mini|250px|Special Olympics Logo mini|hochkant|Das olympische Feuer der Special Olympics am Brandenburger Tor in Berlin|alternativtext=Hinter einer sandsteinfarbenen Säule ist der obere Bereich der krallenartige Gestaltung der säulenförmigen Feuerschale zu sehen. Diese ist grün und schwarz gestreift und in ihr lodert ein Feuer. Im Hintergrund ist ein weißer Fahnenmast mit weißer Flagge zu sehen.

Special Olympics ist die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung und Mehrfachbeeinträchtigung. Sie ist vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell anerkannt und darf als einzige Organisation den Ausdruck Olympics weltweit nutzen. Das Ziel von Special Olympics ist es, als Inklusionsbewegung Menschen mit geistiger Beeinträchtigung durch den Sport zu mehr Anerkennung, Selbstbewusstsein und letztlich zu mehr Teilhabe an der Gesellschaft zu verhelfen.

Die Special-Olympics-Bewegung wurde 1968 von Eunice Kennedy-Shriver, einer Schwester von US-Präsident John F. Kennedy, ins Leben gerufen. Hintergrund war die Beeinträchtigung von deren Schwester Rosemary Kennedy nach einer Lobotomie.

Special Olympics ist heute mit 5,2 Millionen Athleten in 174 Ländern vertreten. Der deutsche Bundesverband (Special Olympics Deutschland, SOD) wurde 1991 gegründet. Darüber hinaus gibt es auf Ebene der Bundesländer derzeit 14 Landesverbände. Als Zwischenebene fungiert für Deutschland der Kontinentalverband Special Olympics Europa-Eurasien (SOEE).

Vorsitzender des Dachverbands Special Olympics International (SOI) ist Timothy Shriver, der Sohn von Eunice Kennedy-Shriver. Geschäftsführerin ist seit 2016 Mary Davis.

Zielsetzung Special Olympics möchte erreichen, dass Menschen mit geistiger Beeinträchtigung respektiert und als gleichwertig anerkannt werden. Die weltweite Sportbewegung möchte es allen Menschen mit geistiger Beeinträchtigung ermöglichen zu trainieren, an sportlichen Wettkämpfen teilzunehmen und sich auf diese Weise zu entwickeln.

Geschichte mini|hochkant|Eunice Kennedy Shriver, 1980, Gründerin von Special Olympics|alternativtext=Eunice Kennedy Shriver hat blondes halblanges Haar und trägt ein rotes Oberteil.

Die Anfänge In den 1960er Jahren erfuhr Eunice Kennedy Shriver von betroffenen Eltern, dass das öffentliche Schulsystem für geistig beeinträchtigte Kinder keine Teilnahme an den in den USA üblichen Sommercamps ermöglichte. Sie eröffnete auf ihrer Farm Timberlawn in Maryland das Camp Shriver mit 34 geistig beeinträchtigten und nicht beeinträchtigten Kindern, darunter ihr Sohn Tim, und 26 Betreuern aus der Umgebung. Die Kinder trieben gemeinsam Sport, und das Camp wurde ein Erfolg. Auch in den folgenden drei Jahren fand das Sommercamp statt.

Die ersten Special Olympics-Spiele, finanziert von der Joseph P. Kennedy Jr. Foundation (JPKF), fanden am 20. Juli 1968 in Chicago statt. 1000 Athleten aus den USA und Kanada nahmen damals teil. Trotz Widerstands von potentiellen Geldgebern, die Kennedy Shriver sowie die Schöpferin der Spiele in Chicago, die Sportlehrerin Anne Marie McGlone Burke, seit 2006 Richterin am Supreme Court in Illinois, heftig dafür kritisierten, „diese Kinder zur Schau zu stellen“, erhielten die beiden genug Rückendeckung und konnten die Spiele austragen.

Währenddessen verdichteten sich die Hinweise aus der Wissenschaft, dass Bewegungsangebote förderlich für die Entwicklung von Menschen mit Beeinträchtigung sind. Wegweisend war etwa die Forschung von James N. Oliver oder die Arbeiten des kanadischen Sportwissenschaftlers Frank Hayden von der Universität Toronto. Bereits 1964 legte er beim Ersten Kongress für Sportpsychologie in Rom seine Ergebnisse vor und veröffentlichte ein Test- und Trainingshandbuch. 1965 wurde er Direktor der Joseph P. Kennedy Jr. Foundation in Washington. 1968 war er an der Organisation der ersten Special Olympics Weltspiele 1968 beteiligt.

Patricia Austin kam an der Universität Alberta ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Sportlehrer die Bedürfnisse der vergessenen Kinder ernst nehmen und auch auf die Interessen, Bedürfnisse und Fähigkeiten von Kindern mit Beeinträchtigung eingehen sollten.

