Das Le Pirate war eine Diskothek in der Düsseldorfer Altstadt, die von 1966 bis 1973 an der Berger Straße 28 nahe dem Carlsplatz betrieben wurde. Das Lokal gilt als erster Szene-Club der Stadt – mit strenger Türpolitik, Go-Go-Girls und prominenten Gästen wie The Kinks, Led Zeppelin, Florian Schneider (Kraftwerk), Udo Kier, The Jimi Hendrix Experience, Mick Taylor und Keith Moon (The Who). Die Fotokünstlerin Katharina Sieverding arbeitete während ihres Studiums im Service des Lokals.

Geschichte Betrieb und Atmosphäre Die Diskothek Le Pirate wurde 1966 an der Berger Straße 28 nahe dem Carlsplatz in der Düsseldorfer Altstadt eingerichtet. Betrieben wurde das Le Pirate von den Geschwistern Toni und Carola Gronen aus der Artistenfamilie Traber. Die Einrichtung war bewusst schlicht: Zwei ausrangierte Rettungsboote dienten als Tanzflächen, dazu Bullaugen, Schiffssteuerräder und Kompasse an den Wänden. Bemerkenswert war der frühe Einsatz elektronischer Videomonitore als Clubdekoration.

Das Le Pirate war einer der ersten Clubs in Europa, der Go-Go-Girls auf den Tanzflächen einsetzte – und gilt als erster Laden Düsseldorfs, der dieses Konzept etablierte.Taximann Jürgen: So müssen Kneipen heißen., Blogbeitrag, Juni 2011.

Kapazität: rund 300 Gäste. „Bei uns kamen nur witzige Leute rein – Modeszene, Werber, Künstler, viele Schwule und Lesben. Spießer blieben draußen“, beschreibt Toni Gronen, der auch die Musik auflegte, die Gästepolitik.Sebastian Brück: Vom Hochseilartisten zum Altstadt-Pionier: Das wilde Leben des Toni Gronen. In: VierNull, 24. April 2026 (Paywall, Interview) Gronen war, ohne sich dessen bewusst zu sein, ein Pionier des DJ-Mixings: Mangels Kopfhörer stöpselte er den Hörer eines abmontierten Festnetztelefons ins Mischpult und hörte so vorab in die nächste Platte. Ab 1968 legte neben Gronen auch Reiner von der Osten-Sacken (alias „der Baron“) als Resident-DJ auf und gestaltete zudem als Grafiker die handgezeichneten Eventplakate.Sebastian Brück: Mit Led Zeppelin in der Mata-Hari-Passage., VierNull, 12. August 2025. (Paywall)

Prominente Gäste Jimi Hendrix besuchte mit seinen Musikerkollegen Noel Redding und Mitch Mitchell das Le Pirate im Januar 1969, nach seinem Konzert in der Rheinhalle. Bei einem vom Resident-DJ „Baron“ des Le Pirate arrangierten Treffen im Parkhotel lernte Hendrix am Folgetag die Düsseldorferin Monika Dannemann (Ex-Freundin von Le-Pirate-Betreiber Toni Gronen) kennen – sie wurde seine Partnerin und war bei seinem Tod am 18. September 1970 in London an seiner Seite.Sebastian Brück: Wie ein Düsseldorfer DJ das Leben von Jimi Hendrix veränderte. VierNull, 29. Juli 2025. (Paywall) Über den Hendrix-Besuch im Le Pirate nach dem Konzert schrieb Dannemann 1995 in ihrer Biografie The Inner World of Jimi Hendrix: „Afterwards Klaus-Peter [ihr Bruder] and I went to our favourite Club, Le Pirate. An associate, Baron Reiner von der Osten Sacken, told me that he had invited Jimi, Mitch and Noel to visit the club. (…) They left about an hour later, and the Baron came over to me, saying that he had arranged to meet Jimi, Mitch and Noel at their hotel the next morning to take some pictures.“

