mini|Wild wachsende Preiselbeere Ende August an der Nordküste von Åland Die Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Heidelbeeren (Vaccinium). Sie ist in Eurasien und Nordamerika (hier Lingonberry genannt) weit verbreitet.
Die sogenannte „Kulturpreiselbeere“ ist keine Preiselbeere, sondern die Großfrüchtige Moosbeere (Vaccinium macrocarpon), auch Cranberry genannt, mit anderer, am Boden kriechender Wuchsform und deutlich anderem Geschmack. Allerdings werden daneben auch echte Preiselbeeren kultiviert und gärtnerisch angebaut.
Namen Der Name Preiselbeere (als Variante auch: Preißelbeere, Preuselbeere, Prasselbeere) stammt aus dem Slawischen, er leitet sich ab von brusina, brusnice: braunrot, nach der Farbe der BeerenDeutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bände, in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. digitale Ausgabe Bd.13, sp2093: 1998–2018 Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier onlineΗ. Η. Bielfeldt: Deutsch Preißelbeere „Vaccinium vitis-idaea“, seine Herkunft und Wortgeschichte. In: Zeitschrift für Slawistik. 16(1), 1971, 704–716. oder von alttschechisch bruslina aus kirchenslawisch (o)brusiti: (ab)streifen, weil die Beere sich leicht abstreifen lässt.
Der in Nordwest-Deutschland verbreitete Ausdruck „Kronsbeere“ wird gedeutet als Kranich-Beere,Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bände, in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. digitale Ausgabe Bd.11, sp2319: 1998–2018 Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier online andere leiten ihn von Krone, nach den kronenförmig auf der reifen Beere erhalten bleibenden Kelchzipfeln ab.Rudi Beiser: Unsere essbaren Wildpflanzen: Bestimmen, sammeln, zubereiten. Kosmos-Verlag Stuttgart 2018. ISBN 978-3-440-15963-7, Abschnitt Preiselbeere, Kronsbeere. Der Name Riffelbeere (auch schweizerisch Riffli, Rifeli; Bern) bezieht sich auf die früher übliche Ernte mittels grober Metall- oder Holzkämme, mit denen die Beeren vom Strauch abgestreift wurden,Gustav Hegi, Karl Suessenguth, Karl Heinz Rechinger, Friedrich Markgraf: Hegi Illustrierte Flora von Mittel-Europa. Band 5, Teil 3. Paul Parey Verlag, 1965, S. 1669. er wird aber ebenso für andere beerentragende Sträucher der Heidegewächse wie Heidelbeere oder MoosbeereLaut Elke Firth, Erich Lück: Großwörterbuch des Lebensmittelwesens, Behr’s Verlag, 1997, S. 279 ist „Riffelbeere“ eine Bezeichnung für die Gewöhnliche Moosbeere bzw. Großfrüchtige Moosbeere (engl. cranberry). verwendet. Griffelbeere, auch in Graubünden Griffle oder Gryfeln, im Wallis Grefle, besitzt vermutlich dieselbe Herleitung. Es gibt zahlreiche weitere regionale Namen, eine Auswahl:nach Franz Dornseiff: Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen. Walter de Gruyter Verlag, 2011, ISBN 978-3-11-171211-6, S. 65. Braunschnitzer (Thüringen), Graslitzbeer (Egerland und Erzgebirge), Granten (auch Grandlbeer, Granken, Kranklbeer) (Bayern und Österreich), Klusterbeere (Klosterbeere) und Krambeere (untere Weser), Fuchsbeeri (Schweiz), Kreuzbeer (Tirol), Dröppelkes (Westfalen), Schöckelbeere (Steiermark) und zahlreiche andere.
Das Ida-Gebirge ist Namensgeber für den lateinischen Namen Vaccinium vitis-idaea.
Beschreibung Erscheinungsbild und Laubblatt Die Preiselbeere wächst als immergrüner, kompakter, aufrechter bis kriechender Zwergstrauch und erreicht Wuchshöhen zwischen 10 und 40 Zentimeter. Die oberirdischen Pflanzenteile sind flaumig behaart. Sie wurzelt bis einen Meter tief.
