Päonien in einer FlascheBildtitel Päonien in einer Flasche in Galerie Matthiesen: Ausstellung Edouard Manet, 1832–1883, Gemälde, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen, 1928, S. 44 und Françoise Cachin: Manet, 1991, S. 149. ()Denis Rouart, Daniel Wildenstein: Edouard Manet: Catalogue raisonné, Bd. 1, S. 94, Nr. 90. ist ein in Öl auf Leinwand gemaltes Bild von Édouard Manet. Es hat eine Höhe von 64 cm und eine Breite von 53 cm. Das Werk zeigt ein Stillleben mit Pfingstrosen (Päonien) in einer strohummantelten Flasche auf einem Buffet. Das Motiv ist Teil einer Reihe von sechs um 1864 entstandenen Blumenstillleben, die der Künstler nach barocken Vorbildern schuf und die alle Pfingstrosen zeigen. Das Gemälde befindet sich in einer Privatsammlung.

Beschreibung Das Gemälde zeigt ein Blumenstillleben in einem Innenraum. Auf der Abstellfläche eines Buffets steht eine strohummantelte Flasche in der Art einer italienischen FiascoAdolphe Tabarant: Manet, histoire catalographique, 1931, S. 127, Nr. 82., aus der senkrecht zwei Pfingstrosen emporragen. Von den beiden üppigen Blüten strahlt die untere in Weiß, die obere erscheint in Rosa. Während die kräftigen grünen Blätter der Pfingstrosen nach vorn und vor allem zum rechten Bildrand zeigen, strebt auf der linken Seite zwischen den Blüten der Pfingstrosen ein dünner Zweig mit kleiner rötlichen Blüte einer anderen Blume nach links oben.Adolphe Tabarant: Manet et ses Œuvres, 1947, S. 95. Am Fuß der Flasche liegen zwei weitere weiße Pfingstrosen, deren Blätter beinahe die gesamte Arbeitsfläche bedecken. Eine der Blüten ragt über die Kante des Möbelstücks nach vorn. Von dem aus braunem Holz gearbeiteten Buffet sind nur wenige Details zu sehen, wie die am linken Rand erkennbaren Messingbeschläge. Ansonsten wird das Möbel von den Bildrändern beschnitten. Der Hintergrund ist in einem nahezu monochromen Ockerbraunton gehalten. Durch die ausschnitthafte Wiedergabe des Motivs ist eine genauere räumliche Zuordnung des Stilllebens nicht möglich, durch das Möbelstück ein Wohn- oder Esszimmer jedoch wahrscheinlich. Das ohne erkennbare Lichtquelle von vorn beschienene Motiv weist starke Farbkontraste auf und ist mit teils groben Pinselstrichen ausgeführt. Die Signatur „Manet“ findet sich links unter der Kante der Arbeitsfläche, eine Datierung fehlt auf dem Gemälde.Galerie Matthiesen: Ausstellung Edouard Manet, 1832–1883, Gemälde, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen, 1928, S. 44.

Manets frühe Stillleben Manet ging vor allem als Figurenmaler in die Kunstgeschichte ein. Mit seinen 1863 geschaffenen Werken Das Frühstück im Grünen und Olympia erreichte er große Bekanntheit, mit weiteren Figurenbildern versuchte der Künstler in den Folgejahren in den Ausstellungen des Salon de Paris die Anerkennung der Kritiker zu finden, was ihm jedoch nur teilweise gelang. In den Figurendarstellungen finden sich wiederholt auch Stillleben, so im Frühstück im Grünen ein Picknickkorb mit Früchten und Brot, bei der Olympia ist es ein großer Blumenstrauß.Dorothee Hansen: Gemalte Bouquets von Manet, Astruc und Zeitgenossen. In: Dorothee Hansen: Manet und Astruc – Künstlerfreunde, 2021, S. 91. Stillleben als eigenständige Werke gab es unter seinen Einreichungen zum jährlichen Salon jedoch keine, obschon sie rund ein Fünftel seines Œuvre umfassen.Denis Rouart, Daniel Wildenstein: Edouard Manet: Catalogue raisonné, 1975. Dabei wurden seine Stillleben selbst von Kritikern wie Théophile Thoré geschätzt, der ihnen eine „unbestreitbare malerische Qualität“ bescheinigteFrançoise Cachin, Charles S. Moffett, Juliet Wilson-Bareau: Manet, 1984, S. 208., während der Maler sich bei seinen Figurenbilder teils harscher Kritik ausgesetzt sah.Hiroo Yasui: Pivoines dans une bouteille. In: Akiya Takahashi: Manet et le Paris moderne, 2010, S. 202. Manet maß den Stillleben große Bedeutung bei und nannte sie 1881 gegenüber seinem Freund Emmanuel Chabrier „den Prüfstein der Malerei“.Die Äußerung „La nature morte est la pierre de touche de peintre“ ist überliefert in Jacques-Émile Blanche: Propos de peintre. De David à Degas, 1919, S. 143; die deutsche Entsprechung findet sich in Dorothee Hansen: Gemalte Bouquets von Manet, Astruc und Zeitgenossen. In: Dorothee Hansen: Manet und Astruc – Künstlerfreunde, 2021, S. 91.