Globales Wachstum Mit dem zunehmenden Wachstum und der Ausdehnung auf Nationen außerhalb der USA war auch verbunden, dass die Special Olympics Weltspiele von politischen Konflikten nicht verschont blieben. So nahm Taiwan an den Sommerspielen 1983 in Baton Rouge nicht teil, weil es Streit um den Namen des Landes gegeben hatte: Es hatte auf dem Namen Chinese Taipei bestanden, während die Kennedy Foundation es unter Taiwan, Republik China, an den Start gehen lassen wollte.

mini|hochkant|Sargent Shriver (1961), ab 1984 Präsident von Special Olympics|alternativtext=Die schwarz-weiß Fotografie zeigt Shriver in einem Anzug mit Krawatte. Er hat kurzes Haar und lächelt in die Kamera. 1984 wurde der Ehemann von Eunice Kennedy-Shriver, der Politiker Sargent Shriver, Präsident von Special Olympics. Von 1990 bis 2003 war er dort Vorstandsvorsitzender. Er war maßgeblich dafür verantwortlich, dass unter anderem die Staaten der ehemaligen Sowjetunion, China, Tunesien, Neuseeland sowie die osteuropäischen Staaten ihre Tore für Special Olympics öffneten und dieses so zu einer weltumspannenden Bewegung machten.

Das globale Wachstum der Special Olympics nahm in den kommenden Jahren immer mehr zu. Die Vereinten Nationen erklärten das Jahr 1986 zum Jahr der Special Olympics. Am 15. Februar 1988 wurde Special Olympics vom Internationalen Olympischen Komitees (IOC) offiziell anerkannt. In dem von beiden Partnern unterzeichneten Dokument, das eine 1971 getroffene Vereinbarung fortführt, wird Special Olympics als Bewegung gewürdigt, die für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung sportliche Aktivitäten organisiert. Für Special Olympics ist damit die Verantwortung verbunden, Special Olympics Trainings- und Wettbewerbsangebote in Übereinstimmung mit den höchsten Idealen der internationalen olympischen Bewegung durchzuführen. Damit ist die Erlaubnis verbunden, als einzige Sportbewegung den Titel Olympics verwenden zu dürfen. So soll die Verwendung der Begriffe Special Olympics und Olympische Spiele vor Missbrauch geschützt werden.

In der Bundesrepublik Deutschland gründete sich Special Olympics Deutschland (SOD) 1991 als eingetragener Verein.

Im Lauf der Jahre gelang es der Kennedy Foundation, Unterstützung von bekannten Sportlern und anderen Persönlichkeiten zu erhalten. So gaben etwa 1991 Stars wie Wayne Gretzky, Pelé, Dick Fosbury, Nadia Comăneci, Bart Conner, John Naber und Florence Griffith-Joyner Kurse im Rahmen der Sommerspiele in Minneapolis/St. Paul.

Ein besonderer Höhepunkt dieser Globalisierung der Bewegung waren die Internationalen Weltspiele 2003 in Dublin. Diese waren die ersten Sommerspiele von Special Olympics, die außerhalb der Vereinigten Staaten stattfanden. Während bei den vorausgehenden Weltspielen noch über ein Drittel der Athleten aus den USA gekommen waren, sank dieser Prozentsatz nun deutlich. Mit etwa 7000 Teilnehmern in 18 Disziplinen waren diese Spiele ein großer Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung von Menschen mit Beeinträchtigung. Die Öffentlichkeitswirksamkeit wurde neben dem internationalen Charakter der Spiele auch dadurch unterstützt, dass die Eröffnungs- und Abschlusszeremonie zum ersten Mal live im Fernsehen übertragen wurden. Nach diesem Großereignis mit über 400.000 Zuschauern förderte Special Olympics die Regionalisierung von Wettbewerben, um die Veranstaltungen überschaubarer gestalten zu können. So wurden nach den Weltspielen in Dublin etwa weitere europäische und asiatische Länder als Ausrichtungsorte für Special-Olympics-Sommerspiele ausgewählt.

Die Sommerspiele 2023 fanden in Berlin statt. Es handelte sich hierbei um das erste internationale Special-Olympics-Turnier auf deutschem Boden.

Einfluss politischer Konflikte Durch das globale Wachstum spielten auch weltpolitische Konflikte in die Spiele hinein. Das Team aus Taiwan nahm nach einem Streit über die Bezeichnung für seine Delegation nicht an den Special Olympics World Summer Games 1983 teil. Während das Team Chinese Taipei favorisierte, bestand die Kennedy Foundation auf Taiwan, Republik China (Taiwan, Republic of China). Hintergrund war der Taiwan-Konflikt.

