Pfalzgraf Wolfgang (1526 – 1569), welcher der Reformation im Fürstentum Pfalz-Zweibrücken zum endgültigen Durchbruch verhalf, vertrat einen religiös legitimierten Antisemitismus und untersagte testamentarisch seinen Nachfolgern ausdrücklich die Aufnahme von Juden.Dieter Blinn: Judenrecht im Fürstentum Pfalz-Zweibrücken. Quellen zum Recht für Juden eines Reichsterritoriums vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Eine Dokumentation. In: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 42 (1994), S. 31-114 In der Stadt und im Amt bzw. Oberamt Zweibrücken durften sich daher, anders als in den übrigen Stammterritorien des Fürstentums (Lichtenberg, Meisenheim und Bergzabern) tatsächlich keine Juden niederlassen. Eine Ausnahme stellte die Familie des Thoragelehrten und Alchemisten Herz Wahl dar, der 1761 von Pfalzgraf Christian IV. (1722 – 1775) zum Hof- und Kammeragenten ernannt wurde.Dieter Blinn: "Man will ja nichts als Ihnen zu dienen, und das bisgen Ehre" - Die Hofjuden Herz und Saul Wahl im Fürstentum Pfalz-Zweibrücken. In: Rotraud Ries, J. Friedrich Battenberg (Hg.), Hofjuden - Ökonomie und Interkulturalität. Die jüdische Wirtschaftelite im 18. Jahrundert. Hamburg 2002 (Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden 25), S. 307 - 331 Er stammte aus Dessau, mit großer Wahrscheinlichkeit war er ein Mutterbruder des jüdischen Aufklärungsphilosophen Moses Mendelssohn. Nach seinem Tod Ende 1764 folgte ihm sein Sohn Saul Wahl, der ebenfalls mit dem Titel eines Hof- und Kammeragenten zu einem wichtigen Wirtschafts- und Finanzratgeber des Pfalzgrafen aufstieg. Als Vertreter eines gemäßigten Merkantilismus setzte er sich für eine grundlegende Umgestaltung der noch überwiegend agrarisch geprägten Wirtschaft des Kleinstaats ein. Güterproduktion und Handel sollten gefördert, die Abhängigkeit vom Import teurer Roh- und Fertigprodukte verringert werden. Seit 1770 wohnte Saul Wahl in Zweibrücken, trotz seiner Nähe zu höfischem und bürgerlichem Leben blieb er ein gesetzestreuer Jude, der seine religiösen Pflichten gewissenhaft erfüllte. Nach dem Tod seines Dienstherrn 1775 wurde er entlassen, er starb verarmt in Pirmasens. Seine Nachkommen gelangten über Koblenz nach Wuppertal, wo sie erfolgreich im Textilhandel tätig waren.Peter Kleber, Ulrich Offerhaus: "Ich will als Jud Jud bleiben" - Die Vor- und Nachfahren des Hofjuden Herz Wahl (1699-1764). Aufstieg, Niedergang und Neuorientierung einer jüdischen Familie. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 43 (2017), S. 253-319

Eine jüdische Gemeinde konnte in Zweibrücken erst unter den Vorzeichen des revolutionären Frankreich entstehen, wo im September 1791 sämtliche diskriminierenden Sonderrechte für Juden abgeschafft worden waren und das seit 1795 das linke Rheinufer beherrschte. Die neu erworbene Freizügigkeit nutzend, lebten um die Wende zum 19. Jahrhundert bereits 24 Juden in der Stadt, im Oktober 1808 waren es 78.Dieter Blinn: "... die im hiesigen socialen Leben vorhandene gegenseitige Toleranz" - Zweibrücken als jüdische Lebenswelt im 19. Jahrhundert. In: Charlotte Glück-Christmann (Hg.), Zweibrücken 1793 bis 1918 - Ein langes Jahrhundert. 25 Autorinnen und Autoren zu 125 Jahren Stadtgeschichte. Blieskastel 2002, S. 378-413 Ihre Reaktion auf das napoleonische Gesetz wegen der Judennamen vom 20. Juli 1808 lässt darauf schließen, dass sie mehrheitlich eine liberal-aufgeklärte Richtung des Judentums vertraten, was ihnen die Integration in die sich formierende Bürgergesellschaft erleichterte. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts gelangten Juden zu führenden Positionen im sozialen und wirtschaftlichen Leben der Stadt. Ihre Zahl wuchs auf 170 in der Jahrhundertmitte, dann auf 287 im Jahr 1890 (jeweils etwa 2,5 % der Gesamtbevölkerung), ging danach aber zugunsten des aufstrebenden Pirmasens wieder zurück. Jüdische Einrichtungen Bereits einige Jahre vor der Herrichtung der ersten Synagoge hatte die Gemeinde eine Mikwe eingerichtet. Diese war allerdings nicht wie üblich ein Kellerquellenbad, sondern ein Badezimmer, und befand sich gemäß einem ärztlichen Gutachten von 1829 „in dem nach südwesten gelegenen Hintertheile eines Hauses am Wall“. Das Ritualbad mit etwa 17 Quadratmeter Grundfläche und einer Höhe von 2,20 m wurde durch eine hölzerne Wasserröhre aus dem hinter dem Haus verlaufenden Bach gespeist. Mit einem Kessel im Baderaum konnte das Wasser erwärmt und dann in ein sieben Stufen unter dem Fußbodenniveau gelegenes Bassin geleitet werden.

