Die Liste der Stolpersteine in Wetter (Hessen) enthält alle Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Projekts von Gunter Demnig in der Stadt Wetter in Hessen verlegt wurden. Damit soll soll an Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden, die in Wetter lebten und wirkten. Bei der ersten Verlegung am 12. Juli 2025 wurden an 3 Verlegeorten im Stadtgebiet Wetter bisher insgesamt 21 Stolpersteine verlegt. (Stand: Mai 2026)
Liste Die Tabelle ist teilweise sortierbar, die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach der Adresse. Adresse Person(en) Verlegedatum Inschrift Information Bild Fuhrstraße 38 16px|verweis=d:Q139713126 Hier wohnteMoritz BachenheimerJg. 1888deportiert 1942Sobiborermordet 3.6.1942Moritz Bachenheimer wurde am 22. August 1888 als Sohn von Susmann und Amalie Bachenheimer geboren. Er heiratete Rosa Lehrberger (* 1893), eine Tochter von Moses und Fanny Lehrberger. Das Ehepaar hatte vier Kinder, Johanna (* 1920), Hildegard (* 1921), Else († als Kleinkind) und Paul (* 1930).
Moritz war selbständiger Metzger, aber am 9. Juli 1936 wurde er vom „Reichsstand des Deutschen Handwerks“ aus der Handwerksrolle gestrichen und durfte deshalb seinen Metzgerbetrieb nicht mehr weiterführen. Er arbeitete dann bei der Straßenbaufirma Herzog in Marburg. Die älteste Tochter Johanna musste 1937 nach Frankfurt ziehen. Von dort gelang ihr die Auswanderung in die USA.
Die beiden jüngeren Kinder Hildegard und Paul mussten 1938 bzw. 1939 ebenfalls nach Frankfurt umziehen, kehrten jedoch wieder nach Wetter zurück. 1941 mussten sie mit ihren Eltern in das Ghettohaus in der Krämerstraße 7 in Wetter umziehen. Am 31. Mai 1942 wurden sie mit der 2. Deportation von Marburg über Kassel in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt, wo sie bereits am 3. Juni 1942 ermordet wurden.Stolpersteine in Wetter, Dokumentation der Verlegezeremonie am 12. Juli 2025150px 16px|verweis=d:Q139713157 Hier wohnteRosa Bachenheimergeb. LehrbergerJg. 1893deportiert 1942Sobiborermordet 3.6.1942 16px|verweis=d:Q139713163 Hier wohnte Johanna BachenheimerJg. 1920unfreiwillig verzogen1937 FrankfurtFlucht 1937USA 16px|verweis=d:Q139713169 Hier wohnte Hildegard BachenheimerJg. 1921unfreiwillig verzogen1938 Frankfurtzurückgekehrtdeportiert 1942Sobiborermordet 3.6.1942 16px|verweis=d:Q139713190 Hier wohnte Paul BachenheimerJg. 1930unfreiwillig verzogen1939 Frankfurtzurückgekehrtdeportiert 1942Sobiborermordet 3.6.1942 Krämergasse 7 16px|verweis=d:Q139713238 Hier wohnteHedwig Bachenheimergeb. IsenbergJg. 1852gedemütigt/entrechtettot 25. Februar 1936Leopold Bachenheimer wurde am 17. Juli 1895 als eines der elf Kinder der Eheleute Susmann Bachenheimer († 1917) und Hedwig geb. Isenberg in Wetter geboren. Im Ort wurde die Familie daher noch lange „Susmanns“ genannt. Leopold heiratete Sophie Spier (* 1897) und in den Jahren 1921 bis 1933 wurden ihre fünf Kinder geboren: Erich, Lotte, Kurt, Heinz und Werner. Den Lebensunterhalt für die Familie verdiente Leopold Bachenheimer durch den Handel mit Häuten und Fellen und später mit der Führung eines Schuhgeschäfts.
Unter dem Eindruck der zunehmenden Entrechtung und der Verbote zur wirtschaftlichen Betätigung von Juden im NS-Staat entschied sich die junge Familie für die Auswanderung nach Palästina. Diese gelang am 19. Februar 1936. Leopolds Mutter Hedwig starb wenige Tage später am 25. Februar.
Bei der Familie Bachenheimer im Haus wohnten auf Vermittlung des Jüdischen Wohlfahrtsamtes zwei weitere Personen: Der Rentner Abraham Sedeletzki (* 1865) aus Grodno in Polen. Er musste 1939 in ein jüdisches Altenheim nach Frankfurt umziehen. Sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Außerdem Auguste Gottschalk (* 1902) aus Niederzissen im Rheinland, die im Haushalt der Familie arbeitete. Sie musste 1937 nach Wehrda und 1938 nach Frankfurt umziehen. Von dort wurde sie 1942 in das Frauen-KZ Ravensbrück deportiert und am 7. Oktober 1942 im KZ Auschwitz ermordet.
