Mitterdorf ist ein Gemeindeteil der Stadt Roding im Landkreis Cham in der Oberpfalz. Der Ort war bis zum 1. Juli 1971 Sitz einer selbständigen Gemeinde und wurde im Zuge der bayerischen Gebietsreform nach Roding eingegliedert. Die Gemarkung Mitterdorf besteht als Katastereinheit fort. Zur ehemaligen Gemeinde beziehungsweise zum historischen Siedlungsbereich werden in der Ortschronik unter anderem Am Bahnhof, Angermühle, Gstetten, Heide, Heilbrünnl, Kronwitt, Mitterdorf, Nassen, Oberdorf, Oberkreith und Riebeisenmühle gerechnet.
Geschichte Frühgeschichte und Siedlungsanfänge Der Raum Mitterdorf ist deutlich älter besiedelt, als es die schriftliche Überlieferung belegt. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege weist im Gebiet der Stadt Roding zahlreiche Bodendenkmäler aus, darunter spätpaläolithische und mesolithische Freilandstationen, neolithische Siedlungen sowie Siedlungsspuren der Bronze- und Latènezeit. Für den Bereich Heilbrünnl sind außerdem archäologische Befunde der frühen Neuzeit im Umfeld der Wallfahrtskirche nachgewiesen.
Es gibt vorgeschichtliche Lesefunde in der Gemarkung Mitterdorf. Auf der Terrasse unterhalb der Wallfahrtskirche Heilbrünnl wurden neolithische Silexartefakte und vorgeschichtliche Keramik, darunter auch Scherben der Stichbandkeramik, festgestellt. Das belegt, dass der Mitterdorfer Raum bereits in vorgeschichtlicher Zeit als Siedlungs- oder Aufenthaltsraum genutzt wurde.
Die topographische Lage erklärt diese frühe Besiedlung. Mitterdorf liegt im Übergangsraum zwischen dem Regen, den Niederungen und den etwas höher gelegenen Terrassen und Verbindungswegen in Richtung Wetterfeld, Altenkreith und Michelsneukirchen. Solche Lagen boten Zugang zu Wasser, fruchtbaren Böden, Verkehrswegen und später zu Mühlen- und Hofstandorten. Auch die dichte Streuung von Weilern, Einöden und Mühlen im historischen Gemeindebereich zeugt von einer gewachsenen Kulturlandschaft.
Mittelalter und frühe Neuzeit Der historische Raum um Mitterdorf ist seit dem Mittelalter in den Einflussbereich von Roding, Wetterfeld und den kirchlichen Strukturen der Umgebung eingebunden. Die Nähe zu Roding und zu älteren Herrschafts- und Kirchenstandorten wie Wetterfeld, Kalsing und Heilbrünnl verweist auf eine enge Verflechtung mit der regionalen Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte.
Für die frühe Neuzeit ist besonders das Umfeld von Heilbrünnl wichtig. Die Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau wurde 1730 als spätbarocker Bau errichtet; zur Anlage gehören unter anderem Eremitenwohnung, Mariengrotte, Kreuzwegstationen und weitere Ausstattungsstücke. Die Kirche steht an einem Ort, dessen religiöse Bedeutung bis heute das weitere Mitterdorfer Umfeld prägt.
Auch die Angermühle zeigt, dass der Siedlungsraum Mitterdorf bereits in der frühen Neuzeit wirtschaftlich differenziert war. Für die Mühle ist eine Besitzgeschichte seit dem frühen 17. Jahrhundert überliefert; 1605 gehörte sie Sebald Kaiser, 1652 ging sie in den Besitz des Rodinger Bürgermeisters Michael Heber über. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wird dort sogar ein Eisenhammer erwähnt. Die Angermühle ist damit ein wichtiger Hinweis auf die Verbindung von Landwirtschaft, Mühlenwesen und kleingewerblicher Nutzung im Mitterdorfer Raum.
19. Jahrhundert Spätestens im 19. Jahrhundert tritt Mitterdorf als klar konturierte Landgemeinde hervor. Das Register der heimatkundlichen Reihe Rodinger Heimat weist für Mitterdorf eigene Beiträge zu den alten Hausnummern von 1808 sowie zur Verteilung des Gemeindeangers im selben Jahr nach. Das zeigt, dass der Ort damals bereits über gefestigte Besitz-, Hof- und Gemeindestrukturen verfügte.