Eine erste 1833 eingeweihte Synagoge war in einem umgebauten Privathaus in der Verbindung von Karlsstraße und Alter Postgasse untergebracht, die umgangssprachlich auch Judengässchen genannt wurde. Das Gebäude wurde von der Gemeinde gekauft, der erste Stock wurde zu einem 60 Quadratmeter großen Betsaal umgebaut. Die Gesamtkosten in Höhe von 1000 Gulden wurden auf alle Gemeindemitglieder umgelegt.Zweibrücken (Rheinland-Pfalz). jüdische-gemeinden.de. Abgerufen am 2. Mai 2026. Von 1877 bis 1879 wurde auf einem Grundstück an der Ecke Wallstraße/Ritterstraße eine neue Synagoge erbaut und am 1. und 2. August 1879 eingeweiht.

Anders als die Gemeinde im benachbarten Homburg bestand in Zweibrücken keine eigene jüdische Volksschule. Stattdessen besuchten die jüdischen Schüler die allgemeinen Volks-, Gewerbe- und Lateinschulen. Allerdings beschäftigte die Gemeinde bereits ab 1808 einen jüdischen Lehrer. Dieser erteilte lediglich den Religionsunterricht. Mehrmals im 19. Jahrhundert beantragte der Synagogenvorstand beim Zweibrücker Stadtrat die Finanzierung eines eigenen Schulsaals, jedoch ohne Erfolg. Die Gemeinde erhielt lediglich einen Zuschuss zur Finanzierung des Religionslehrers.

mini|Jüdischer Friedhof Zweibrücken Begräbnisplatz für die Zweibrücker Juden war zunächst der jüdische Friedhof in Blieskastel, dort war schon Herz Wahl Dessauer im Dezember 1764 bestattet worden, sein imposantes Grabmal ist noch vorhanden. Zwischen 1825 und 1827 wurde der Gemeinde ein eigener Begräbnisplatz in der Gemarkung Bubenhausen-Ernstweiler (am Ölkorbberg) zur Verfügung gestellt. Auf dem heute denkmalgeschützten, verwilderten Areal wurde ein Gedenkstein angebracht, die Grabsteine sind nicht erhalten.Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreisfreie Stadt Zweibrücken (PDF; 4,3 MB). Mainz 2023. Seit 1870 ist der Jüdische Friedhof Zweibrücken ein Teilareal des städtischen Hauptfriedhofs.

Von 1879 bis 1911 war Zweibrücken Sitz des Bezirksrabbinats Pirmasens-Zweibrücken.

Zahl der jüdischen Bürger 1768 lebten 24 Juden in drei Familien in der Stadt, 1815 waren es 109, 1905 schließlich 282. Im Jahre 1933 gab es 155 jüdische Mitbürger, 1938 noch 86, 1940 waren es 16. Die letzten 16 jüdischen Einwohner wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert.Zweibrücken (Rheinland-Pfalz). Jüdische Geschichte / Synagoge / Synagogue. Alemannia Judaica. Abgerufen am 2. Mai 2026. Im darauf folgenden Jahre gab es folglich keinen einzigen jüdischen Zweibrücker mehr. Es sind 105 Zweibrücker Juden während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet worden bzw. gelten als verschollen. Nach Kriegsende kehrten nur zwei jüdische Familien in ihre Heimatstadt Zweibrücken zurück.

Quellen

Zweibrucken Kategorie:Geschichte (Zweibrücken)