Der Seefliegerhorst Großenbrode war ein Militärflugplatz auf der Halbinsel Wagrien im Nordosten von Holstein am Ausgang der Lübecker Bucht. Etwa sieben Kilometer östlich von Heiligenhafen lag das Gelände südlich der gleichnamigen Ortschaft an der Küste der Ostsee.

Der Fliegerhorst war von 1936 bis 1942 für die Luftwaffe der Wehrmacht gebaut worden und wurde während des 2. Weltkriegs überwiegend zur Schulung von Militärpersonal genutzt. In der Nachkriegszeit erfolgte die zeitweise Nutzung als Bahnhof Großenbrode Kai und danach der allmähliche Rückbau.

Ausstattung Für Landflugzeuge besaß der Fliegerhorst zwei sich kreuzende Start- und Landebahnen von jeweils 1280 Metern Länge. Beide Bahnen waren betoniert und mit verfestigten Grasflächen an den Seiten versehen, wodurch eine Nutzbreite von 200 Metern möglich war. Als Besonderheit waren sie für Nachtlandungen beleuchtet, sodass der Platz im Krieg für die Nachtjäger zur Betankung und Wiederbewaffnung genutzt werden konnte. Wie zu der damaligen Zeit üblich bestand eine befestigte Ringbahn zur Verbindung der beiden Bahnen und zum Anschluss des Hangars am Westrand.

Südlich vom Flugplatz war eine Lagune mit Verbindung zur Ostsee angelegt worden, die den Wasserflugzeugen der Seeflieger ideale Bedingungen für Übungen von Starts und Landungen auf dem Wasser bot. Für deren Zwecke gab es an der Nordwestecke der Lagune den Wasserflugzeugstützpunkt mit Slipanlage und mehreren Anlegern.

Vorteilhaft war die Lage des Areals auf der Halbinsel, weil es nicht weit zu den maritimen Übungsgebieten auf der Ostsee war. Zur Versorgung des Seefliegerhorstes benutzte man die seit 1903 vorbei führende Bahnstrecke der Kreis Oldenburger Eisenbahn, deren Kleinbahn Lütjenbrode–Orth seit 1903 Heiligenhafen mit der Insel Fehmarn verband. Am Bahnhof Großenbrode war dazu ein Ausziehgleis vorhanden, das am Westrand entlang bis zur Lagune führte. Am Ende der Strecke an der Südostecke parallel zum Ostseeufer waren ab 1936 die Kasernengebäude errichtet worden.

Zweiter Weltkrieg Während des Zweiten Weltkrieges erfolgte der weitere Ausbau des Fliegerhorstes für die Seeflieger. Der Platz war aber nie ein klassischer Frontstützpunkt und hatte nie durchgängig zugeordnete fliegende Verbänden. Hauptnutzer war die Lufttorpedoschule. Sie sorgte für die Ausbildung der Flugzeugbesatzungen zum Abwurf von Lufttorpedos bei der Seekriegsführung und den Umgang mit Luftminen. Durch die Flieger-Waffenschule wurden Flugzeugführer ausgebildet bzw. auf andere Typen umgeschult, um neue Einsatzstaffeln aufzubauen. Im Einzelnen waren dort stationiert:

November bis Dezember 1939 die 3./Kü.Fl.Gr. 106, Dezember 1939 bis Januar 1940 die 1./Kü.Fl.Gr. 506 ab 1941 Kampfschulgeschwader KSG 2 mit zwei Lehrgruppen ab 1942 Fliegerwaffentechische Schule als Nachfolger der Lufttorpedoschule Juni 1943 bis Mai 1944 die II./KG 26 Juli bis Oktober 1944 die 2. Seenotstaffel und im Mai 1945 Teile der II./KG 4

Zum Schutz des Stützpunktes war das Flugfeld mit sieben Flak-Stellungen umgeben, die teilweise in Flak-Türmen untergebracht waren. Im August 1944 erfolgte ein erster Angriff durch amerikanische Flugzeuge, die jedoch keinen Schaden anrichteten. Im April 1945 griff die Royal Air Force (RAF) den Platz an, traf aber leider das Dorf. Der letzte RAF-Angriff mit 24 Jagdbombern Hawker Tempest folgte noch kurz vor Ende des Kriegs im Mai 1945. Unter Verlust von elf Bombern wurde dabei ein Großteil der geschätzt 200 deutschen Flugzeuge zerstört.

Nachkriegszeit Nach Beendigungs des Krieges dienten die Kasernenanlagen als britisches Kriegsgefangenenlager und das Flugplatzgelände mit den beiden Startbahnen wurde von den Briten unbrauchbar gemacht. In den 1950er Jahren konnten die noch vorhandenen Kaianlagen und Kasernengebäude neu genutzt werden. Durch die deutsche Teilung war der Fährverkehr zwischen Rostock in der damaligen sowjetischen Besatzungszone und dem dänischen Gedser unterbrochen. Zur Wiederherstellung einer direkten Verbindung für Straßen- und Eisenbahnverkehr zwischen den westlichen Besatzungszonen und Dänemark wurde auf dem Gelände ein Fährbahnhof gebaut. Dazu erhielt die Bahnstrecke der Kleinbahn im Bahnhof Großenbrode einen Abzweig, der in einem Bogen über den Flugplatz zu den Kaianlagen mit zwei Fähranlegern führte. Der Trajektverkehr begann am 15. Juli 1951 und endete nach zwölf Jahren 1963 nach der Fertigstellung der Fehmarnsundbrücke und der Verlegung des Fährhafens nach Puttgarden auf Fehmarn. Die Gleisanlagen des Bahnhofs Großenbrode Kai (s. Weblink Gleisplan) wurde danach zurückgebaut.

Anschließend zog die Bundesmarine mit der Marineküstendienstschule in die vorhandenen Kasernengebäude an der Südostecke ein. Zusätzlich nutzte die Bundeswehr das Areal an der Strandstraße für den Bau der Fehmarnsundkaserne, die in Höhe der früher sich kreuzenden Startbahnen angelegt wurde. Das dort ab 1964 untergebrachte Fernmelderegiment 71 der Luftwaffe betrieb bis 2004 den bei Klaustorf stehenden zwölfstöckigen Aufklärungsturm A, der den Einheiten der Elektronischen Kampfführung (EloKa) zur militärischen Sektor-Aufklärung über die Ostblockstreitkräfte diente.

Der verlassene Fähranleger dient seit 1976 der DGzRS als Einsatzhafen für einen Seenotrettungskreuzer der zugeordneten Seenotrettungsstation Großenbrode.

Mit dem ab den 1990er Jahren einsetzenden Truppenabbau verließ die Bundeswehr in Etappen den Standort. Die Gemeinde Großenbrode erwarb 1997 für 5,4 Millionen D-Markt das ehemalige Sperrgebiet und will nach Rückbau der Fehmarnsundkaserne an der Stelle weitere Wohnbebauung errichten. Der Großenbroder Binnensee mit seiner kleinen Zufahrt zur Ostsee wird ansonsten von Sportbooten genutzt und beherbergt mehrere Yachthäfen.

Siehe auch Bahnhof Großenbrode Kai

Weblinks Heimatkundeausstellung mit Bild eines Modells der Anlage Gleisplan Großenbrode 1963 auf sundfaehre.de

Einzelnachweise

Kategorie:Fliegerhorst der Luftwaffe (Wehrmacht) Großenbrode Kategorie:Erbaut 1937 Kategorie:Ehemalige Kaserne in Schleswig-Holstein Kategorie:Großenbrode