Adolf Cohen (geboren 18. Mai 1870 in DelmenhorstVerein Arbeiterpresse (Hrsg.): Handbuch des Vereins Arbeiterpresse. 3. Jahrgang, 1914, , , S. 259 (PDF; 16,3 MB).; gestorben 29. Dezember 1935 in BerlinSterbeurkunde Nr. 1735, In: C 1. Sterbe-Register (Haupt Register) Standesamt 13a, 1935, Vol. 4, No. 1390 bis 1739 (Landesarchiv Berlin, Signatur: P Rep. 814 : 305 - Sterberegister, Nr. 305, 1935, Enthält: Reg.-Nr. 1390/1935–1739/1935 (archivportal-d.de)) (eingesehen bei Ancestry.com).) war ein deutscher Gewerkschaftsfunktionär des Deutschen Metallarbeiter-Verbands (DMV).

Leben Er war seit 1901 hauptamtlicher Gewerkschafter beim Deutschen Metallarbeiter-Verband und während des Ersten Weltkriegs erster Bevollmächtigter der Ortsverwaltung Berlin des DMV, deren Mitgliederzahl sich in seiner Amtszeit von 22.000 auf 80.000 erhöhte. Ab 1902 war er Mitglied der Generalkommission der Gewerkschaften. In dieser Funktion veröffentlichte er die Schrift Die Aussperrung in der Berliner Elektrizitäts-Industrie 1905.

1910 war Cohen Delegierter des Internationalen Metallarbeiterkongresses in Birmingham, wo die 1872 gegründete National Society of Amalgamated Brass Workers and Metal Mechanics ansässig war.Carl Severing: Mein Lebensweg. Bd. 1: Vom Schlosser zum Minister. Greven Verlag Köln, 1950. S. 129

Er vertrat die Linie des BurgfriedensPetra Weber: Gescheiterte Sozialpartnerschaft ― gefährdete Republik? Industrielle Beziehungen, Arbeitskämpfe und der Sozialstaat, Deutschland und Frankreich im Vergleich (1918 – 1933/39) (= Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte. 77).Oldenbourg, München 2010, ISBN 978-3-486-59214-6, , S. 168 (PDF; 37,7 MB), die einen Verzicht auf Streiks für die Dauer des Krieges vorsah. Sein Widersacher in dieser Kontroverse war Richard Müller, Branchenleiter der Dreher im DMV, der mit seinem Netzwerk von Betriebsobleuten wilde Streiks organisierte.

Cohen war Sozialdemokrat. Im Dezember 1918 nahm er am Allgemeinen Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands teil.Stenographische Berichte. Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands vom 16. bis 21. Dezember 1918 im Abgeordnetenhause zu Berlin. Zentralrat der Sozialistischen Republik Deutschlands, Berlin 1919, (Nachdruck: (= Kritische Bibliothek der Arbeiterbewegung). Olle & Wolter, Berlin 1975, ISBN 3-921241-07-3), Teilnehmer-Verzeichnis, S. 200

Auf dem ersten Kongress der Freien Gewerkschaften nach dem Krieg vom 30. Juni bis 5. Juli 1919 in Nürnberg vertrat Cohen gemeinsam mit Theodor Leipart die Errichtung von Betriebsräten und setzte sich damit gegen Befürworter eines Rätesystems durch.

Er rechtfertigte die Gründung der Zentralarbeitsgemeinschaft mit der Verwirklichung der Parität von Kapital und Arbeit. Sie sei die „‚conditio sine qua non‘“ für die Gewerkschaften.So Adolf Cohen auf dem Kongreß der Freien Gewerkschaften im Juni 1919, zitiert nach: Klaus Schönhoven: Gewerkschaften und soziale Demokratie im 20. Jahrhundert. Electronic ed.. FES-Library, Bonn 1998 (library.fes.de) Als Alexander Schlicke im Juni 1919 Reichsarbeitsminister wurde, übernahm Adolf Cohen dessen Aufgaben in der Zentralarbeitsgemeinschaft.

Unter anderem auf dem Gewerkschaftskongress im Juni 1920 vertrat Cohen mit anderen die Meinung, die Gewerkschaften können „nicht allein ohne die Unternehmer die Wirtschaftsprobleme lösen“. Vor diesem Hintergrund ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu erklären, die mit der unter führender Beteiligung von Hugo Stinnes und Carl Legien ausgehandelten Übereinkunft vom 15. November 1918 besiegelt wurde.Das Novemberabkommen auf www.gewerkschaftsgeschichte.de

Kurz vor seinem Schlaganfall 1930, der seine aktive Tätigkeit beendete, wurde Cohen noch zum Geschäftsführenden Präsidenten des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates gewählt. Er starb 1935 im Jüdischen Krankenhaus in Berlin.

Schriften (Auswahl) Die Aussperrung in der Berliner Elektrizitäts-Industrie 1905. Alexander Schlicke & Cie., Stuttgart 1905, , Weitere Nachweise KVK Die Technik des Gewerkschaftswesens (= Abhandlungen und Vorträge zur sozialistischen Bildung. Heft 9). August Kaden, Dresden 1913, . Die Arbeitsvermittlung und die Arbeitslosen-Unterstützung für heimkehrende Kriegsteilnehmer. Ein Vortrag, gehalten auf der Konferenz der sozialdemokratischen Stadtverordneten und Gemeindevertreter am 19. September 1915 in Berlin. Verlag des Verbandes der Sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend, Berlin 1915, , .

Über das Wesen der Arbeitsgemeinschaft. Vortrag, gehalten auf der Gründungs-Versammlung der Arbeitsgemeinschaft "Gruppe Chemie" Berlin … den 28. April 1919 (= Arbeitsgemeinschaft „Gruppe Chemie“: Druckschrift. 3). Sittenfeld, Berlin 1919, Nachweise KVK. Zur Sozialisierungsfrage. Vier Referate erstattet auf dem Zehnten Deutschen Gewerkschaftskongreß zu Nürnberg. Verlag des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Berlin 1919 (Sonderabdruck aus dem Protokoll der Verhandlungen des Zehnten Deutschen Gewerkschaftskongresses, abgehalten in der Zeit vom 30. Juni bis 5. Juli zu Nürnberg), .

Literatur Verein Arbeiterpresse (Hrsg.): Handbuch des Vereins Arbeiterpresse. 3. Jahrgang, 1914, , , S. 259 (PDF; 16,3 MB).

Richard Müller: Eine Geschichte der Novemberrevolution. Herausgegeben von Ralf Hoffrogge, Jochen Gester und Rainer Knirsch. Verlag Die Buchmacherei, Berlin 2011, ISBN 978-3-00-035400-7 (17. Auflage: März 2020). Ralf Hoffrogge: Richard Müller. Der Mann hinter der Novemberrevolution (= Geschichte des Kommunismus und Linkssozialismus. Band 7). Dietz, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02148-1 ― 2., korrigierte und erweiterte Auflage. Dietz, Berlin 2018, ISBN 978-3-320-02354-6.

Einzelnachweise

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