mini|Luftbild von Nordosten auf Pétra Félix, Haut du Mollendruz und Mont Tendre Pétra Félix – ursprünglicher frankoprovenzalischer Name Pierra fuliz – ist die Bezeichnung eines Waldgebiets, eines Bergsattels und eines Passübergangs im Juragebirge in der Westschweiz. Das bedeutende geographische Objekt mit dem mehrdeutigen Lokalnamen ist mit der nahen Anhöhe Haut du Mollendruz Teil einer Bergkette, die den Raum am Genfersee von den Juratälern trennt. Es ist seit dem Mittelalter als markanter Grenzpunkt am Rand der Grafschaft Waadt zum Tal Vallée de Joux bezeugt. Die Bergzone gehört zum Landschaftsschutzgebiet Vallée de Joux et Haut-Jura vaudois. Sie liegt an der kontinentalen Wasserscheide zwischen den Flussgebieten des Rheins und der Rhone. Der Pass ist ein Knotenpunkt hochrangiger Strassenverbindungen.
Geographie Der Sattel Pétra Félix ist mit der Höhe von die tiefste Stelle im Bergrücken zwischen der Dent de Vaulion () im Norden und dem Berg Haut du Mollendruz () im Süden. Der 2,5 Kilometer lange schmale, bewaldete Felsriegel liegt im nördlichen Teil der Mont-Tendre-Antiklinale. Er trennt heute im Kanton Waadt das Gebiet des Bezirks Morges im Osten mit der Gemeinde Mont-la-Ville vom Bezirk Jura-Nord vaudois mit der Gemeinde L’Abbaye im Westen. Die Anhöhe erhebt sich rund 50 Meter über der Hochebene von Grande Posogne und La Sagnette im Osten und 20 Meter über dem Gebiet von Mont du Lac im Westen. In diesen relativ flachen Zonen beidseits des Bergübergangs ist der Bergwald durch grosse Rodungsflächen unterbrochen, die als Alpweiden genutzt werden. Das Weidegebiet auf der Westseite wird Communal du Pont genannt, was auf Deutsch «Allmende von Le Pont» bedeutet. Im nördlichen Teil dieses offenen Landes liegt das Feuchtgebiet Sagnevagnard.
Gemäss dem Geographischen Lexikon der Schweiz (Band 3 von 1905) bezeichnet Pétra Félix das Waldgebiet «auf dem Kamm zwischen dem Mont Tendre und der Dent de Vaulion […]. [Es] Wird am N[ord]-Ende von der von Morges über L’Isle nach Le Pont de Joux führenden Strasse durchzogen, deren höchster Punkt ebenfalls den Namen Pétra Félix erhalten hat. Zwischen zwei von Montricher ausgehenden und auf diese Strasse ausmündenden Wegen gelegen und im S[üden] bis nahe zum Gipfel des Haut de Molendruz (1442 m) reichend.»Geographisches Lexikon der Schweiz, Band 3, Neuenburg 1905, S. 725. Während die älteren topographischen Karten nur den Wald «Bois de Pétra Félix» benennen, erscheint auf den neueren Landeskarten der Schweiz seit den 1950er Jahren auch die Bezeichnung «Pétra Félix» für den Strassenknoten auf dem Bergkamm. Die Kreuzung auf dem Berg ist ein Merkpunkt im Netz der Schweizer Hauptstrassen.
Über den Bergpass verbinden zwei Hauptstrassen das Westschweizer Mittelland und die Kantonshauptstadt Lausanne mit dem Hochtal Vallée de Joux: Die Hauptstrasse 129 beginnt in Lausanne und erreicht Pétra Félix über den Passfussort Mont-la-Ville und den vorgelagerten, aber höheren Pass Col du Mollendruz. Weil dessen Passhöhe mit jene von Pétra Félix übertrifft, wird der Col du Mollendruz in der Regel als eigentlicher Pass und der 2,3 Kilometer entfernte Übergang Pétra Félix als Nebenhöhe betrachtet. Dabei liegt dieser auf der Wasserscheide des Mont-Tendre-Massivs und der Mollendruzpass auf einem seitlichen Bergrücken.