Die Internationalen Winterspiele debütierten außerhalb der Vereinigten Staaten im Jahr 1993 mit den Ausrichtungsorten Salzburg und Schladming. Die für 2022 geplanten Winterspiele sollten ursprünglich in Schweden stattfinden. Das Land gab die Spiele jedoch ab, da die Finanzierung von der schwedischen Regierung nicht zugesichert wurde. Als neuer Austragungsort konnte die russische Stadt Kasan gewonnen werden. Der ursprüngliche Termin der Spiele im Januar 2022 wurde aufgrund der weltweiten COVID-19-Pandemie zunächst auf Januar 2023 verschoben. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine wurden die Spiele am 4. März 2022 schließlich abgesagt.Special Olympics 2023 in Kasan fallen aus. In: Sportschau. 4. März 2022, abgerufen am 4. März 2022.

Abgrenzung zu Virtus Sport Der Sport von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung wird weltweit von Special Olympics International (SOI) und Virtus Sport (ehemals INAS-FMH, später INAS-FID, dann INAS) bestimmt. Während INAS-FID Wettkämpfe wie im Nichtbehindertensport (open competition) ausrichtet, veranstaltet SOI Wettkämpfe in homogenen Startgruppen (banded competition) zwischen Athleten mit nahezu gleichen Fähigkeiten und ist breitensportlich ausgerichtet. SOI veranstaltet alle vier Jahre Weltspiele mit hohen Teilnehmerzahlen, die Eventcharakter haben, wogegen Virtus Sport leistungssportorientierte Weltmeisterschaften in den unterschiedlichen Sportdisziplinen ausrichtet und die bisher erzielten Bestleistungen auflistet. Virtus Sport betont zwar die Unterschiede zu SOI, doch begreifen die beiden sich als Ergänzungen, nicht als Konkurrenten.

Weltspiele Die Weltspiele (World Games) sind der sportliche Höhepunkt für Athleten. Sie finden alle zwei Jahre im Wechsel zwischen den Sommer- und Wintersportarten statt.

Im Jahr 1993 fanden die ersten Winterspiele außerhalb der Vereinigten Staaten statt, im Jahr 2003 gab es die ersten Sommerspiele außerhalb des amerikanischen Kontinents.

Seit den Sommerspielen 1991 werden die Spiele als Weltspiele bezeichnet und nicht mehr nummeriert, davor hießen sie International Special Olympics Games.

Die Special Olympics World Summer Games 2011 in Athen zählten fast doppelt so viele Athleten wie die Paralympics, die Zahl der beteiligten Länder war bei beiden etwa gleich.

Sommerspiele Spiele Jahr Ort ungefähreTeilnehmerzahl teilnehmende US-Bundesstaatenund Staaten Sportarten 1. 19.–20. Juli 1968 Chicago, IL 1000 26 US-Bundesstaaten, Kanada 3 2. 13.–15. August 1970 Chicago, IL 2000 alle 50 US-Bundesstaaten, Frankreich, Puerto Rico 3 3. 13.–18. August 1972 Los Angeles, CA 2500 3 4. 7.–11. August 1975 Mount Pleasant, MI 3200 10 Nationen 5. 8.–13. August 1979 Brockport, NY 3500 je nach Quelle 20 bzw. 50 Nationen 6. 12.–18. Juli 1983 Baton Rouge, LA 4000 50 13 7. 31. Juli – 8. August 1987 South Bend, IN 4700 70/72 Nationen 14 8. 19.–27. Juli 1991 Minneapolis-St. Paul, MN 6000 100 Nationen 16 9. 1.–9. Juli 1995 New Haven, CT 7000 140 Nationen 21 10. 26. Juni – 4. Juli 1999 Raleigh / Durham / Chapel Hill, NC 7000 147 Nationen 18 11. 21.–29. Juni 2003 Dublin 6500 160 /166 27 12. 2.–11. Oktober 2007 Shanghai 7450 je nach Quelle 165–169 24 13. 25. Juni – 4. Juli 2011 Athen 7500 172 Nationen 22 14. 25. Juli – 2. August 2015 Los Angeles, CA 6500 15. 14.–21. März 2019 > 7500 192 16. 16.–25. Juni 2023 Berlin bekommt Zuschlag für Weltspiele der Special Olympics 7000 26 17. 2027 Santiago, Chile Will Host the 2027 Special Olympics World Games 7000 26

Winterspiele Die Special Olympics World Winter Games sind nach den Olympischen Winterspielen die zweitgrößte Wintersportveranstaltung.