Die wechselständig und zweizeilig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der flaumig behaarte Blattstiel ist etwa einen Millimeter lang. Die einfache, ledrige Blattspreite ist mit einer Länge von 0,7 bis 2 cm und einer Breite von vier bis acht Millimeter elliptisch oder verkehrt-eiförmig mit keilförmigen Spreitengrund. Die glänzend dunkelgrüne Blattoberseite ist kahl oder am Hauptnerv flaumig behaart. Die Blattunterseite ist angedrückt drüsig behaart. Die fünf oder sechs Paar Seitennerven sind fein und unauffällig auf beiden Blattseiten. Der ganze bis schwach buchtig-gekerbte Blattrand ist leicht umgebogen, die Spitze ist feinstachelspitzig und abgerundet bis stumpf oder eingebuchtet.
mini|Blütenstand mini|Knospenaustrieb mini|Wild wachsende Preiselbeeren mini|Reife Früchte an der Pflanze
Blütenstand und Blüte In endständigen, 1 bis 1,5 cm langen, flaumig behaarten und hängenden, traubigen Blütenständen stehen bis über acht Blüten zusammen. Die schnell vergänglichen, flaumig behaarten Tragblätter sind mit einer Länge von etwa einem Millimeter breit-eiförmig und es sind auch Deckblätter vorhanden.
Ab Ende Mai bis Anfang August öffnen sich die anfänglich dunkelroten Blütenknospen. Der Blütenbecher (Hypanthium) ist kahl. Die Blüten sind 4–5-zählig. Die zwittrigen, radiärsymmetrischen und gestielten Blüten besitzen eine doppelte Blütenhülle. Die vier bis fünf Kelchblätter sind mit einer Länge von etwa 1 Millimeter breit-dreieckig. Die vier bis fünf weißen bis rosafarbenen, etwa 5–6 Millimeter langen Kronblätter sind glockenförmig verwachsen. Die geraden Kronzipfel sind mit einer Länge bis 2,5 mm dreieckig-eiförmig. Es sind 8–10 kurze Staubblätter ausgebildet. Die flaumig behaarten Staubfäden sind etwa 0,5 mm lang und die gehörnten Staubbeutel sind etwa 1,5 mm lang. Der mehrkammerige Fruchtknoten mit etwas vorstehendem Griffel ist unterständig. Es ist ein Diskus vorhanden.
Frucht Fünf bis sechs Wochen nach der Befruchtung reifen ab Ende August bis Anfang September die zunächst weißen, später leuchtend roten Beeren. Kultursorten reifen unter guten Bedingungen auch noch ein zweites Mal im September und Oktober. Unter günstigen klimatischen Bedingungen (Niederlande) sind schon ab Ende Juni reife Preiselbeeren zu finden. Die rundlichen, vierkammerigen, vielsamigen Beeren besitzen einen Durchmesser von 5 bis 10 Millimeter und einen säuerlichen oder etwas bitteren Geschmack.
Chromosomenzahl Der Chromosomenzahl beträgt 2n = 24, seltener 36.
Systematik Die Erstveröffentlichung von Vaccinium vitis-idaea erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 351. Vaccinium vitis-idaea gehört zur Sektion Vitis-Idaea in der Gattung Vaccinium[ Eintrag bei GRIN – Germplasm Resources Information Network.] und bildet deren einzige Art.
Es werden häufig zwei Unterarten unterschieden: Vaccinium vitis-idaea subsp. vitis-idaea. Überall im Verbreitungsgebiet der Art, aber eher in den südlichen Teilen, mit Schwerpunkt in Eurasien. Vaccinium vitis-idaea subsp. minus vorwiegend arktisch verbreitet, in Nordamerika, auf Island, im Westen Grönlands, in Nord-Skandinavien. Unterscheidet sich durch kürzeren Trieb (nur bis 8 Zentimeter), kleinere Laubblätter mit undeutlichen Seitennerven, weniger Blüten, die aber intensiver rosa getönt sind. Der Griffel ragt nicht oder nur wenig aus der Blütenröhre hinaus. Wo beide Unterarten nebeneinander vorkommen, so in den Gebirgen Norwegens, bilden sie Hybride.T. N. Popova: Vaccinium. In T. G. Tutin, V. H. Heywood: Flora Europaea. Vol. 3: Diapensiaceae to Myoporaceae, Cambridge University Press, 1972, ISBN 0-521-08489-X.Inger Hjalmarsson, Rodomiro Ortiz: Lingonberry: Botany and Horticulture. Chapter 3 in Jules Janick (editor) Horticultural Reviews Vol. 29. John Wiley & Sons, 2002. ISBN 978-0-471-21700-8, S. 79–123.
Viel Verwirrung ist dadurch entstanden, dass die amerikanische Großfrüchtige Moosbeere (Vaccinium macrocarpon, engl. cranberry) unter der Bezeichnung „Kulturpreiselbeere“ in den Markt eingeführt worden ist. Diese Bezeichnung entstammt der Sprache des Marketings und hat mit botanischen Gegebenheiten nichts zu tun. Es handelt sich um zwei völlig verschiedene Arten.
