mini|Eugen Pfister Eugen Pfister (geboren 25. Februar 1980 in Wien) ist ein österreichischer Historiker und Politikwissenschaftler, der vor allem für seine Forschung zur Geschichte digitaler Spiele, Ideengeschichte und politischer Geschichte bekannt ist. Er arbeitet an der Hochschule der Künste Bern (HKB), wo er seit 2018 Forschungsprojekte zum Themenbereich Spiele und Geschichte leitet.

Leben

Eugen Pfister studierte Geschichte und Politikwissenschaften an der Universität Wien, der Universität Paris IV (Université Paris-Sorbonne), der Università degli Studi di Trento und der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 2008 bis 2013 war er Mitglied des Internationalen Graduiertenkollegs „Politische Kommunikation von der Antike bis ins 20. Jahrhundert“ und promovierte in cotutelle bei Gustavo Corni und Marie-Luise Recker. Seine erste Monografie behandelte Darstellungen Europas in deutschen, französischen, britischen und österreichischen Wochenschauen zwischen 1948 und 1959.

Nach beruflichen Stationen an der Universität Wien, bei der Austria Presse Agentur (APA) und am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften leitete Pfister von 2018 bis 2022 in Bern das SNF-Ambizione-Projekt „Horror-Game-Politics“, worin er die visuelle Rhetorik politischer Mythen in digitalen Horrorspielen untersuchte.

Seit 2023 leitet er (bis 2027) das SNF-Sinergia-Projekt „Confoederatio Ludens: Swiss History of Games, Play and Game Design 1968–2000“. In dem Verbundprojekt untersucht Pfister mit seinem Team an vier Schweizer Hochschulen (Hochschule der Künste Bern, Universität Lausanne, Universität Bern und Zürcher Hochschule der Künste) die Geschichte der Digitalisierung in der Schweiz anhand von digitalen Spielen. Das Projekt ist das erste seiner Art im deutschsprachigen Raum und auch international eines der größten Forschungsvorhaben zu digitalen Spielen.

Pfister engagiert sich seit Langem für die internationale Vernetzung im Feld der Game Studies. Er gründete gemeinsam mit 15 Kollegen den Arbeitskreis Geisteswissenschaften und Digitale Spiele (AKGWDS, ursprünglich Arbeitskreis Geschichtswissenschaften und Digitale Spiele) und war darin von 2015 bis 2023 Mitglied des Zentralkomitees. Er betreibt seit 2015 den Forschungsblog „Spiel-Kultur-Wissenschaft“ und ist Co-Moderator der Podcasts „Kritische Controller“ (seit 2024) und „CH Ludens – The Podcast“, um seine Forschungsergebnisse auch über die wissenschaftliche Community hinaus zugänglich zu machen.

Als externer Dozent lehrte er unter anderem an der Universität Fribourg, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Universität Wien. Pfister ist seit 2021 Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität für Weiterbildung Krems und seit 2025 Mitglied des Lenkungsausschusses der History of Games Conference.

Forschung

Pfisters Arbeit fokussiert darauf, digitale Spiele als historische Quellen politischer Kommunikation und Identitätsbildung der letzten fünf Jahrzehnte zu untersuchen, wobei es stets um die soziokulturelle Funktion von Geschichte in der Populärkultur geht. Er publizierte breit zu Geschichte in digitalen Spielen, insbesondere zur Rezeption des NS-Regimes und Erinnerungskultur, zur Geschichte von und in digitalen Spielen und Digitalisierungsgeschichte sowie zur Geschichte der Ideen und politischen Geschichte von Spielen.

Werke

Monografien Eugen Pfister und Tobias Winnerling: Digitale Spiele und Geschichte. Ein kurzer Leitfaden für Student*innen, Forscher*innen und Geschichtsinteressierte. Werner Hülsbusch, Glückstadt 2020, ISBN 978-3-86488-164-0. Europa im Bild: Imaginationen Europas in Wochenschauen in Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Österreich 1948–1959. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-8471-0198-7.

Herausgaben Arno Görgen, Tobias Eichinger und Eugen Pfister (Hrsg.): Superspreader. Popkultur und mediale Diskurse im Angesicht der Pandemie. Transcript, Bielefeld 2024, ISBN 978-3-8376-7197-1, open access. Aurelia Brandenburg, Peter Färberböck, Anna Klara Falke, Eugen Pfister und Tobias Winnerling (Hrsg.): Verspielte Vergangenheit. Texte aus sieben Jahren AKGWDS. Verlag Werner Hülsbusch, Glückstadt 2023, ISBN 978-3-86488-178-7. Josef Köstlbauer, Eugen Pfister, Tobias Winnerling, Felix Zimmermann (Hrsg.): Weltmaschinen: Digitale Spiele als globalgeschichtliches Phänomen Mandelbaum Verlag, Wien 2018, ISBN 978-3-85476-566-0. Bananen, Cola, Zeitgeschichte: Oliver Rathkolb und das lange 20. Jahrhundert. Herausgegeben von: Lucile Dreidemy, Richard Hufschmied, Agnes Meisinger, Berthold Molden, Eugen Pfister, Katharina Prager, Elisabeth Röhrlich, Florian Wenninger und Maria Wirth, Böhlau Verlag, Wien 2015, ISBN 978-3-205-20091-8 Andreas Obenaus, Eugen Pfister, Birgit Tremml (Hrsg.): Schrecken der Händler und Herrscher. Piratengemeinschaften in der Geschichte. Mandelbaum Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-85476-403-8.

Aufsätze (Auswahl) „Horror-Game-Politics. Zum Potenzial einer Ideengeschichte in digitalen Horrorspielen.“ In: Erkenntnisperspektiven und Methoden der Kommunikations- und Mediengeschichte. 2025. „'Ah, Good Day Herr General! …' Préambulo: Dirigir la memoria histórica en juegos digitales.“ In: La guerra civil española en los juegos y entornos lúdicos. 2023. „Ranke ex machina? Geschichtstheorie in digitalen Spielen.“ (mit M. Tschiggerl.) In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 3–4/2023. „Wie lernt man die Welt am besten kennen? Man macht sie sich untertan. Zur Ideengeschichte von Herrschaft in digitalen Spielen.“ In: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 33/2 (2022). „No One is Ever Ready for Something Like This. – On the Dialectic of the Holocaust in First-Person Shooters as Exemplified by Wolfenstein: The New Order.“ (mit F. Zimmermann.) In: International Public History 4/1 (2021).

Weblinks

Vollständige Publikationsliste auf spielkult.hypotheses.org Personaleintrag an der Hochschule der Künste Bern (HKB) Personaleintrag bei der Berner Fachhochschule BFH Pfister über Civilization VII auf ORF, online ORCID 0000-0003-3422-4697

Einzelnachweise

Kategorie:Historiker Kategorie:Politikwissenschaftler Kategorie:Wissenschaftler (21. Jahrhundert) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1980 Kategorie:Mann