mini|Die Fassade der säkularisierten Kirche mini|Die markante Apsis mini|Die ehemalige Abtei von der benachbarten Kirche Santa Maria della Salute aus gesehen mini|Blick über den Canal Grande auf das Ensemble zwischen Dogana da Mar (links), Santa Maria della Salute und San Gregorio (rechts) San Gregorio ist ein Kirchengebäude nebst einer Abtei im Osten des venezianischen Sestiere Dorsoduro. Der Komplex befindet sich an einem Campo, wie die Plätze in Venedig genannt werden, der den Namen Campo de l’Abazia trägt. Kirche und Kloster tragen den Namen des Gregorius. Die Kirche geht wohl auf das 9. Jahrhundert zurück. Unmittelbar östlich, nur durch den Rio de la Salute getrennt, befindet sich die Kirche Santa Maria della Salute. Die Kirche bestand bereits seit längerem, als sie 897 zum ersten Mal in einer Quelle erschien. 989 einem Benediktinerkloster unterstellt, waren die dortigen Mönche im Spätmittelalter gezwungen, den Kämpfen auf dem Festland auszuweichen und nach San Gregorio zu gehen. Ab 1450 nur noch Kommende wurde der Komplex fünf Jahre später renoviert. Unter Napoleon wurde sie zur Filialkirche, diente zeitweise als Werkstatt der für die Kulturgüter der Stadt verantwortlichen Soprintendenza per i beni artistici e storici und soll das Museum für Orientalische Kunst beherbergen, das seinen Sitz in der Ca’ Pesaro hat.

Geschichte Die als überaus alt geltende Kirche existierte bereits im Jahr 897, wie Flaminio Corner der Chronik des Andrea Dandolo entnahmFlaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 432–436, hier: S. 434. Möglicherweise entstand sie bereits im frühen 9. Jahrhundert.Parrocchia di San Gregorio, Venezia, Ecclesiae Venetae, beim Sistema Informativo Unificato per le Soprintendenze Archivistiche (SIUSA).

989 wurde sie dem Kloster Santi Ilario e Benedetto kirchenrechtlich unterstellt. Über die Erhebung der Kirche zur Pfarrkirche liegen nur spätere Belege vor. So ergibt sich aus einem Rechtsstreit aus dem Jahr 1164, in dem sich der Pfarrer und die Nachbarn auf der einen Seite und das Kloster auf der anderen Seite wegen der Aufteilung der Einkünfte aus Pfründen gegenüberstanden, dass die Kirche bereits seit längerer Zeit Pfarrfunktionen ausgeübt haben muss und dass die dorten Priester von der Klostergemeinschaft ernannt wurden.

Im Laufe des 12. Jahrhunderts verlor die federführende Abtei S. Ilario e Benedetto so sehr an Bedeutung, dass 1214 die Mönche nach San Gregorio kamen, das zur Abtei eben dieser Benediktiner wurde. Die militärischen Auseinandersetzungen auf dem Festland zwangen die verbliebenen Mönche mehrfach zu fliehen, schließlich wurden sie Ende des 14. Jahrhunderts endgültig nach San Gregorio geholt.

Unter Abt Teonisto jedoch wurde die Abtei von einem gewalttätigen Mann namens Giacomo di Sant’Andrea heimgesucht, wie Corner berichtet. Dieser bemächtigte sich einiger Güter des Klosters und drang nachts gewaltsam in das Gebäude ein, wobei er dem Abt mit dem Tod drohte, falls er seinen Forderungen nicht nachgeben würde; so gelang es dem Abt zwar, ihm zu entkommen, doch zog er es vor, auf sein Amt zu verzichten, um sich nicht den unberechtigten Ansprüchen des Mannes beugen zu müssen. Weitere drei Äbte mussten die Übergriffe erdulden, bis sich einer von ihnen an den Papst und den Bischof von Castello wandte. Papst Innozenz III. forderte mit Schreiben vom 12. Januar 1215 den Patriarchen von Grado und den Abt von San Felice di Ammiano, den Umzug der Mönche von Sant’Ilario e Benedetto und die Unterstellung unter die venezianische Obödienz zu gestatten. Die Äbte benannten sich bald nach dem neuen Amtssitz in San Gregorio. Abt Prando folgte auf Leo, diesem folgte Fridiano für die nächsten 40 Jahre. Er wurde Bischof, während ihm als Abt Biaggio folgte, der sich Abt von Santi Ilario, Benedetto e Gregorio nannte. Als Nachfolger im frühen 15. Jahrhundert nennt Corner Giovanni Loredano, Leonardo dalla Torre und Andrea Bon.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 432–436, hier: S. 435 f.

San Gregorio, nunmehr Filialkirche von Santa Maria Zobenigo, wurde mehrfach umgebaut, unter Bartolommeo Paruta 1455 in Backsteingotik renoviert.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 85, S. 50. So war der Pfarrer verpflichtet, am Karsamstag in die Mutterkirche zu gehen, um der Segnung des Taufbeckens beizuwohnen und dort das Weihwasser entgegenzunehmen. Nachdem sie 1450 zu einer Kommende herabgestuft worden war, durchlief die Abtei eine lange Phase des Niedergangs, die 1775 mit der Aufhebung des Klosters endete.

Der Komplex gelangte zunächst in den Besitz des Erzbischofs von Candia (auf Kreta), Girolamo Lando, wenn auch offiziell nur als Verwalter, nämlich als Amministratore perpetuo. Als erster der nachfolgenden Abbati Commendatari fungierte Bartolommeo Paruta, der 1455 gewählt wurde. Sein Onkel war Filippo Paruta, Erzbischof von Candia. Bartolomeo Paruta wiederum erhielt den Titel eines Erzbischofs von Philadelphia.

Die Kirche behielt für kurze Zeit ihre Rolle als Pfarrkirche, wurde jedoch 1807Parrocchia di San Gregorio, Venezia, Ecclesiae Venetae, beim Sistema Informativo Unificato per le Soprintendenze Archivistiche (SIUSA). unter Napoleon geschlossen, und ihre Zuständigkeit ging auf Santa Maria del Rosario (Gesuati) über. Während die Klostergebäude zu Wohnzwecken genutzt wurden, diente die Kirche als Werkstatt der Zecca zur Goldveredelung. Nach der Restaurierung in den Jahren 1959 bis 1960 wurde sie als Restaurierungswerkstatt der Oberaufsicht für Soprintendenza per i beni artistici e storici di Venezia genutzt. Danach stand sie leer, jedoch wurde 2017 mit den Umbauarbeiten für den Sitz des Museums für Orientalische Kunst begonnen.

Literatur Marcello Brusegan: Guida insolita ai misteri, ai segreti, alle leggende e alle curiosità delle chiese di Venezia, Newton Compton, 2004, S. 226. Giuseppe Tassini: S. Barnaba, in: Curiosità Veneziane, M. Fontana, Venedig 1882, S. 315 f. (Digitalisat) Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 432–436 (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 458 f., n. y („S. Gregorio, Parrochie“). (Digitalisat).

Weblinks

Parrocchia di San Gregorio, Venezia, Ecclesiae Venetae, beim Sistema Informativo Unificato per le Soprintendenze Archivistiche (SIUSA)

Fußnoten

Kategorie:Weltkulturerbe Venedig und seine Lagune Gregorio Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Venedig Kategorie:Profaniertes Kirchengebäude in Italien Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Bauwerk der Gotik in Venedig Kategorie:Gotischer Backsteinbau in Italien