Erwin Schulz (* 13. Oktober 1912 in Berlin; † 12. September 2012 ebenda) war ein deutscher Arbeitersportler und Widerstandskämpfer. Leben alternativtext=Stolperstein für Erwin Schulz in der Burgemeisterstraße 73, Berlin-Tempelhof|mini|Stolperstein für Erwin Schulz in der Burgemeisterstraße 73, Berlin-Tempelhof Schulz war der Sohn eines Schlossers und einer Blumenbinderin und hatte eine Schwester. 1922 wurde er Mitglied im Arbeitersportverein Fichte Berlin. Da er keine Lehrstelle fand, arbeitete er als Laufbursche im Kaufhaus Jonas, wurde 1927 Gewerkschaftsmitglied und nahm an verschiedenen Demonstrationen gegen den aufkommenden Faschismus teil.

Nach dem Verbot des ASV Fichte Berlin im März 1933 trat er mit vielen anderen zum MTV Tempelhof über, wo weiterhin legale Treffen möglich waren. Zu Beginn seines illegalen Widerstandes verbrannte er aus Vorsicht alle Fotos, die ihn mit seinen alten Sportkameraden zeigten. Mit einigen anderen ehemaligen Fichte-Sportlern traf er sich weiterhin, um den Widerstand zu organisieren. Als Tarnung dienten dabei auch Musikabende bei seiner Schwester. Die Gruppe entwarf Texte und verteilte Flugblätter, wofür seine Schwester die Matrizen anfertigte. An einem geheimen Treffpunkt in Kreuzberg nahm er auch von Erich Rochler illegales Material zur Verteilung entgegen. Nachdem ein KPD-Funktionär unter Folter seinen Namen verraten hatte, wurde Schulz am 18. Januar 1935 verhaftet und im September 1935 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Luckau verbringen musste. 1937 kam er ins KZ Börgermoor, später in das KZ Esterwegen und das Emslandlager Aschendorfermoor. Nachdem sich seine Schwester für ihn eingesetzt hatte, wurde er 1940 entlassen. 1942 wurde Schulz zur Strafdivision 999 zwangsrekrutiert, wo ihm bei seinem Einsatz in Afrika 1943 die Desertation gelang. 1947 kehrte er aus britischer und US-amerikanischer Gefangenschaft nach Berlin zurück.

Anfang der sechziger Jahre bis zu seiner Rente arbeitete Schulz beim Reisebüro der DDR in Schweden. Er wurde Mitglied in der Berliner Abteilung der VVN-BdA, arbeitete nach deren Auflösung im Kreiskomitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer Köpenick mit und setzte sich für die Entstehung der Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche und weiterer Erinnerungsobjekte an den antifaschistischen Widerstand ein. Vor vielen Schulklassen und Jugendgruppen berichtete er von seinen Erfahrungen während des NS-Regimes.

2005 erhielt Schulz die Bürgermedaille des Stadtbezirks Treptow-Köpenick und nahm im April 2011 als ältester Kongressteilnehmer am Bundeskongress der VVN-BdA teil.Am 27. November 2021 wurde ein Stolperstein vor seinem Wohnhaus in der Burgemeisterstraße 73 in Berlin-Tempelhof verlegt.

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Einzelnachweise

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