Verbreitung Die Preiselbeere ist in Eurasien und Nordamerika weit verbreitet. Sie ist in Mitteleuropa eine Piceetalia-Ordnungscharakterart (wächst also in von Fichte dominierten Nadelwäldern auf bodensauren Standorten), kommt aber auch in Gesellschaften des Unterverbands Genisto-Quercenion roboris-petraeae (also in Eichenwäldern auf bodensauren Standorten), im Vaccinio-Callunetum des Verbands Genistion (also in Zwergstrauchheiden bodensaurer Standorte) oder in Gesellschaften des Erico-Pinion-Verbands (also in Kiefernwäldern bodentrockener Standorte auf Kalk) vor.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w (frisch aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 1 (stark sauer), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
In den Allgäuer Alpen steigt sie am Kreuzeckrücken in Bayern bis zu 2350 m Meereshöhe auf. In Graubünden erreicht sie sogar am Piz Forun bei Bergün 3040 Meter Meereshöhe.
Ökologie mini|Pflanze im Winter Die immergrüne Preiselbeere ist empfindlich gegen Frost. Ab winterlichen Tiefsttemperaturen von −22 °C treten Frostschäden auf. Trotzdem kommt sie weltweit nicht nur in der nördlich gemäßigten Zone vor, sondern ihr Areal reicht bis in den arktisch-zirkumpolaren Bereich bis 75° 59' nördlicher Breite, also Gebiete mit winterlichen Tiefsttemperaturen bis −50 °C. Dieses Vordringen in kontinentale, arktische und alpine Klimabereiche (Alpen bis 2310 m) ist ihr nur im Schutz einer isolierenden Schneedecke möglich. Die Höhe der Schneedecke begrenzt die mögliche Wuchshöhe. Diese Lebensform wird in der Botanik als Chamaephyt bezeichnet.
Sie hat die für (fast) alle Arten der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae) typischen, ökologischen Merkmale: die zwingende Symbiose mit Wurzelpilzen (Mykorrhiza) und die Kalkfeindlichkeit. Sie wächst bevorzugt auf sauren und basenarmen Böden (Sandböden, sandig-steinigen Lehmböden, saure Moorböden) mit einer sauren Rohhumusdecke, in der sie bis einen Meter Tiefe wurzeln und sich mit ihren Kriechtrieben ausbreiten kann. In Kalkgebieten ist sie auf kalkfreie Sonderstandorte beschränkt. In Mitteleuropa besiedelt sie bevorzugt sonnige Standorte in Mooren, Bergheiden und im alpinen Zwergstrauchgestrüpp, kann als Halbschattpflanze aber auch in sauren Fichten- und Kiefernwäldern gedeihen. Sie wächst auf Böden, deren Wasserhaushalt frisch bis mäßig trocken (wechselfrisch) ist.
Für die Bestäubung der Blüten ist sie auf Insekten (Hummeln, Bienen) angewiesen. Die Verbreitung der Samen erfolgt durch Vögel, die die roten Beeren fressen (Ornithochorie). Neben der weiträumigen Verbreitung und generativen Vermehrung durch Samen erfolgt eine vegetative Vermehrung durch Kriechtriebe im näheren Umkreis. Obwohl die Preiselbeere häufig in unmittelbarer Nachbarschaft zur Blaubeere wächst, kommt es nur selten zu Hybriden zwischen den beiden Arten, die man als Bastard-Heidelbeere (Vaccinium × intermedium) bezeichnet.
Krankheiten und Schädlinge mini|Exobasidium splendidum auf Preiselbeere am Präbichl Mehrere Arten von Nacktbasidien können die Preiselbeere befallen. In Mitteleuropa sind dies Exobasidium vaccinii, Exobasidium splendidum und Exobasidium juelianum. Erstgenannte Art führt zu Gallwucherungen mit roter Oberseite an den Blättern. Exobasidium splendidum befällt die Jahrestriebe und die befallenen Blätter sind leuchtend rot. Exobasidium juelianum befällt die gesamte Pflanze (systemisch). Die Blätter sind dünn, weich und ebenfalls leuchtend rot.Svengunnar Ryman, Ingmar Holmåsen: Pilze. Bernhard Thalacker Verlag, Braunschweig 1992, ISBN 3-87815-043-1, S. 72. Die Preiselbeere wird zudem von den Rostpilzen Naohidemyces vaccinii mit Uredien und Telien und von Thekopsora goeppertiana mit Telien befallen.Peter Zwetko: [ Die Rostpilze Österreichs] (PDF; 1,8 MB) Supplement und Wirt-Parasit-Verzeichnis zur 2. Auflage des Catalogus Florae Austriae, III. Teil, Heft 1, Uredinales.
mini|Preiselbeeren unterschiedlicher Reifegrade