Kannendorf ist eine Wüstung bei Bad Belzig im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 186)
Geografische Lage Die Wüstung Kannendorf lag nördlich von Bad Belzig, westnordwestlich von Lütte. Die Dorfstelle wurde durch den Flurnamen alte Kirchenmauer zu Kannendorf bezeichnet, die in Urkunden des späten 16. Jahrhunderts verzeichnet waren. Bodenfunde wie ein Wasserloch und Steinreste zwischen den Jagen 76/77–88/101–87/89 bestätigten die Lage, ebenso der westlich gelegene Flurname Kannendorf.
Geschichte und Etymologie Im Jahr 1375 wurde der Ort als Kannendorp und Kannendorff im Landbuch Karls IV. genannt. 1477 erschien die Form czu Kannendorph, 1426/1427 wurde Kannendorf bereits als verlassen bezeichnet und 1591 als Eine wüste Mark geführt. Der Name ist eine metaphorische Bezeichnung, die an die Geländeform erinnert. Er leitet sich aus dem mittelniederdeutschen Wort kanne ab, was so viel wie „hölzerne Wasserrinne, Laufrinne der Wasserleitung“ bedeutet. Denkbar ist aber auch die Namensgebung nach dem deutschen Familiennamen Kanne.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 86, ISBN 3-937233-17-2.
Vor 1426 bis um 1550/1552 gehörte Kannendorf zur Vogtei beziehungsweise Pflege beziehungsweise zum Amt Belzig, danach bis 1872 zum Amt Belzig Rabenstein. Im Jahr 1375 war der Ort nach Görzke abgabenpflichtig und brandenburgisch. 1388 zahlte der Richter ein halbes Schock und der Ort war wahrscheinlich schon wüst. 1419/1420 war die Wüstung ausdrücklich bezeugt. 1426 hatte das Gericht Kannendorf einen Einwohner in Lütte. 1452 wurde entschieden, dass Kannendorf bei Kursachsen verbleiben solle. 1506 bestand das Gericht mit fünf Hufen, genutzt von einem Einwohner in Lütte. Bereits 1530 erhielt der Pfarrer von Ragösen aus drei Hufen in Kannendorf 36 Scheffel Roggen, 16 Scheffel Gerste und 17 Scheffel Hafer zur Hälfte erwachsen.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 187) 1550 gebrauchten die Einwohner von Lütte 17 Hufen; Birkholz in Lütte besaß das wüste Gericht mit vier Lehnshufen, die eigentlich fünf hätten sein sollen. 1565 nutzten drei Einwohner von Dippmannsdorf vier, zwei und zwei wüste Hufen in Kannendorf; einer hatte zusätzlich einen Garten, einer noch einen Hof, ein weiterer einen Garten. Der Schulze von Lütte besaß zwei wüste Hufen, und fünf Einwohner von Lütte nutzten drei und viermal zwei wüste Hufen. 1575 wurde Kannendorf erneut der Pfarrei Ragösen zugerechnet; der Pfarrer hatte zwei Hufen an einen Einwohner in Dippmannsdorf ausgetan. 1591 wiederholten sich diese Verhältnisse: drei Einwohner von Dippmannsdorf nutzten vier, zwei und zwei wüste Hufen, fünf Einwohner von Lütte nutzten vier – darunter das wüste Gericht – dreimal zwei und einmal eine wüste Hufe.
1682 nutzten erneut drei Einwohner von Dippmannsdorf vier, zwei und zwei wüste Hufen, während zehn Einwohner von Lütte vier, drei, dreimal zwei und fünfmal eine wüste Hufe nutzten, insgesamt 26 Hufen. 1718 waren die wüsten Hufen Kannendorfs vollständig in den wüsten Hufen von Dippmannsdorf und Lütte enthalten, ebenso 1806. 1822 wurden sieben Hufen von Dippmannsdorf, siebzehn von Lütte und zwei vom Pfarrer zu Ragösen genutzt. Danach ging die Feldmark vollständig in den Feldmarken von Dippmannsdorf, Lütte und Ragösen auf und wurde nicht wieder besiedelt. 1822 bezog der Pfarrer weiterhin den Zehnten von der wüsten Feldmark Kannendorf und besaß zwei Hufen darauf.
Literatur Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 186 und 187)
Einzelnachweise
Kategorie:Wüstung im Landkreis Potsdam-Mittelmark Kategorie:Ersterwähnung 1375 Kategorie:Geographie (Bad Belzig)