mini|hochkant=1.15|Die Kapelle am Friedhof in Pfronten-Berg Die Kapelle am Friedhof ist ein Kirchengebäude im Ortsteil Berg der schwäbischen Gemeinde Pfronten. Sie wurde 1841 als römisch-katholische Friedhofskapelle erbaut und zwischenzeitlich als Hauptkirche der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Pfronten genutzt. Seit 2026 ist sie im Besitz eines konfessionsübergreifenden Vereins und beherbergt ein Kolumbarium.

Lage Die Kapelle liegt am Rand des Friedhofs Pfronten auf derselben Anhöhe wie die etwa 300 Meter nordöstlich gelegene katholische Pfarrkirche St. Nikolaus. Im Norden erhebt sich das Gelände weiter zum Hügel Hörnle, auf dem sich ein Aussichtspunkt befindet.

Geschichte Die Kapelle wurde 1840/1841 als Friedhofskapelle für den neuen Gemeindefriedhof errichtet, der 1805 an der Stelle eines ehemaligen Pestfriedhofs angelegt worden war. Initiatoren des Baus waren der katholische Pfarrer Magnus Jocham und der Gemeindepfleger. Die Pläne für den Bau lieferte der in Pfronten geborene Maler Franz Osterried.

mini|hochkant=0.87|alt=Zeitgenössische Zeichnung mit einem Porträt von Magnus Jocham|Magnus Jocham war von 1838 bis 1841 Pfarrer in Pfronten und kam wegen des Baus der Kapelle in Konflikt mit den Ordinariat in Augsburg Beim Bau waren finanzielle Mittel knapp und die freiwillige Arbeitsbereitschaft der Bevölkerung spielte eine große Rolle. Zur Gewinnung von Sandstein als Baumaterial wurde am nahegelegenen Hörnle ein Steinbruch angelegt. Kurz vor der Einweihung der Kapelle kam es zu bürokratischen Konflikten, da der Pfarrer es versäumt hatte, rechtzeitig die bischöfliche Genehmigung für den Bau einzuholen. Dies belastete ihn persönlich stark und führte schließlich zu seinem Fortzug aus der Gemeinde.

1949 erwarb die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Pfronten die Kapelle. Sie wurde in Auferstehungskirche umbenannt und diente der Kirchengemeinde als Hauptkirche, bis sie 1969 zu klein geworden war und die neue Auferstehungskirche im Ortsteil Heitlern gebaut wurde. Auch danach blieb die Kapelle im Besitz der evangelischen Kirche und wurde für Veranstaltungen, Osterfeiern, Konzerte und Trauerfeiern genutzt.

2023 wurde in Pfronten der konfessionell ungebundene Verein „Kapelle am Friedhof – Haus der Erinnerung“ gegründet, dessen Ziel der langfristige Erhalt der Kapelle ist. 2026 erwarb er die Kapelle für einen symbolischen Betrag und richtete in ihr ein Kolumbarium mit 42 Urnenplätzen ein.

Architektur mini|Südwestansicht Der Saalbau im Stil der Neugotik besitzt ein Satteldach, einen Dachreiter an der Westseite sowie spitzbogige Fenster und Tür.

Ausstattung mini|Innenansicht Der ursprüngliche von Franz Osterried nach Entwürfen von Konrad Eberhard gestaltete Altar wurde im späten 19. Jahrhundert durch einen neugotischen Altar ersetzt. Das Deckengemälde mit einer Darstellung des Jüngsten Gerichts wurde zunächst Alois Keller zugeschrieben, später jedoch Franz Osterried.

An den Wänden hängt ein Totentanzzyklus, der 1848/1849 vom Schweizer Maler und Illustrator Hans Bendel geschaffen wurde. Er umfasst 36 von ursprünglich 37 farbigen Lithografien und entstand in Zusammenarbeit mit dem aus Pfronten stammenden Drucker und Verleger Thomas Driendl.

Literatur

Weblinks

Kapelle am Friedhof – Haus der Erinnerung e. V.

Einzelnachweise

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