mini|Giacomo Guardi: Vedute der Insel mit dem Klosterkomplex, links der 46 m hohe Glockenturm,Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 106, S. 75. Öl auf Leinwand, 16,5 × 22,5 cm, Musée Cognacq-Jay, Paris mini|Teil der Kernstadt Venedigs und der Inseln südlich davon, darunter Santa Maria della Grazia Santa Maria delle Grazie war eine bis ins 13. Jahrhundert zurückreichende Kirche nebst späterem Kloster auf der gleichnamigen Insel, die zum venezianischen Sestiere Dorsoduro gehört. Die Kirche wurde nach der Schließung unter den Franzosen Napoleons abgerissen.
Geschichte Bis ins Hochmittelalter war die Insel, auf der die Kirche errichtet wurde, ein sumpfartiges Gelände, das formal dem Abt von San Giorgio Maggiore unterstand. Mit Genehmigung vom 12. Oktober 1264 wurde die Insel Santa Maria della Grazia Sitz eines Gasthauses für Pilger ins Heilige Land unter dem Namen La Cà di Dio. Marco Bollani, Abt von San Giorgio Maggiore, zu dessen Jurisdiktionsbezirk die Insel gehörte, beauftragte einen Lorenzo, dort ein entsprechendes Kloster zu errichten.Francesco Zanotto: Il palazzo ducale di Venezia, Bd. 4, Venedig 1861, S. 133. Ob tatsächlich bereits 1264 die Bauarbeiten begannen, ist unklar, wie Flaminio Corner darlegt, denn noch 1289 habe dort ein Einsiedler namens Gerardo gelebt, dem allerdings die Gründung einer Kamaldulenser-Einsiedelei untersagt worden sei. Danach lebte dort ein Fra Benedetto mitsamt Frau und Kindern bis zu seinem Tod im Jahr 1327 ohne jegliche Erlaubnis. Als seine Witwe Margarita sich allerdings in den Besitz der Insel bringen wollte, verurteilte ein Gerichtshof, die Giudici del Proprio, sie dazu, die Insel zu verlassen.
Selbst noch 1439, so geht aus einem Brief Papst Eugens IV. an den Bischof von Castello Lorenzo Giustiniani hervor, bestand erst eine Kirche namens Santa Maria della Cavana, allgemein delle Grazie genannt, die von San Giorgio Maggiore abhing und bei der einige arme Eremiten lebten. Erst jetzt entstand eine Kirche unter dem späteren Namen durch Guglielmo († 1417), den letzten der Eremiten, der die verfallene Kirche wiederhergerichtet hatte.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 544 f.
Diese Kirche wurde durch die 1405 gegründete Kongregation der Eremiti di San Girolamo aus Fiesole unterhalten, die der besagte Guglielmo herbeigeholt hatte; er wurde in der Inselkirche 1417 beigesetzt. Die Gemeinschaft der Girolimìni di Fiesole bestand, bis sie am 6. Dezember 1668 durch Papst Clemens IX. aufgehoben wurde, um deren Mittel für die Verteidigung Kretas gegen die Osmanen einzusetzen. Guglielmo wurde bis dahin als Seliger verehrt, und sein Haupt und ein Arm waren nach seinem Ableben als Reliquien nach Fiesole gelangt. Am 15. Dezember 1440 wurde die Inselgemeinde von den Mönchen von San Giogio Maggiore anerkannt. Als Symbol dieser Anerkennung schuldete das Haus dem besagten Abt die jährliche Gabe von einer Libra Olivenöl.
Im März 1671 übernahmen zehn Kapuzinerinnen das Kloster, geführt von einer Maria Felice. Sie durfte den Titel der Äbtissin führen, eine befreundete Maria Orsola den der Vikarin. So entstand ein Kloster mit Klausur. Die Gründerin starb am 24. Januar 1682 (more veneto). Die Nonnen blieben bis zur Aufhebung des Ordens unter Napoleon im Jahr 1806.
Die Insel versandete danach, weil dort über lange Zeit Bauschutt versenkt wurde. 1849 explodierte ein dort angelegtes Pulvermagazin. Bis ins 20. Jahrhundert wurden auf der Insel Kranke mit hochansteckenden Krankheiten unter Quarantäne gestellt.
Literatur Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 106, S. 75. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 544–550. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil III,1, Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1791, S. 31–33. („Le Grazie“). (Digitalisat)
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Weltkulturerbe Venedig und seine Lagune Maria delle Grazie Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Kategorie:Zerstört in den 1810er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien Kategorie:Maria-Gnaden-Kirche