Leopold Bachenheimer kehrte nach dem Tod seiner Frau Sophie 1956 nach Deutschland zurück und starb am 12. Juni 1970 in Lemgo.Stolpersteine in Wetter, Dokumentation der Verlegezeremonie am 12. Juli 2025150px 16px|verweis=d:Q139713251 Hier wohnteLeopold BachenheimerJg. 1895Flucht 1936Palästina 16px|verweis=d:Q139713259 Hier wohnte Sophie Bachenheimergeb. SpierJg. 1897Flucht 1936Palästina 16px|verweis=d:Q139713289 Hier wohnte Auguste GottschalkJg. 1902unfreiwillig verzogen1937 Wehrda1938 Frankfurt1942 KZ Ravensbrückdeportiert Auschwitzermordet 7.10.1942 16px|verweis=d:Q139713321 Hier wohnte Abraham SedeletzkiJg. 1865unfreiwillig verzogen1939 FrankfurtSchicksal unbekannt 16px|verweis=d:Q139713347 Hier wohnte Erich BachenheimerJg. 1921Flucht 1936Palästina 16px|verweis=d:Q139713355 Hier wohnte Lotte BachenheimerJg. 1924Flucht 1936Palästina 16px|verweis=d:Q139713364 Hier wohnte Kurt BachenheimerJg. 1927Flucht 1936Palästina 16px|verweis=d:Q139713367 Hier wohnte Heinz BachenheimerJg. 1929Flucht 1936Palästina 16px|verweis=d:Q139713376 Hier wohnte Werner BachenheimerJg. 1933Flucht 1936Palästina Obertor 3 16px|verweis=d:Q139713395 Hier wohnteLiebmann KatzJg. 1857gedemütigt/entrechtettot 27. April 1939Liebmann Katz wurde am 5. März 1852 in Hatzbach bei Stadtallendorf geboren und arbeitete später als Viehhändler. 1885 heiratete er in Rauischholzhausen Amalie Bachenheimer und beide zogen nach Wetter. Ab 1934 war er Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Wetter. 1935 starb Amalie in Wetter und er starb dort am 27. April 1939. Das Ehepaar hatte 5 Kinder, eine Tochter starb im Kindesalter und zwei Söhne fielen als Soldaten im 1. Weltkrieg. Die beiden verbliebenen Töchter lebten in Wetter.
Hilde Katz (* 2. Juni 1887) heiratete den Pferdehändler Albert Stern und beide wanderten mit ihren 7 Kindern zwischen 1937 und 1938 in die USA bzw. Palästina aus.
Ella Katz (* 30. Juni 1897) heiratete den Viehhändler Joseph Buchheim (* 17. Januar 1890) und beide lebten in ihrem Elternhaus in Wetter, Obertor 3. Am 22. Oktober 1922 wurde ihr Sohn Fred (Alfred) und am 4. Mai 1929 ihre Tochter Inge geboren. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde Joseph mit seinem Sohn Fred bis 1939 im Landjahrlager Kirchhain gefangen gehalten. Im September 1939 mussten Joseph und Ella mit ihrer Tochter Inge nach Marburg umziehen und alle wurden von dort am 8. Dezember 1941 mit der 1. Deportation nach Kassel und am nächsten Tag weiter ins Ghetto Riga verschleppt. Von dort brachte man Joseph ins KZ Dachau, wo er am 6. Dezember 1944 ums Leben kam. Inge und ihre Mutter verschleppte man ins KZ Stutthof, wo beide getrennt wurden. Ella starb dort am 9. Januar 1945. Im Lager lernte Inge ihre Leidensgenossin Lore Kahn aus Stuttgart kennen, sie freundeten sich an. Lore überlebte den Holocaust. Ihrem Bericht zu Folge begannen Mitte Januar 1945 die Todesmärsche nach Westen und die 15-jährige Inge wurde von einem SS-Soldaten mit dem Gewehrkolben erschlagen als sie in der Frauenkolonne zurückfiel.
Fred Buchheim konnte 1939 über die Niederlande nach England fliehen, wo er britischer Soldat wurde. Im Mai 1947 kehrte er wieder nach Wetter zurück und führte den Viehhandel seines Vaters weiter. 1948 heiratete er die aus Hamburg stammende Anneliese Schlatow. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, Inge und Holger. Fred war in dieser Zeit über mehrere Jahre stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Marburg. Er starb am 29. Juni 1968 in Wetter und wurde auf dem jüdischen Friedhof im Wollenberg bei Wetter bestattet.Stolpersteine in Wetter, Dokumentation der Verlegezeremonie am 12. Juli 2025
Zur Erinnerung an Inges Schicksal wurde in Wetter 2013 der Inge-Buchheim-Weg nach ihr benannt.150px 16px|verweis=d:Q139713408 Hier wohnteAmalie Katzgeb. BachenheimerJg. 1869gedemütigt/entrechtettot 12. Februar 1935 16px|verweis=d:Q139713420 Hier wohnte Ella Buchheimgeb. KatzJg. 1897unfreiwillig verzogen1939 Marburgdeportiert 1941Ghetto RigaKZ Stutthofermordet 9.1.1945 16px|verweis=d:Q139713429 Hier wohnte Alfred 'Fred' BuchheimJg. 1922 Flucht 1939EnglandBritish Armyzurückgekehrt 1947 16px|verweis=d:Q139713439 Hier wohnte Inge BuchheimJg. 1929unfreiwillig verzogen1939 Marburgdeportiert 1941Ghetto RigaTodesmarsch1945 KZ Stutthofermordet 16px|verweis=d:Q139713444 Hier wohnte Joseph BuchheimJg. 1890unfreiwillig verzogen1939 Marburg deportiert 1941Ghetto Riga1944 KZ Dachauermordet 6.12.1944
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Wetter (Hessen) Kategorie:Wetter (Hessen)