Led Zeppelin feierten am 12. März 1970 nach ihrem Rheinhallen-Konzert im Le Pirate. Sänger Robert Plant brach dabei ein Absatz seines Schlangenleder-Stiefels ab; der Düsseldorfer Express titelte: „Der Star mit dem Loch im Strumpf“.Sebastian Brück: Mit Led Zeppelin in der Mata-Hari-Passage., VierNull, 12. August 2025. (Paywall): „Socken vor dem Lokal in ein Taxi. Der Düsseldorfer Express titelt kurz darauf: ‚Der Star mit dem Loch im Strumpf‘“ Keith Moon von The Who erschien 1967 bereits anderthalb Stunden vor Öffnung, ließ sich hereinbitten und trank alleine eine halbe Flasche Johnnie Walker – ohne erkannt zu werden. Der spätere Rolling-Stones-Gitarrist Mick Taylor war 1969 als Mitglied von John Mayall & the Bluesbreakers nach einem Konzert ebenfalls zu Gast im Le Pirate. Auch Ray und Dave Davies von The Kinks waren an einem Abend zu Gast.

Aus der Düsseldorfer Kunstszene verkehrten Günther Uecker (ZERO), Heinz Mack, Jörg Immendorff und der Werbekünstler Charles Wilp (Afri-Cola) sowie der Galerist Hans Mayer (zwischenzeitlich Partner von Carola Gronen) regelmäßig im Le Pirate.Sebastian Brück: Le Pirate: Der Urknall der Düsseldorfer Szene., VierNull, 13. März 2026. Florian Schneider von Kraftwerk war Stammgast; als er Gronen bat, eine frühe Bandaufnahme auf der Tanzfläche zu testen, lehnte dieser ab: „Wo habt ihr die Bässe gelassen?“ Die Fotografin Katharina Sieverding kellnerte ein Jahr lang im Club. Über den Betreiber Toni Gronen lernte sie dessen Cousine, die Schaustellerin Klärchen „Kaka“ Lemoine, kennen, mit der sie 1975 ihre bekannte Messerwurf-Performance auf der Düsseldorfer Rheinkirmes umsetzte. Der Schauspieler Udo Kier war ebenfalls öfter Gast im Le Pirate. Einmal schaut auch Klaus Kinski vorbei. Und Gunter Sachs kam in Begleitung von Brigitte Bardot.

Schließung Um 1970 legte ein Schwelbrand den Club vorübergehend lahm; nach dem Umbau öffnete er im Pop-Art-Stil neu. Mitte 1973 schloss das Le Pirate endgültig. Die Familie Gronen verkaufte das Lokal. Heute befindet sich an der Berger Straße 28 ein thailändisches Restaurant.

Rezeption Ein überregionaler Disco-Guide im Stern (Nr. 52/1969) empfahl es unter dem Motto „Das sind Deutschlands heißeste Schuppen“, mit Interieur „eingerichtet wie ein Schiffsfriedhof unter Wasser“. Das Musik- und Szenemagazin Hit schrieb in seinem Beat Cub Düsseldorf Führer im Januar 1969: „Die neuesten Tänze Londons und Paris' gibt’s im Le Pirate zu sehen.“Hit, Januar 1969. Beat Cub Düsseldorf Führer, S. 31/32 (Le Pirate auf S. 32) auf bravo.de Der WDR erwähnte das Lokal Ende der 1960er Jahre in einer Altstadt-Dokumentation.

Verbindung zum Creamcheese Das Creamcheese (ab 21. Juli 1967, Neubrückstraße 12) wurde konzeptionell von Günther Uecker mitgestaltet – der zuvor Stammgast im Le Pirate war und dort erstmals elektronische Monitore als Clubdekoration gesehen hatte. Mora, die später als Barfrau zur Ikone des Creamcheese wurde, tanzte zuvor im Le Pirate. Katharina Sieverding durchlief ebenfalls beide Häuser. Toni Gronen sagte rückblickend: „Das, was die an der Neubrückstraße auf die Beine stellten, ist von dem, was vorher bei uns passierte, nicht ganz unberührt geblieben.“

Literatur Colja Schliewa: Altbier, Schnaps und Rock ’n’ Roll. Düsseldorfer Dönekes von der längsten Theke der Welt. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2025, ISBN 978-3-8313-3713-2, S. 39–41.

Einzelnachweise

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