Für das 19. Jahrhundert ist außerdem die Entwicklung des örtlichen Feuerwehrwesens aussagekräftig. Nach einem verheerenden Großbrand vom 27. September 1866, bei dem über 20 Wohnhäuser mit Nebengebäuden zerstört wurden, begann die Gemeinde mit dem Aufbau einer eigenen Feuerwehr. Um 1870 setzte der organisatorische Aufbau der Wehr ein; am 10. März 1873 erließ die Gemeindeverwaltung eine Feuerlöschordnung. 1874 bestand die Wehr bereits aus 50 Mitgliedern, 1877 wurde die erste Feuerspritze beschafft. Diese Entwicklung verweist zugleich auf Größe, Zusammenhalt und Organisationsgrad der damaligen Landgemeinde Mitterdorf.
Mit dem Bahnhofsbereich erhielt die Gemeinde im 19. Jahrhundert zusätzlich einen neuen wirtschaftlichen und verkehrlichen Schwerpunkt. Die Ortschronik nennt ausdrücklich Am Bahnhof als Teil der ehemaligen Gemeinde; heute gehört Roding am Bahnhof weiterhin zum von Mitterdorf geprägten Raum und zugleich zum Schutzbereich der Freiwilligen Feuerwehr Mitterdorf.
20. Jahrhundert bis zur Eingemeindung Im 20. Jahrhundert blieb Mitterdorf zunächst ländlich geprägt, entwickelte sich aber zugleich stärker in Richtung eines verkehrlich und siedlungsgeographisch erweiterten Vorortes von Roding. Dafür stehen der Bahnhofsbereich, die Ortsteile entlang der Verkehrsachsen sowie später die Industriegebiete am Bahnhof und in Oberkreith, die heute ausdrücklich zum Schutzbereich der Feuerwehr gezählt werden.
Die Vereine des Ortes spiegeln diesen Wandel. Mit der Gründung der SpVgg Mitterdorf 1963 entstand ein neuer zentraler Sportverein, dessen Wurzeln in den bereits 1961/62 ausgetragenen Spielen einer losen Jugendmannschaft lagen. Das erste Heimspiel auf dem in Eigenleistung hergerichteten Platz fand am 5. April 1964 statt; das erste Verbandsspiel der Vereinsgeschichte wurde am 10. Mai 1964 gegen den TSV Dieterskirchen ausgetragen und mit 4:2 gewonnen. Schon 1965 gelang die Meisterschaft und der Aufstieg in die B-Klasse.
Die kommunale Selbständigkeit der Gemeinde Mitterdorf endete am 1. Juli 1971 mit der Eingliederung nach Roding. Die Gemarkung blieb bestehen; zugleich setzte sich die historisch gewachsene Ortsteilstruktur im Alltag, in den Vereinen und im Feuerwehrwesen fort.
Seit 1971 Nach der Eingemeindung entwickelte sich Mitterdorf weiter als eigenständiger Stadtteil mit starkem Vereinsleben. Die Feuerwehr modernisierte sich organisatorisch und technisch weiter, die SpVgg baute ihr Angebot aus, und mit dem Burschenverein, der Freiwilligen Feuerwehr und dem Sportverein blieben drei prägende Träger des gesellschaftlichen Lebens erhalten. Ortsteile der Gemarkung Mitterdorf Die historische Gemarkung Mitterdorf setzte sich nicht nur aus dem Dorf Mitterdorf im engeren Sinn, sondern aus einer Reihe von Dörfern, Weilern, Einöden und Mühlenstandorten zusammen. Diese kleinteilige Siedlungsstruktur ist typisch für den Raum um Roding und verweist auf eine über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft. Als Ortsteile der ehemaligen Gemeinde beziehungsweise der Gemarkung werden unter anderem Am Bahnhof, Angermühle, Gstetten, Heide, Heilbrünnl, Kronwitt, Mitterdorf, Nassen, Oberdorf, Oberkreith und Riebeisenmühle genannt.
Mitterdorf Mitterdorf war der Hauptort und namensgebende Mittelpunkt der ehemaligen Gemeinde. Hier bündelten sich die dörflichen Funktionen, die später auch das Vereins- und Gemeinschaftsleben bestimmten. Die Entwicklung des Ortes ist eng mit der Nähe zu Roding verbunden; zugleich blieb Mitterdorf lange ein eigenständiger ländlicher Siedlungskern mit enger Bindung an Landwirtschaft und örtliches Handwerk.
Oberdorf Oberdorf war historisch eng mit Mitterdorf verbunden. Das Sach- und Ortsregister des Vereins für Heimatforschung im Raum Roding verweist ausdrücklich auf die Verteilung des Gemeindeangers zwischen Mitterdorf und Oberdorf im Jahr 1808. Das spricht dafür, dass beide Orte schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts innerhalb der Gemeindestruktur eine zentrale Stellung einnahmen.
Oberkreith Oberkreith gehört zu den größeren und historisch bedeutsameren Ortsteilen des Mitterdorfer Raums. Im Jahrgangsregister des Heimatvereins wird unter anderem auf einen Beitrag zur Werkstatt des Wagners Asam in Oberkreith verwiesen. Das deutet auf eine handwerkliche Prägung des Ortes hin, die über die rein landwirtschaftliche Nutzung hinausging.
