Die Schildkröte und der Elefant ist ein Märchen der Konde (AaTh 1074: Wettlauf der Tiere) aus dem Gebiet des Malawisees in Tansania und Malawi.Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 63–66, 348.

Handlung Die Schildkröte begegnet dem Elefanten auf einem Weg und behauptet, dass sie über ihn hinweg springen könne. Das will der Elefant bewiesen haben, also verabreden sie sich für den nächsten Tag, an dem die Schildkröte am Treffpunkt seine Frau in einem Gebüsch nahe des Weges versteckt. Sie tut dort so, als ob sie losspringen würde und versteckt sich in einem anderen Gebüsch, während seine Frau aus ihrem Gebüsch hervortritt und so tut, als ob sie gelandet wäre. Der Elefant, der es nicht gut sehen kann, verlangt eine Wiederholung des Meisterstücks und als es auch andersherum gelingt, schlägt er ein Wettrennen vor.

Die Schildkröte, die um eine Pause, ob des anstrengenden Springens, bittet, versteckt daraufhin ihre gesamte Verwandtschaft am Rand des Weges. Als das Rennen dann startet, beginnt der Elefant seinen Dauerlauf und nach einer Weile ruft er der zurückgelassen geglaubten Schildkröte zu, deren Stimme zu seinem Schrecken von weit vor ihm zu ihm dringt. Da läuft er immer weiter, doch stets ist die Schildkröte vor ihm, sodass er das Rennen verliert.

Hintergrund Das Märchen stammt aus C. Schumanns Grundriß einer Grammatik der Kondesprache (MSOS II, 3, Berlin 1899, 82–85). In Carl Meinhofs Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen (München 1991) trägt es den Titel Die Schildkröte und der Elefant. Das Märchen ist in Afrika weit verbreitet und hat viele Parallelen. Eine davon findet sich in Meinhofs Duala-Märchen Die Landschildkröte und das Flußpferd (Nr. 41), in dem die Schildkröte ein Flusspferd und einen Elefanten dazu bringt mit ihr an einem Seil um die Wette zu ziehen. Jedoch lässt sie die beiden, ohne dass sie es wissen, den Wettstreit unter sich austragen und bekommt als Belohnung für ihre Stärke je eine Frau von den Ermatteten. Ähnliches findet sich in Emil Meinhofs Märchen aus Kamerun (Straßburg 1889, 47 ff.), C. Schulers Die Sprache der Bakwiri (MSOS XI, 3, Berlin 1908, 201 ff.) und Carl Hoffmanns Was der afrikanische Großvater seinen Enkeln erzählt (Berlin 1906, 27 ff.) Verglichen werden kann auch das grimmsche Märchen Der Hase und der Igel.

Die Konde (Ngonde) sind wie die benachbarten Nyiha eine südliche Untergruppe der Nyakyusa in Tansania und Malawi.

Literatur Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 63–66, 348. Almut Seiler-Dietrich (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Bantu. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 245–247, 282.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Afrikanische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Tiermärchen Kategorie:Schildkröte in der Kultur Kategorie:Elefant in der Kunst