mini|200px|Stanisław Kociołek (1968) Stanisław Kociołek (* 3. Mai 1933 in Warschau; † 1. Oktober 2015 ebenda) war ein Diplomat und Politiker der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PZPR), der unter anderem 1970 Stellvertretender Ministerpräsident der Volksrepublik Polen, zwischen 1968 und 1971 Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees (ZK) sowie von 1970 bis 1971 Sekretär des ZK der PZPR war. Er fungierte zudem zwischen 1971 und 1978 als Botschafter in Belgien und Luxemburg, 1980 als Botschafter in Tunesien sowie von 1982 bis 1985 als Botschafter in der Sowjetunion.

Leben Stanisław Kociołek, Sohn von Jan und Marianna, war als Lehrer sowie zwischen 1951 und 1952 als Leiter der Grundschule in Piotrków im Powiat Nidzicki tätig und absolvierte ein Studium der Soziologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Warschau, das er 1957 beendete. Während des Studiums wurde er 1953 Mitglied der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei PZPR (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza) und fungierte zwischen 1956 und 1958 als Erster Sekretär des Akademischen Komitees an der Universität Warschau sowie im Anschluss von 1958 bis 1960 Erster Sekretär des Warschauer Komitees des Verbandes der Sozialistischen Jugend ZMS (Związek Młodzieży Socjalistycznej), der Jugendorganisation der PZPR. Danach war er zwischen 1960 und 1963 Sekretär des Zentralkomitees (ZK) des ZMS, dessen Vorsitzender vom 21. März 1957 bis zum 17. Dezember 1964 Marian Renke war.

Nachdem er von Februar 1963 und Juli 1964 Erster Sekretär des PZPR-Komitees des Warschauer Stadtbezirks Śródmieście fungierte, löste er am 24. Juli 1964 Walenty Titkow als Erster Sekretär des PZPR-Komitees der Woiwodschaft Warschau ab und verblieb in dieser Funktion bis zum 22. Dezember 1967, woraufhin Józef Kępa (8. Februar 1979 bis 31. Juli 1981). seine Nachfolge als „Parteichef“ von Warschau antrat.„Appell Warschaus: Verjährung muß verhindert werden. Eindrucksvolle Kundgebung zum 20. Jahrestag der Befreiung“, in: Neues Deutschland vom 17. Januar 1965„Warschau nennt die Feinde beim Namen“, in: Neues Deutschland vom 24. Januar 1965„Warschauer Abordnung der PVAP studiert neues ökonomisches System“, in: Neues Deutschland vom 15. Juni 1965„Zehntausende in Warschau klagen Bonns Politik an. Großkundgebung mit W. Gomulka und J. Cyranklewicz“, in: Neues Deutschland vom 1. September 1967„Arbeiter Polens: Volksmacht ist unsere Macht. Eindeutige Abfuhr für westdeutsche Revanchisten“, in: Neues Deutschland vom 18. März 1968 Auf dem IV. Parteitag (15. –20. Juni 1964) wurde er zudem zum Mitglied des ZK der PZPR gewählt und gehörte diesem Parteigremium bis zum VI. Parteitag (6. –11. Dezember 1971) an.„Großkundgebung in Warschau Volkspolen gedachte des 30. Jahrestages des faschistischen Überfalls / Eindrucksvolle Demonstrationen im ganzen Land“, in: Neues Deutschland vom 2. September 1969 Zugleich wurde er am 24. Juni 1965 für die PZPR zudem Mitglied des Parlaments Sejm und gehörte diesem bis zum 21. Dezember 1971 an, wobei er in der vierten Legislaturperiode (1965 bis 1969) den Wahlbezirk „Nr. 3 Warschau-Praga“ sowie in der fünften Legislaturperiode (1969 bis 1972) den Wahlbezirk „Nr. 17 Gdańsk“ vertrat. Während seiner Parlamentsmitgliedschaft war er zwischen 1965 und 1972 Mitglied des Ausschusses für Nationale Verteidigung und gehörte zudem von 1965 bis 1969 den Ausschüsses für Mandate und Geschäftsordnung sowie für Bildung und Wissenschaft an, ehe er zwischen 1969 und 1972 noch dem Ausschuss für Seewirtschaft und Schifffahrt als Mitglied angehörte.

Am 21. Dezember 1967 übernahm Stanisław Kociołek die Funktion als Erster Sekretär des Parteikomitees der Woiwodschaft Danzig und behielt dieses bis zum 2. Juli 1970. Kurz zuvor wurde er am 30. Juni 1970 als Nachfolger von Marian Olewiński in der sechsten Regierung von Ministerpräsident Józef Cyrankiewicz. dden Posten eines stellvertretenden Ministerpräsidenten der Volksrepublik Polen (Wiceprezes Rady Ministrów) und behielt diese Funktion vom 23. Dezember 1970.„Sejm beriet in Warschau“, in: Neues Deutschland vom 1. Juli 1970„Tagung des Sejm der VR Polen. Jozef Cyrankiewicz neuer Staatsratsvorsitzender. Piotr Jaroszewicz zum Ministerpräsidenten gewählt“, in: Neues Deutschland vom 24. Dezember 1970

