Der Vicus von Bad Krozingen war eine römische dorfähnliche Siedlung (Vicus) im heutigen Bad Krozingen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, Baden-Württemberg.

Name mini|Rekonstruierter Römerbrunnen in Bad Krozingen Es sind weder Funde noch schriftliche Überlieferungen bekannt, die den antiken Namen der römischen Siedlung belegen. Der die Siedlung durchfließende Neumagen geht vermutlich auf die galloromanische Ortsbezeichnung Noviomagus zurück, die „neue/s/r Feld/Ebene/Marktort“ bedeutet. Möglicherweise wurde der Name des Vicus nach dessen Aufgabe auf den Fluss übertragen.

Ebenso ist denkbar, dass sich der ursprüngliche Ortsname in den Namen der heutigen Bad Krozinger Ortsteile Tunsel oder Kems erhalten hat, deren Bezeichnungen vermutlich ebenfalls nicht germanischen Ursprungs sind.

Lokalisierung Der Vicus befand sich im heutigen Siedlungsgebiet von Bad Krozingen beiderseits der Bundesstraße 3. Er entstand vermutlich als Versorgungs- und Raststation an der rechtsrheinischen Fernstraße zwischen Mogontiacum (Mainz) und Basel. Wahrscheinlich kreuzte hier eine West-Ost-Verbindung entlang der Neumagen die Fernstraße; aufgrund der bislang nur unzureichend bekannten Siedlungsstruktur lässt sich dies jedoch nicht nachweisen. Die Siedlung lag südlich des historischen Ortskerns von Bad Krozingen im heute weitgehend überbauten Gewann „Großer Hofacker“.

Siedlungsaufbau Der Vicus von Bad Krozingen ist bislang nur unzureichend erforscht. Bekannt sind derzeit 21 Töpferöfen, ein Steinbrunnen sowie mehrere Gruben, Pfostengruben, Gräbchen und Pflasterungen. Die archäologischen Untersuchungen fanden zwischen 1971 und 1983 statt.

Das 1973 freigelegte Töpfereiareal befand sich vermutlich im rückwärtigen Bereich von Streifenhäusern, deren Überreste unter der heutigen Basler Straße und den westlich angrenzenden Flächen zu erwarten sind. Nach aktuellem Forschungsstand befand sich in Bad Krozingen die bedeutendste Keramikproduktion des südlichen Oberrheingebiets. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf die Verarbeitung von Eisen und Bronze.

Der Dorfbrunnen wurde nach seiner Freilegung rekonstruiert und steht heute östlich der Bundesstraße am südlichen Ortsausgang von Bad Krozingen.

Auf Grundlage der bekannten Fundstellen wird für den Vicus eine Ausdehnung von mindestens 400 Metern in Nordost-Südwest-Richtung und etwa 200 Metern in Nordwest-Südost-Richtung angenommen. In dieser Schätzung sind zwei weiter entfernt gelegene Fundstellen nicht berücksichtigt. Die westlich des heutigen Ortskerns im Bereich der Kuranlagen gelegene Fundstelle erbrachte Baureste, Keramikfunde und eine Münze. Eine weitere Fundstelle nördlich des Neumagens umfasst einen Brennofen für Gefäßkeramik.

Der Friedhof der Siedlung konnte bisher nicht lokalisiert werden, lediglich im Areal des Töpferviertels kam ein einzelnes Urnengrab zum Vorschein.

Die Untersuchungen des Töpferareals lassen auf eine Gründung in spätflavischer Zeit und ein Siedlungsende um 200 n, Chr. schließen.

Umliegende Gutshöfe mini|Römerkeller im „Sinnighofer Buck“ mini|Andeutung des römischen Steingebäudes im „Kurgarten“ Die umliegenden villae rusticae standen vermutlich in enger wirtschaftlicher Beziehung zum Vicus. Hierzu zählt eine villa rustica im Gewann „Glöcklehof“, etwa 400 Meter südwestlich der Siedlung. Die dortigen Funde deuten auf eine Gründung bereits um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. hin.

Eine weitere Hofstelle im Bereich „Sinnighofer Buck“ wurde 1981 ausgegraben; der zugehörige Keller ist heute öffentlich zugänglich. Weitere römische Siedlungsstellen wurden in den Gewannen „Kurgarten“, „Äußere Fuchsäcker“ (nördlich des Vicus), „Äußeres Bergfeld“ (westlich), „Schmiedhofer Feld“ sowie „Obere Gottermatten“ (beide südlich des Vicus) nachgewiesen.Infoblatt des Stadtmuseums Bad Krozingen zum Römerkeller. Weblink

Literatur Philipp Filtzinger/Dieter Planck/Bernhard Cämmerer (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart und Aalen 1986, ISBN 3-8062-0287-7, S. 214f. Lars Blöck: Die römerzeitliche Besiedlung im rechten südlichen Oberrheingebiet. Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg Band 1, Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-95490-215-6, S. 151ff.

Einzelnachweise

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