Die zweite Strasse aus dem Mittelland auf Pétra Félix ist die im späten 19. Jahrhundert ausgebaute Hauptstrasse 130 (Kantonsstrasse 153) von Yverdon-les-Bains über Romainmôtier und durch das Tal von Vaulion. Von der Passhöhe an haben beide Routen für eine kurze Strecke einen gemeinsamen Verlauf auf der Kantonsstrasse bis zum Weiler Mont du Lac. Dort trennen sie sich, die Hauptstrasse 130 führt gegen Südwesten weiter nach L’Abbaye und den Lac de Joux entlang in das obere Tal der Orbe, während die Hauptstrasse 129 in nördlicher Richtung zur Ortschaft Le Pont am See führt; sie wird fortgesetzt durch die Kantonsstrasse 151, die am Seeschluss die Orbe überquert und über Les Charbonnières und durch das Risouxgebiet bis zur Landesgrenze mit Frankreich weitergeht. Auf der Passhöhe und bei Mont du Lac befinden sich grosse Parkplätze.
Vom Passübergang aus erschliessen mehrere Wirtschafts- und Wanderwege die Wälder und das Berggebiet der Umgebung.
Naturlandschaft Der Pass liegt im Bergwald mit dem Namen «Bois de Pétra Félix», der sich etwa drei Kilometer weit über die schroffen Abhänge des Bergkamms mit hohen Felsklippen ausdehnt. Der Höhenzug von der Dent de Vaulion zum Haut du Mollendruz besteht geologisch aus steil gestellten Kalkschichten des Oberjuras, die mehr als 150 Millionen Jahre alt sind.Willy Custer: Geologischer Atlas der Schweiz 1:25000. Atlas géologique de la Suisse 1:25000. Feuilles 300 Mont-la-Ville 301 La Sarraz 302 Montricher 303 Cossonay. Notice explicative. Bern 1935. Die Landschaftsform der langen, hoch emporragenden Krete entstand durch eine Verschiebung der Juraketten im Faltenjura vor rund zehn Millionen Jahren.Objektblatt «Vallée de Joux et Haut-Jura vaudois» im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung.
Der Berg mit dem Sattel «Pétra Félix» liegt im Parc Jura vaudois und im Landschaftsschutzgebiet Vallée de Joux et Haut-Jura vaudois, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung beschrieben ist.
Der Wald Bois de Pétra Félix verbindet die waldreichen Gebiete an der Dent de Vaulion mit dem Bois de Blanchard und auf der Risoux-Kette mit den ausgedehnten Bergwäldern am Mont Tendre. Zwischen offenen Felsrippen und auf dem Bergrücken liegen, oft auf kargen, trockenen Humusböden, Waldflächen, in denen die Rotbuche und die Tanne dominieren und auch der Bergahorn vorkommt. Vom verbreiteten Rotbuchenwald wurde im Mittelalter der Name des Gebiets abgeleitet. Im Seggen-Buchenwald des Mont-Tendre-Gebiets treten Orchideen und weitere seltene Pflanzenarten auf. Verschiedene Bereiche der Waldzonen von Pétra Félix und der Bergweiden sind durch alte Trockenmauern von einander getrennt, die mit ihren Strukturen besonderen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum bieten.
Auf mehreren Waldflächen von Pétra Félix richtete der schwere Orkan Lothar im Dezember 1999 erhebliche Schäden an. An einigen Stellen blieb das Totholz liegen, und die Waldreservate dienen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) als Studienobjekte für die natürliche Pflanzensukzession.
Name, Geschichte, Tourismus Die Stelle auf dem Bergzug ist in einem Dokument aus dem Jahr 1186 in der Schreibweise Pierra fuliz erstmals erwähnt. Der ursprüngliche romanische (frankoprovenzalische) Lokalname wird im Sinne von «Fels im Laubwald» erklärt; der Name erhielt im 17. Jahrhundert seine heutige Form, die manchmal fehletymologisch als lateinische Bezeichnung petra felix mit der Bedeutung «glücklicher Stein» interpretiert wurde.
