Kurt Mayer (* 10. September 1894 in Geislingen an der Steige; † 20. April 1981 ebenda) war ein deutscher Produktdesigner und Ingenieur, langjähriger Leiter des Entwicklungsateliers der Württembergischen Metallwarenfabrik WMF. Neben Wilhelm Wagenfeld war Mayer einer der Industriedesigner in Deutschland, die das Alltagsleben bis heute prägten, insbesondere im Bereich der Haushaltswaren.
Leben und Werk Mayer wuchs in Geislingen an der Steige auf, wo sein Vater in der Neuheitenabteilung der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) arbeitete. 1912 legte er sein Abitur in Ulm ab und begann 1912 bis 1914 an der TH Dresden Architektur zu studieren. Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er als Kriegsfreiwilliger teilnahm, setzte er 1919–1920 sein Studium an der TH Stuttgart fort. Im Jahr 1920 trat auch er in die WMF ein und übernahm von seinem Vater ab 1930 die Leitung des WMF-Entwurfsbüros. Nach Kriegsgefangenschaft und einem einjährigen Berufsverbot war Mayer 1948 wieder als Atelierleiter bei WMF tätig. Mit Mayer änderte und öffnete sich der Stil der WMF Produktion sehr deutlich hin zur Moderne. WMF gilt unter anderem deshalb als Hersteller hochwertiger und sogenannter zeitlos moderner Produkte. Bei seinen Entwürfen, vor allem nach 1948, überwiegen die glatten Formen und klaren Linien sowie die hohe Funktionalität wie es im Bauhaus erwünscht war und gelehrt wurde. So wird das Besteck Wien 4000, ein Entwurf von 1954, in den WMF-Nachrichten 1959 beschrieben: „Das weiche Oval der Laffe des Löffels, die verkürzten Formen von Messerklinge und Gabelzinken sind der Tribut an die Forderung nach Zweckmäßigkeit von Gebrauchsgegenständen, die Bestecke in erster Linie sein und bleiben sollen.“ Diese und andere Bestecke wurden in preiswerter Edelstahlauflage und auch in Silber, bzw. versilbert, angeboten.
Mayer gestaltete sowohl vor als auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur die Messestände von WMF, sondern auch deutschlandweit die Fassaden und Ladeneinrichtungen sowie das gesamte Erscheinungsbild der Filialen, auch zusammen mit den engagierten Architekten. Nach 1960 war Mayer auch noch im Ruhestand bis 1967 weiter als künstlerischer Berater für das Unternehmen tätig.
Im Katalog von Dagmar Altgeld-Peters werden neben den 40 Besteckmodellen auch 226 von Mayer entworfene Objekte der Kategorie Hohlwaren aufgezählt und aus alten Katalogen meist bebildert. Darunter sind Haushaltsgegenstände wie z. B. Ascher, Butterteller, Bowlenlöffel, zahlreiche Schalen, Teegläser, Tabletts, Vasen, Wandleuchten, Warmhaltekannen, Weinkühler, ein Zigarettenkasten, Zuckerdosen und eine Zwiebelglocke.
Entwürfe (Auswahl) mini|Kurt Mayer, WMF-Besteck Modell 2500, Entwurf von 1930/1931 mini|305x305px|Kurt Mayer, 1953, WMF-Besteck Stockholm 4100, Entwurf zusammen mit Gordon Fraser und Heinz Pfeiffer.
WMF-Besteck Modell 2500, 1930/31. WMF-Besteck Modell Stockholm, 1953, Entwurf mit Heinz Pfeiffer und Gordon Fraser (es gibt eine Variante mit Pistolengriff für den amerikanischen Markt). WMF-Besteck Modell Berlin 3800, 1953. Der Modellname des Bestecks bei der Einführung sowie für den Export lautete zunächst „Futura“. Seit 1956 führte es den Namen „Berlin“ und in den USA „Line“.https://katalog.landesmuseum.de/object/206EA94EBCEA4C2D8929428EB259F120-messer-aus-dem-besteck-modell-3800-futura-bzw-berlin WMF-Besteck Modell Wien, 1954 WMF Versilberter Champagnerkühler, 1953 WMF Milchdosenbehälter 3238103, Entwurf 1950/51 Zuckerdosierer (Altgeld-Peters Katalognr. 133) Aschenbecher (Altgeld-Peters Katalognr. 143)
Literatur Altgeld-Peters, Dagmar: Die Württembergische Metallwarenfabrik (WMF). Bestecke und Hohlwaren aus Metall zwischen 1945 und 1975. Vom Historismus zur guten Form. Münster. 2000.
Weblinks https://katalog.landesmuseum.de/object/206EA94EBCEA4C2D8929428EB259F120-messer-aus-dem-besteck-modell-3800-futura-bzw-berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Designer (Deutschland) Kategorie:Ingenieur Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1894 Kategorie:Gestorben 1981 Kategorie:Mann