Auf dem V. Parteitag (11. –16. November 1968) wurde Kociołek Mitglied des Politbüros des ZK der PZPR und gehörte diesem obersten Führungsgremium der Partei bis zum 7. Februar 1971 an.„Die Arbeiterklasse ergreift das Wort. Ökonomische Probleme und ideologische Arbeit im Mittelpunkt der Diskussion des V. Parteitages der PVAP“, in: Neues Deutschland vom 14. November 1968„Parteitagselan erfasst ganz Polen“, in: Neues Deutschland vom 24. November 1968 Gleichzeitig fungierte er zwischen dem 20. Dezember 1970 und dem 7. Februar 1971 als Sekretär des ZK.„7. Plenum des ZK der PVAP. Edward Gierek wurde zum Ersten Sekretär gewählt“, in: Neues Deutschland vom 21. Dezember 1970„Zusammensetzung der führenden Organe der PVAP“, in: Neues Deutschland vom 22. Dezember 1970 In diesen zentralen Führungsfunktionen der Partei war er mitverantwortlich für den Waffeneinsatz bei der Niederschlagung der Arbeiterproteste im Dezember 1970 an der polnischen Küste. Als Folge der plötzlichen drastischen Preiserhöhungen bei Lebensmitteln und Gegenständen des täglichen Bedarfs kam es in der Werft Stocznia Gdynia wie auch in anderen Schiffswerften in Polen zwischen 14. und 22. Dezember 1970 zu Arbeiteraufständen. Am 17. Dezember 1970 wurde die Schiffswerft von Polizisten und Panzern der Armee umstellt. Am Vorabend hatte Kociołek die Arbeiter zur Rückkehr zur Arbeit aufgerufen, den Soldaten und Polizisten jedoch den Befehl gegeben, keine Arbeiter in die Schiffswerft zu lassen. Jene Arbeiter, die dem Aufruf Kociołeks gefolgt waren, gerieten daraufhin in eine Konfrontation mit Armee und Polizei, in der elf Arbeiter durch Gewehrfeuer starben. Weitere Proteste im Stadtgebiet Gdynias forderten sieben weitere Todesopfer.„Polnische Werktätige bekunden Zustimmung zu ZK-Beschlüssen. Erster Sekretär des ZK der PVAP sprach mit Arbeitern aus Plock“, in: Neues Deutschland vom 22. Dezember 1970 Kurz darauf wurde er von seinen Führungspositionen als Sekretär des Zentralkomitees und Mitglied des Politbüros des ZK der PZPR abberufen und in den diplomatischen Dienst versetzt.

Zunächst übernahm Stanisław Kociołek als Nachfolger von Franciszek Modrzewski am 9. Juli 1971 den Posten als Botschafter im Königreich Belgien und war als solcher bis zu seiner Ablösung durch Jerzy Feliksiak am 3. Oktober 1978 auch im Großherzogtum Luxemburg akkreditiert. Nachdem er von 1978 bis 1980 Präsident des Zentralverbands der Arbeitergenossenschaften war, fungierte er zwischen Juni und November 1980 als Botschafter der Volksrepublik Polen in Tunesien. Im Anschluss kehrte er kurzzeitig in die politische Führung der Partei zurück und war als Nachfolger von Alojzy Karkoszka vom 17. November 1980 bis zu seiner Ablösung durch Marian Woźniak am 5. Juni 1982 noch einmal Erster Sekretär des PZPR-Komitees der Woiwodschaft Warschau.„Plenum des Warschauer PVAP-Wojewodschaftskomitees gegen Tätigkeit von KOR“, in: Neues Deutschland vom 21. Februar 1981„Polen in diesen Tagen vor dem IX. Parteitag“, in: Neues Deutschland vom 6. Juli 1981„Millionenfache Solidarität der deutsch-polnischen Freundschaft“, in: Neues Deutschland vom 21. Dezember 1981„SED und PVAP vertiefen ihre Zusammenarbeit. Plan für die Jahre 1982/1983“, in: Neues Deutschland vom 3. April 1982

mini|200px|Grabstätte von Stanisław Kociołek auf dem Powązki-Militärfriedhof in Warschau. Im Anschluss löste Kociołek am 12. Mai 1982 Kazimierz Olszewski als Botschafter in der Sowjetunion ab und behielt diese Funktion bis 1985, woraufhin Włodzimierz Natorf neuer Botschafter in Moskau wurde.„Verhandlungen zwischen der UdSSR und VR Polen in Moskau. Gespräche Konstantin Tschernenkos mit Wojciech Jaruzelski in völliger Einmütigkeit“, in: Neues Deutschland vom 5. Mai 1984„Begegnung Erich Honeckers mit Wojciech Jaruzelski. Weiteres Voranschreiten auf bewährtem Weg der Zusammenarbeit“, in: Neues Deutschland vom 13. März 1985 Zugleich wurde er 1983 in den Nationalrat der Polnisch-Sowjetischen Freundschaftsgesellschaft TPPR (Towarzystwo Przyjaźni Polsko-Radzieckiej) gewählt. 1985 schied er aus dem diplomatischen Dienst aus und zog sich zudem aus der Politik zurück, woraufhin er von 1985 bis 1989 Chefredakteur der Monatszeitschrift „Polish Perspectives“ war.

Für seine Verdienste in der Volksrepublik Polen wurde Stanisław Kociołek mehrfach ausgezeichnet und erhielt unter anderem den Orden des Banners der Arbeit Zweiter Klasse, das Offizierskreuz des Ordens Polonia Restituta sowie das Verdienstkreuz in Gold. Nach seinem Tode wurde er auf dem Powązki-Militärfriedhof in Warschau beigesetzt.

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Einzelnachweise

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