Blumenstillleben finden sich in nur zwei Schaffensperioden des Künstlers, die jeweils eng mit besonderen persönlichen Lebensabschnitten verknüpft sind. 1881–1883 malte er unterschiedliche Blumenmotive im Stil des Impressionismus, einer Zeit, in der er bereits unter starken Krankheitsbeschwerden litt, bevor er im April 1883 verstarb. Seine frühen Blumenstillleben entstanden im Jahr nach der Ablehnung des Gemäldes Das Frühstück im Grünen zum Salon von 1863 und der damit verbundenen öffentlichen Kritik. Manet bezog sich bei diesen frühen Stillleben auf Vorbilder des Barock, etwa auf Maler wie Jean Siméon Chardin, aber auch auf die niederländische Barockmalerei,Dorothee Hansen: Gemalte Bouquets von Manet, Astruc und Zeitgenossen. In: Dorothee Hansen: Manet und Astruc – Künstlerfreunde, 2021, S. 92. deren Werke er aus Besuchen im Louvre kannte. Unter seinen Zeitgenossen bewunderte er die Werke von Eugène Delacroix; mit dem auf Blumenstillleben spezialisierten Henri Fantin-Latour war Manet befreundet. Es ist nicht bekannt, ob Manet mit den Pfingstrosenbildern die Absicht verfolgte, Vanitas-Stillleben zu schaffen, wofür die älteren Vorbilder mit ihren Symbolen der Vergänglichkeit stehen. Dorothee Hansen unterstrich, dass es Manet nicht um ein bedeutungsvolles Bildmotiv ging, „denn gute Malerei zeigte sich für ihn in der wahrhaften Wiedergabe der Natur“. Seine Malerei folgte dabei dem Stil des Realismus, wie er bei den Künstlern der Schule von Barbizon zu finden ist.

Manets Blumenstillleben der 1860er zeigen alle PfingstrosenGeorge L. Mauner: Manet, the still-life paintings, 2000, S. 84., die Manet besonders schätzte und die auch in seinem Garten im Pariser Vorort Gennevilliers wuchsen.Adolphe Tabarant: Manet et ses Œuvres, 1947, S. 93. Pfingstrosen waren zu dieser Zeit in Europa noch nicht sehr lang verbreitet und galten daher als Zeichen von modischem Luxus.Françoise Cachin, Charles S. Moffett, Juliet Wilson-Bareau: Manet, 1984, S. 208. Neben dem Bild Päonien in einer Flasche gehören fünf weitere Gemälde zu dieser Reihe, von denen sich drei im Pariser Musée d’Orsay und zwei im New Yorker Metropolitan Museum of Art befinden. Das möglicherweise erste Bild dieser Reihe ist das – je nach Autor – bereits vor 1864 entstandene Motiv Pfingstrosen im Bierkrug.Das Metropolitan Museum of Art datiert das Gemälde auf etwa 1860, siehe Website des Museums; Françoise Cachin nennt das Entstehungsjahr 1861, siehe Françoise Cachin: Manet, 1991, S. 149; Im Werkverzeichnis von Rouart/Wildenstein ist es mit 1864 gelistet, siehe Denis Rouart, Daniel Wildenstein: Edouard Manet: Catalogue raisonné, 1975, S. 94, Nr. 89. Durch die Zugabe einer Perlenkette im Vordergrund ist hier der Einfluss der Barockmalerei deutlich erkennbar. Besonders üppig ist die Blütenpracht im Gemälde Vase mit Pfingstrosen auf Untersatz, wobei die Blumen hier in einer floral bemalten Blumenvase arrangiert sind. Die Vase vermittelt einen deutlich repräsentativeren Rahmen als eine scheinbar zufällig gewählte Weinflasche oder ein Bierglas. Das weniger vollendet wirkende Bild Vase mit Pfingstrosen auf einem Tablett war möglicherweise eine Studie zum vorgenannten Werk und lässt in seiner skizzenhaften Ausführung den aufkommenden Impressionismus erahnen. Ohne eine Vase kommen die beiden Motive Pfingstrosenstängel mit Gartenschere und Pfingstrosenzweig mit Gartenschere aus, bei denen die Stängel auf einer Platte liegen oder an eine Wand gelehnt sind. In beiden Stillleben findet sich zudem eine Gartenschere.Alle deutschen Bildtitel aus Françoise Cachin: Manet, 1991. Die sechs Stillleben mit Pfingstrosen weisen alle eine kräftige Pinselführung auf, mit der es Manet gelang, die leuchtenden Farben der Blütenblätter einzufangen.Françoise Cachin: Manet, 1991, S. 57.