Mit einer für die Landesgeschichte im Waadtländer Jura bedeutenden Urkunde von 1186 bestätigte der römisch-deutsche Kaiser Friedrich I. die Hoheit von Ebal IV., Herr von Grandson und La Sarraz in der Waadt, über das Gebiet um den Lac de Joux. Das Gebiet an der Ostgrenze dieses Hochtals wird im lateinischen Text der Urkunde mit der damals offenbar schon gut bekannten umgangssprachlichen Ortsbezeichung «Pierra fuliz» genannt.Frédéric de Gingins-La Sarraz: Annales de l’abbaye du Lac-de-Joux depuis sa fondation jusqu’à sa suppression en 1536. In: Mémoires et documents de la Société d’histoire de la Suisse romande, Band 1. 1838. Die Herren von Grandson hatten um 1126 im noch kaum besiedelten Hochtal am Lac de Joux ein Prämonstratenserkloster gegründet und waren beim Ausgreifen über Pétra Félix hinaus mit der bedeutenden burgundischen Abtei von Saint-Claude im westlichen Nachbartal (heute im französischen Departement Jura) in einen Konflikt geraten. Die kaiserliche Urkunde von 1186 beendete den Grenzstreit und legte den Einflussbereich der Grandson fest.
Der Flurname Pierra fuliz kommt danach noch in mehreren mittelalterlichen Urkunden vor, zum Beispiel in einer Bestätigung der Rechte des Klosters Lac de Joux durch die Familie von La Sarraz im Jahr 1307. 1331 gewährte der Abt des Klosters dem Freiherrn Aimo von Montferrand-La Sarraz das Recht, auf der Anhöhe Pierra-Fuli (sic!) und in der Nähe des Klosters eine Burg oder andere Befestigungen zu bauen. Und auch beim Verkauf des Joux-Tals durch Franz von La Sarraz an Ludwig von Savoyen, den Herrn der Waadt, im Jahr 1344 dienten wieder die gleichen topographischen Namen zur Umschreibung des Herrschaftsgebiets im Jura: «A loco dicto Pierra-Fuliz, usque ad unam leucam vulgarem prope lacum dictum Quinzonnet, secundum Vuaudi patriam limitandam, et, a monte nuncupato Riso, qui est deversus Mothioz, usque ad montem dictum Montendroz, qui pendet a partibus de Vaud.» Diese lateinische Grenzbeschreibung lautet auf deutsch übersetzt: «[…] von der Stelle, die Pierra-Fuliz genannt wird, bis eine Meile vor dem See Quinzonnet [= Lac des Rousses], wie die Grenze der Waadt, und vom Berg Riso [= Risoux] in Richtung Mothioz [= Mouthe] bis zum Berg Montendroz [= Mont Tendre] gegen die Waadt hin.»
mini|Bergpreis «Pétra Félix» der Tour de France 2022 Der leicht zu überquerende Passübergang lag im Mittelalter zwischen den Gebieten des Klosters Romainmôtier und der Abtei Lac de Joux, die bis zur Eroberung der Waadt durch Bern bestanden. Der Weg über den Mollendruz und Pétra Félix war in der regionalen Verkehrsgeschichte als Route de Morges à La Vallée bekannt. Die Felspassage von Pétra Félix wurde 1768 und im 19. Jahrhundert ausgebaut. Die Route zählte zu den Kantonsstrassen der zweithöchsten Klasse. Um 1870 wurde die ältere Strasse, die von der Kreuzung im Gebiet Posogne östlich von Pétra Félix recht steil durch den Berghang im Wald zur Passhöhe anstieg, durch eine neue Strasse mit einer geringen Steigung abgelöst. Bei Posogne zeugt eine alte Wegsäule von der ehemaligen wichtigen Strassenkreuzung.
Die Schweizer Armee sicherte den Übergang im Zweiten Weltkrieg mit der «Sperrstelle Pétra Félix», die als militärgeschichtliches Bauwerk von nationaler Bedeutung gilt.Festung Oberland: Sperrstelle Pétra Félix.
Der Parkplatz auf Pétra Félix ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen auf dem Höhenzug, vor allem auf den bekannten Aussichtsberg Dent de Vaulion, von wo aus bei guter Fernsicht das Alpenmassiv zu sehen ist. Der Pass und der dominierende Berg liegen auf der Fernwanderroute des Jura-Höhenwegs und zudem auf der Mountainbikeroute Dent de Vaulion Bike, welche die Täler von Vallorbe und Romainmötier verbindet.
Auf Pétra Félix und bei Mont du Lac gibt es Haltestellen des öffentlichen Busverkehrs.
Die Tour de France 1952 passierte den Bergübergang. Die Bergwertung Pétra Félix im Programm der Tour de France 2022 gewann der Italiener Mattia Cattaneo.
Weblinks
Chemin de la Dent de Vaulion auf myswitzerland.com Pétra Félix auf hikr.org
Einzelnachweise
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