Am Bahnhof Der Ortsteil Am Bahnhof, heute meist als Roding am Bahnhof bezeichnet, entstand aus der verkehrsgeschichtlichen Entwicklung des 19. Jahrhunderts. Mit dem Eisenbahnanschluss erhielt der Raum einen neuen wirtschaftlichen und siedlungsgeographischen Schwerpunkt, der sich vom alten Dorf Mitterdorf unterschied. Dadurch wurde die frühere Landgemeinde Mitterdorf stärker an die Entwicklung Rodings und an überörtliche Verkehrsverbindungen angebunden.
Angermühle Die Angermühle ist einer der geschichtlich bedeutendsten Ortsteile der Gemarkung. Nach Angaben der Stadt Roding gehört sie zu den ältesten urkundlich erwähnten Gebäuden Rodings; die älteste Erwähnung wird dort um 1118 angesetzt, urkundlich belegt ist die Mühle im herzoglichen Salbuch von 1273. Für die frühe Neuzeit sind mehrere Besitzer überliefert: 1605 gehörte die Mühle Sebald Kaiser, 1652 ging sie in den Besitz des Rodinger Bürgermeisters Michael Heber über; nach dem Dreißigjährigen Krieg wird dort sogar ein Eisenhammer erwähnt. Später wurde die Angermühle auch zu einem frühen Ort technischer Modernisierung, da dort nach Angaben der Stadt Roding bereits 1898 eigener Strom erzeugt wurde, noch vor dem Anschluss Rodings und Mitterdorfs an das allgemeine Stromnetz.
Riebeisenmühle Auch die Riebeisenmühle verweist auf die frühere Bedeutung der Mühlenstandorte in der Gemarkung Mitterdorf. Solche Einöden und Mühlen waren nicht nur Produktionsorte, sondern zugleich kleine Siedlungskerne, die das Wirtschaftsleben der Umgebung mitprägten. Ihre Existenz zeigt, dass die Gemarkung historisch nicht allein aus geschlossenen Dorfkernen bestand, sondern aus einem fein verzweigten Netz landwirtschaftlicher und gewerblicher Kleinstandorte.
Heilbrünnl Heilbrünnl nimmt innerhalb der Gemarkung eine besondere Stellung ein. Der Ort ist vor allem durch die Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau geprägt, die nach Angaben der Stadt Roding 1730 als Rokokokirche errichtet wurde. In der Kirche wird das Wasser der Heilbrünnlquelle in einem Marmorbecken aufgefangen; unzählige Votivgaben und Votivbilder zeugen von der langen Wallfahrtstradition, die bis in die Gegenwart fortlebt. Nach Angaben der Stadt Roding wurde bereits 1668 die erste Kapelle errichtet; 1684 bis 1691 wurde sie erweitert, bevor 1730 der heutige Kirchenbau entstand.
Gstetten, Heide, Kronwitt und Nassen Die kleineren Ortsteile Gstetten, Heide, Kronwitt und Nassen stehen beispielhaft für die gewachsene Streusiedlungsstruktur der ehemaligen Gemeinde Mitterdorf. Ihre Namen bewahren ältere Flur- und Landschaftsbezeichnungen und verweisen auf die kleinteilige Erschließung des Landes durch Höfe, Weiler und Einzelanwesen. Historisch bildeten sie zusammen mit den größeren Dörfern und Mühlenstandorten einen funktionalen Zusammenhang, in dem Landwirtschaft, Nachbarschaft und Wegebeziehungen eng miteinander verflochten waren.
Sehenswürdigkeiten mini|Wallfahrtskirche Heilbrünnl über dem Fluss Regen (2015) Die bedeutendste Sehenswürdigkeit im Mitterdorfer Raum ist die Wallfahrtskirche Heilbrünnl. Sie gehört zu den Wallfahrtskirchen des Bistums Regensburg, die mit einer Quelle verbunden sind. In der 1730 errichteten Rokokokirche wird das Wasser der Heilbrünnlquelle in einem Marmorbecken aufgefangen; Votivgaben und Votivbilder bezeugen die lange Wallfahrtstradition. Die Denkmalliste hebt zudem die Eremitenwohnung, die Mariengrotte und die Kreuzwegstationen hervor.
Von ortsgeschichtlicher Bedeutung ist ferner die Angermühle, die als historische Mühle seit dem 17. Jahrhundert nachweisbar ist und nach Angaben der Stadt Roding sogar auf eine noch ältere Tradition zurückgeht. Sie ist ein wichtiges Zeugnis der Wirtschafts- und Technikgeschichte des Mitterdorfer Umlandes.
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