Im Haus beginnt sie sodann, Honig mit Hirsespreu zu vermischen, um daraus Bällchen zu formen. Ihrem Mann erzählt sie dann, dass alle Leute den Markt aufgesucht hatten, um das Fleisch einer toten Hyäne zu erwerben und sie macht ihm Vorwürfe, da er dies nicht auch getan hatte. Daraufhin gibt sie ihm eins der Bällchen ins Maul, dass dem Hyänerich gut schmeckt und als sie ihm sagt, dass dies das Fleisch der Hyäne sei, läuft er zu der anderen Hyäne und bringt sie um.
Derweil nimmt sich die Ziege ihre Tochter und begibt sich auf die Flucht. Der Hyänerich aber frisst seinen toten Artgenossen, wobei er herausfindet, dass sein Fleisch fade schmeckt. Dann dämmert es ihm, dass seine Frau ihn hereingelegt hat und er nimmt ihre Verfolgung auf. Jedoch kann er sie nicht finden, sodass er in Zorn gerät und daran stirbt.
Hintergrund Das Märchen wurde 1976 in N’Djamena von Isa Ramadan erzählt und in Herrmann Jungraithmayrs Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Tschad (Düsseldorf / Köln 1981) unter dem Titel Der Hyänerich heiratet die Ziege veröffentlicht. Der Originaltext ist in einem Tonbandarchiv in Marburg registriert (Sammlung Jungraithmayr). Nach Stith Thompsons Motif-Index of Folk-Literature (6 Bände, Kopenhagen 1955–1958) wurde das Märchen dem Motiv B 280: Tierhochzeit zugeordnet.
Literatur Herrmann Jungraithmayr (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Tschad. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1981, S. 241–243, 280.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Afrikanische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Tiermärchen Kategorie:Hyäne als Thema Kategorie:Ziege in der Kultur Kategorie:Kultur (Tschad)