Die Geschichte vom Krokodil ist ein indisches Tiermärchen und ein buddhistisches Jataka (208: Sumsumāra-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 60–64, 499–500. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.

Handlung Als der Bodhisattva einmal in einen Affen wiedergeboren wurde, verlangte es der Frau des Krokodils nach seinem Herzfleisch. Das Krokodil bot dem Affenkönig daraufhin an, ihn über den Ganges zum anderen Ufer zu tragen, wo Mango- und Brotfruchtbäume standen und dieser ging auf das Angebot ein. Im Fluss aber ließ sich das Krokodil herabsinken, um den Affenkönig seiner Frau auszuliefern, wobei es dem Untergehenden von deren Anliegen berichtete. Da meinte der Affenkönig, dass die Affen ihr Herz nicht bei sich trügen, da es sonst beim Klettern in den Baumwipfeln zerschunden werden würde und er zeigte auf einen Feigenbaum, dessen Früchte, so erklärte er dem Krokodil, die Herzen der Affen seien. Mit dem gegebenen Versprechen sein Herz zu bekommen, brachte das Krokodil den Affenkönig wieder an Land, der es daraufhin für dumm befand.

Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 208 (Sumsumāra-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte vom Krokodil. Eine Variante findet sich in dem Jātaka 57, die bei Mehlig den Titel Die Geschichte vom Affenfürsten bekam und in der das Krokodil den Weg zu der Insel mit den Mango- und Brotfruchtbäumen blockiert, um den Affenfürst zu fangen. Dieser bietet dem Krokodil dann an, in sein Maul zu springen, woraufhin es dieses öffnet und dadurch die Augen schließen muss, sodass der Affenfürst über es hinweg springen und entkommen kann. In der vergleichbaren Geschichte Der vorsichtige Schakal aus dem Panchatantra (III, 14. Erzählung) ist es ein Löwe, der sich in die Höhle eines Schakals schleicht. Diese Version wiederum ähnelt der äsopschen Fabel Der Löwe und der Fuchs (Fabel 137). Eine syrische Variante findet sich in Gustav Bickells Kalilag und Damnag (Leipzig 1876). In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Der Affe und das Krokodil.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 369–371.

Die Jātaka 57 dient im IV. Buch des Panchatantras als Rahmenerzählung. Im Śukasaptati ist sie in den Geschichten 65: Affe und Seeungeheuer sowie 66: Begehr nach dem Herzfleisch des Affen zu lesen. Ebenso findet sie sich in Antoine-Isaac Silvestre de Sacys arabischer Übersetzung des Panchatantras (IX. Kapitel), Symeon Seths Stephanites kai Ichnēlatēs (1080, Berlin 1697, reprinted in Athen 1851, 5. Abschnitt, Griechisch), in Johann von Capuas Directorium Humanae Vitae (Kapitel 6, Latein), das 1483 in Ulm ins Deutsche übersetzt wurde und in der spanischen Übersetzung. In Husain ben Ali el Vāiz U’l-Kāshifīs persischen Anvār-i-Suhailī und in dem französischen Werk Cabinet des Fées ist sie im 5. Kapitel angegeben. Bei Baldo (Paris 1854) steht die Fabel an 12. Stelle.

Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 60–64, 499–500. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 369–371.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Tiermärchen Kategorie:Krokodil als Thema Kategorie:Affe in der Kunst Kategorie:Jātaka