mini|Alan D. B. Clarke (2008) Alan Douglas Benson Clarke (* 21. März 1922 in Carshalton; † 10. Dezember 2011 in Barnet) war ein britischer Psychologe und emeritierter Professor an der University of Hull.T. R. Parmenter: Vale Emeritus Professor Alan D. B. Clarke, CBE: 21 March 1922–10 December 2011. In: Journal of Intellectual & Developmental Disability, 2012, 37 (1), S. 84., abgerufen am 28. April 2026.

Leben Er studierte von 1940 bis 1948 an der Universität Reading in Großbritannien und schloss sein Studium der Psychologie mit Auszeichnung ab. Von 1948 bis 1950 studierte er an dem University College London und promovierte zum Ph.D. am Institut für Psychiatrie des Maudsley Hospital in der psychologischen Abteilung von Hans Eysenck.

1950 nahm er eine Stelle als Psychologe am Manor Hospital bei Epsom an, einer Einrichtung für 1400 Insassen, die als „geistig behindert“ eingestuft waren. Hier war er von 1951 bis 1957 als Leitender Klinischer Psychologe und von 1957 bis 1962 als Facharzt für Klinische Psychologie tätig. 1962 wurde er auf einen Lehrstuhl für Psychologie an der University of Hull berufen und nahm diese Position bis 1984 ein. Während seiner Zeit in Hull war er für sein Engagement für Integrität in der Forschung bekannt. Dies zeigte sich beispielsweise in seiner Rolle bei der Aufdeckung der vermutlich gefälschten Forschungsdaten des verstorbenen Sir Cyril Burt, die dieser in seinen Zwillingsstudien veröffentlicht hatte. Von 1992 bis 1998 war er Gastprofessor an der University of Hertfordshire.

Werk Seine frühe Arbeit mit Ann Clarke im Manor Hospital zeigte, dass viele institutionalisierte Kinder, die als „geistig behindert“ galten, deutliche kognitive Verbesserungen aufwiesen, wenn sie strukturierte Unterstützung erhalten. Dieser Befund stellte gängige medizinisch-psychologische Annahmen in Frage, denn die Überzeugung, dass frühe Erfahrungen die spätere Entwicklung maßgeblich beeinflussen, ist seit Jahrhunderten verbreitet und wurde Mitte des letzten Jahrhunderts durch die frühen Arbeiten von John Bowlby und der von ihm Hypothese der kritischen Phase der Frühförderung bestärkt. Diese Ansichten müssen jedoch durch Forschungsergebnisse zu den überwiegend positiven Ergebnissen für Kinder, die aus schweren Notlagen gerettet wurden, revidiert werden. Nach Ann und Alan Clarke ist Resilienz dem menschlichen Organismus angeboren, benötigt aber ein positives soziales Umfeld, um sich voll zu entfalten. Adoption ist dabei die wirksamste Form der Intervention, und ihre in der Regel positiven Ergebnisse stellen andere Formen der Betreuung infrage. 1967 hielt er die 42. Maudsley-Vorlesung vor dem Royal College of Psychiatrists; dies war die erste Vorlesung, die von einem nicht-medizinisch ausgebildeten Forscher gehalten wurde und er vertrat dort die kontroverse Ansicht, dass frühe Erfahrungen nicht per se die Zukunft eines Kindes vorbestimmen. Er leistete zudem einen wichtigen Beitrag zur Überbrückung der Kluft zwischen der medizinischen und der nicht-medizinischen Forschungsgemeinschaft im Bereich der geistigen Behinderung. In diesem Zusammenhang begründete er die dauerhafte Beziehung zwischen der International Association for Scientific Study of Mental Deficiency und der Weltgesundheitsorganisation.

Ehrungen/Positionen 2007: Ehrenmitglied der British Psychological Society (BPS) 1989: Ehrenmitglied des Royal College of Psychiatrists 1988: Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit der International Association for the Scientific Study of Mental Deficiency 1982: Auszeichnung für herausragende wissenschaftliche Leistungen der International Association for Scientific Study of Mental Deficiency 1977: Research Award der American Association for Mental Deficiency 1977: Präsident der British Psychological Society 1974: Commander des Order of the British Empire (CBE) 1973: Mitbegründer und Präsident der International Association for the Scientific Study of Mental Deficiency (IASSID) 1973–1979: Herausgeber des British Journal of Psychology 1970: Prorektor der Universität Hull

Privates Seine Frau und spätere Kollegin Ann lernte er bei ihrem gemeinsamen Studium an der Universität Reading in Großbritannien kennen, wo beide mit Auszeichnung in Psychologie abschlossen. Beide promovierten am Institut für Psychiatrie des Maudsley Hospital in der psychologischen Abteilung von Hans Eysenck. Nach ihrer Heirat im Jahr 1950 nahmen beide Stellen als Psychologen am Manor Hospital an. Aus der Ehe gingen die beiden Söhne Bob und Peter hervor.

Publikationen (Auswahl) Monografien Mit Anne Clarke: Human resilience: A fifty year quest. Jessica Kingsley Publishers, London 2003, ISBN 978-1-84310-138-3. Mit Anne Clarke: Early Experience: Myth and Evidence. Open Books Pb, Cambridge 1976, ISBN 978-0-7291-0140-0. Mit Anne Clarke: Mental Deficiency: The Changing Outlook (4th ed.). The Free Press, Washington, DC 1986, ISBN 978-0-02-905970-8. Symposium on education of the modoratoly and soverely retarded. Teil: 6, The Need of the mentally retarded for complex learning experiences. Verlag International League of Societies for the Mentally Handicapped, Bruxelles 1968.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Jack Tizard - Postscript 2005. In Tizard Learning Disability Review, 2005, 10 (1), S. 5–6. Mit Anne Clarke: Early Adversity and Adoptive Solutions. In: Adoption and Fostering, 2001, 25 (1), S. 24–32. Mit Ann M. Clarke: How Modifiable Is the Human Life Path?. In: International Review of Research in Mental Retardation, 1992, 18, S. 137–157. A brief history of the international association for the scientific study of mental deficiency (iassmd). In: Australia and New Zealand Journal of Developmental Disabilities, 1991, 17 (1), S. 97–107. Mit Ann M. Clarke: The adult outcome of early behavioural abnormalities. In: International Journal of Behavioral Development, 1988, 11 (1), S. 3–19. Mit Ann M. Clarke: Mental testing: origins, evolution and present status. In: History of Education, 1985, 14 (4), S. 263–272. Mit Ann M. Clarke: Some recent advances in the study of early deprivation. In: Child Psychology and Psychiatry, 1960, 1, S. 34–36.

Weblinks

Alan D.B. Clarke auf Science Direct, abgerufen am 28. April 2026. Ann and Alan Clarke (The Clarkes) - Recording auf History of Psychology Centre – Archive Catalog der British Psychological Society vom 29. August 2007, abgerufen am 29. April 2026.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Klinischer Psychologe Kategorie:Commander des Order of the British Empire Kategorie:Geboren 1922 Kategorie:Gestorben 2011 Kategorie:Brite Kategorie:Engländer Kategorie:Mann