Provenienz Nach Manet war der erste bekannte Besitzer des Gemäldes der Maler Léon Hodebert. Nach seinem Tod 1914 gelangte das Bild in den Besitz des Kunsthändlers Charles Carstairs in London. Über die New Yorker Galerie M Knoedler & Co gelangte es im Dezember 1928 in den Besitz der Sammlerin Anna Evangeline La Chapelle Clark, der Witwe des Unternehmers William A. Clark.Edouard Manet (1832-1883), Pivoines dans une bouteille Eintrag zur Versteigerung des Gemäldes 2026 auf der Website von Christie’s. Spätestens mit ihrem Tod 1963 ging das Gemälde an ihre Tochter Huguette Clark. Sie verbrachte ihre letzten Lebensjahrzehnte in der Pflegeabteilung des Beth Israel Medical Center in New York, bevor sie 2011 im Alter von 104 Jahren ohne direkte Nachfahren starb.Judge Rules Against Lawsuit Claiming Hospital Manipulated Heiress into Donating $3.5 Million Manet, Onlineartikel vom 28. August 2015 auf der Website von Artforum. Zuvor hatte sie im Jahr 2000 dem Krankenhaus Manets Gemälde Pfingstrosen in einer Flasche gestiftet. Das Bild wurde anschließend am 8. November 2000 in der New Yorker Filiale des Auktionshauses Christie’sEintrag zur Auktion des Gemäldes Pivoines dans une bouteille von Édouard Manet in der Auktion im Jahr 2000 Impressionist and Modern Art mit des Los Nr. 21 im Auktionshaus Christie’s auf der Website Invaluable.com. für 3,5 Millionen US-Dollar versteigert.Sarah Cascone: Court Rules Hospital Can Keep Late Heiress’s $3.5 Million Manet Painting, Onlineartikel vom 29. August 2015 auf artnet. Käufer des Bildes war die New Yorker Aquavella Galleries. 2001 gelangte das Bild in eine namentlich nicht bekannte Privatsammlung. 2007 erwarb die Sammlerin Lin Arison das Werk.

Nach dem Tod von Huguette Clark reichten 2013 entfernte Verwandte eine Klage bezüglich ihres Nachlasses vor einem New Yorker Gericht ein. Sie warfen dem Krankenhauspersonal vor, es hätte den Willen von Clark dahingehend beeinflusst, um Zuwendungen von der Patientin zu erhalten. Darunter fiel auch das Geschenk des Manet-Gemäldes an das Krankenhaus. Ein Richter entschied jedoch zugunsten des Krankenhauses und bestätigte, die Zuwendungen einschließlich des Geschenkes des Manet-Gemäldes seien rechtmäßig erfolgt.

Am 18. Mai 2026 kam das Gemälde aus dem Nachlass der 2025 verstorbene Sammlerin Lin Arison im New Yorker Auktionshaus Christie’s erneut zu versteigern. Bei einem Schätzpreis von 7–10 Millionen US-DollarLasting Impression. The Collection of Marilyn Arison Pressemitteilung des Auktionshauses Christie’s vom 10. April 2026. erzielte das Werk schließlich einen Erlös von 8.615.000 Dollar. Der neue Käufer des Werkes ist unbekannt.

Ausstellungen 1927 Exhibition of Flower Pictures (1568–1927), M Knoedler & Co, London, Nr. 46. 1928 Edouard Manet, Galerie Matthiesen, Berlin, Nr. 88. 1928 A Century of French Painting, M Knoedler & Co, New York, Nr. 17. 1968 New York Collects, Metropolitan Museum of Art, New York, Nr. 97. 2010 Manet et le Paris moderne, Mitsubishi Ichigokan Museum, Tokio Nr. 84.

Literatur Jacques-Émile Blanche: Propos de peintre. De David à Degas. Émile-Paul Frères, Paris 1919. Françoise Cachin, Charles S. Moffett, Juliet Wilson-Bareau: Manet. Ausstellungskatalog, deutsche Ausgabe: Frölich und Kaufmann, Berlin 1984, ISBN 3-88725-092-3. Françoise Cachin: Manet. DuMont, Köln 1991, ISBN 3-7701-2791-9. Dorothee Hansen (Hrsg.): Manet und Astruc – Künstlerfreunde. Ausstellungskatalog Kunsthalle Bremen, Deutscher Kunstverlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-422-98760-9. Galerie Matthiesen (Hrsg.): Ausstellung Edouard Manet, 1832–1883, Gemälde, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen. Galerie Matthiesen, Berlin 1928. (Digitalisat) George L. Mauner: Manet, the still-life paintings. Abrams, New York 2000, ISBN 0-8109-4391-3. Denis Rouart, Daniel Wildenstein: Edouard Manet: Catalogue raisonné. Bibliothèque des Arts, Paris und Lausanne 1975. Adolphe Tabarant: Manet, histoire catalographique. Montaigne, Paris 1931.